12. Mai
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Rating:1

Paulina Czienskowskis neuer Roman „Dem Mond geht es gut“ ist eine poetisch dichte Erkundung weiblicher Erinnerungen und generationsübergreifender Sprachlosigkeit. Im Zentrum steht eine junge Mutter, deren Blick sich mit der Geburt ihres Kindes auf schmerzhafte wie berührende Weise verändert. Zwischen Liebe, Verlustangst und einer verstörenden Stille tastet sie sich durch das Erinnerungsgeflecht dreier Generationen – ihrer selbst, der Mutter und der Großmutter. In feinen, oft assoziativen Bewegungen wirft Czienskowski Fragen nach Herkunft, Identität und den nicht erzählten Geschichten auf. In ihrer fragmentarischen Erzählweise verlässt Czienskowski bewusst klassische Romanstrukturen. Die Texte wirken tagebuchartig, fast wie lose Gedanken, die sich weniger zu einer Handlung als zu einem emotionalen Raum verdichten. Für Leser*innen, die einen zusammenhängenden Erzählfaden oder eine klar umrissene Geschichte erwarten, kann das enttäuschend sein. So auch in meinem Fall: Ich hatte mit einem klassischen Roman gerechnet, einer fortlaufenden Geschichte mit Entwicklung und Spannungsbogen. Stattdessen fühlte sich das Lesen für mich an wie das Blättern in zusammenhanglosen Tagebuchseiten – poetisch, ja, aber oft auch schwer greifbar und ohne erkennbare Dramaturgie. Die stilistische Form steht hier klar im Vordergrund, doch wer inhaltliche Klarheit sucht, könnte sich verloren fühlen. „Dem Mond geht es gut“ ist weniger Roman als literarisches Echo – zart, tastend, rätselhaft. Für manche Leser*innen mag das genau den Reiz ausmachen. Für mich blieb es jedoch eher eine verpasste Verbindung.

Dem Mond geht es gut
Dem Mond geht es gutby Paulina CzienskowskiBlumenbar
3. Mai
Eine wahrlich wunderbare Poesie der Suche - eine Suche nach dem eingeschrieben Verbindenden und dem unüberwindbar Trennenden zwischen Generationen von Müttern.
Rating:4

Eine wahrlich wunderbare Poesie der Suche - eine Suche nach dem eingeschrieben Verbindenden und dem unüberwindbar Trennenden zwischen Generationen von Müttern.

»Wie alles erinnert, alles immer an irgendwas. Und ich frage mich: Wieso das Abwesende eigentlich so verdammt laut brüllt.« aus „dem mond geht es gut“ (2025) von Paulina Czienskowski, S. 131, Aufbau Verlage »Ich bin eure Brücke. Zwischen euch bin ich ungewöhnlich gelassen. Ich steh da, hab Gewicht, beide Füße fest auf dem Boden, und ich rede viel, so viel, dass ich mich danach ganz leer fühle. Ich bin die Einzige von uns, die das Draußen reinholt, fällt es dir auf?« aus „dem mond geht es gut“ (2025) von Paulina Czienskowski, S. 172, Aufbau Verlage In Paulina Czienskowskis „dem mond geht es gut“ folgt man einem monologischen Gespräch einer namenlosen Mutter mit sich selbst, die mit der Geburt ihres Kindes, in ihre eigene Historie eintaucht und memoiristisch durch verschiedene Situationen der Mutter, der Großmutter, aber auch der Protagonistin selbst steigt. Dabei verweilt man manchmal in den episodischen Geschehen sowie ihren zugrunde liegenden, oft auch schmerzlichen Erfahrungen und erfährt so über die sichtbaren wie unsichtbaren Querverbindungen aller mit- und untereinander. In all der Anonymität, die die Autorin dem Buch gibt, versteckt sich die Offenbarung einer verletzlichen Intimität der mütterlichen Protagonistin und entwickelt dabei fortlaufend ein sprachlich geniales Zusammenspiel aus Harmonie, aus Knistern und aus Stille. Zart, melancholisch und doch liebevoll zugleich erschafft Paulina Czienskowski in ihrem Roman einen transgenerationalen, mütterlichen Mikrokosmos, der bestimmt danach fragt, wann und warum Liebe zwischen Mutter und Kind verblassen und erlöschen kann und wann sie doch in Momenten der Verletzlichkeit geradezu sehnsüchtig aufblitzt und eine schamhafte Ehrlichkeit offenlegt. Es ist die diffuse Perspektivvielfältigkeit auf Muttersein, -werden und -bleiben, die heraussticht und dem Roman seine Stärke verleiht. Dieses inhaltlich gezogene Band wird von einer Sprache der Autorin gerahmt, die mich wirklich besonders berührt hat und für mich das Highlight des Buches darstellt. Es ist eine wahrlich wunderbare Poesie der Suche - eine Suche nach dem eingeschrieben Verbindenden und dem unüberwindbar Trennenden zwischen Generationen von Müttern. Ist es nicht so, Paulina Czienskowski?

