7. März
Rating:3.5

In 14 Kurzgeschichten schreibt, damals erst 22 Jahre alt, Diane Oliver über alltägliche Begebenheiten Schwarzer Menschen in den 60er Jahren der USA, im „versteckt“ politischen Kontext. Dieser versteckt sich zwischen den Zeilen und ist dennoch immer omnipräsent, wie etwas die Rassentrennung oder Arbeitsbedingungen.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
13. Jan.
Rating:3

Lange Zeit lagen die Kurzgeschichten von Diane Oliver eher im Schatten und bekommen jetzt mit diesem Sammelband hoffentlich die nötige