Dem Mond geht es gut
Dem Mond geht es gutby Paulina CzienskowskiBlumenbar
7. Apr.
❤️‍🩹❤️‍🩹
Rating:3

❤️‍🩹❤️‍🩹

Unfassbar poetisch geschrieben und irgendwie sehr besonders. Das Buch ist ein langer Brief von einer Tochter and ihre Mutter. Im Brief lässt sie ihre Kindheit Revue passieren, erzählt von ihrem eigenen Kind, der Geburt, den Herausforderungen. Berichtet aus ihrer Sicht, wie sie die Beziehung ihrer Mutter zu dem Vater und dem Mann danach erlebt hat. Wie es sie geprägt hat. Sehr verletzlich und emotional, aber irgendwie hat es mich auch etwas ratlos zurück gelassen.

Dem Mond geht es gut
Dem Mond geht es gutby Paulina CzienskowskiBlumenbar
19. März
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Paulina Czienskowskis Roman „Dem Mond geht es gut“ ist eine tiefgehende und poetische Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Erinnerung und generationsübergreifender Sprachlosigkeit. Mit feiner Beobachtungsgabe und großer sprachlicher Präzision erzählt sie von einer jungen Mutter, die sich durch die Geburt ihres Kindes nicht nur selbst neu entdeckt, sondern auch auf die Leben ihrer Mutter und Großmutter zurückblickt – auf das, was gesagt wurde, aber vor allem auf das, was in der Stille verborgen blieb. Die Geburt eines Kindes verändert alles – nicht nur den Alltag, sondern auch die Wahrnehmung der eigenen Herkunft. Die namenlose Erzählerin begibt sich auf eine tastende Suche nach ihrer eigenen Geschichte, die eng mit der ihrer Mutter und Großmutter verknüpft ist. Dabei zeigt sich: Es gibt Leerstellen, Geheimnisse und unausgesprochene Gefühle, die sich wie Nebel durch die Generationen ziehen. Czienskowski gelingt es, diese diffuse Gefühlswelt in eine Sprache zu kleiden, die sowohl fragil als auch kraftvoll ist. Ihre Sätze sind tastend, fast suchend, und genau darin liegt ihre Stärke. Sie beschreibt die Transformation, die Mutterschaft mit sich bringt – das Schwinden der Worte, das Überflutetwerden von Emotionen, die unbewusste Weitergabe von Erinnerungen. Der Roman ist weniger eine lineare Erzählung als vielmehr ein Mosaik aus Gedanken, Fragmenten und Empfindungen. Czienskowskis Stil ist lyrisch und intensiv, manchmal roh und direkt, dann wieder sanft und voller Sehnsucht. Sie bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Intimität und Distanz, zwischen persönlicher Reflexion und universeller Erfahrung. Besonders beeindruckend ist die Art, wie die Autorin den weiblichen Körper thematisiert – als Träger von Erinnerungen, als Quelle von Schmerz, Scham, Kraft und Liebe. Die Mutterschaft wird nicht romantisiert, sondern in all ihren Widersprüchen dargestellt: als überwältigende, aber auch zerrende Erfahrung. Paulina Czienskowski hat einen außergewöhnlichen Roman geschrieben – poetisch, klug und von großer emotionaler Wucht. Es ist ein Buch über Mütter und Töchter, über das Erinnern und das Vergessen, über das Suchen und das Finden. Wer sich auf diesen intensiven, fast meditativen Erzählstil einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die lange nachhallt. Ein Buch, das nicht nur Mütter und Töchter lesen sollten – sondern alle, die sich für das feine Geflecht aus Sprache, Familie und Identität interessieren. Ich mochte es sehr und kann es nur empfehlen!

Dem Mond geht es gut
Dem Mond geht es gutby Paulina CzienskowskiBlumenbar
14. März
Rating:4

Super Buch

Paulina Czienskowskis neuer Roman ist ein feinfühliges, poetisches Werk über Mutterschaft, Herkunft und das unausgesprochene Erbe, das zwischen Generationen weitergegeben wird. Mit einer Sprache, die zugleich zart und schonungslos ist, entfaltet die Autorin das Leben dreier Frauen - Großmutter, Mutter und Tochter - und beleuchtet, wie ihre Geschichten ineinander verwoben sind, selbst wenn Worte oft fehlen.

Dem Mond geht es gut
Dem Mond geht es gutby Paulina CzienskowskiBlumenbar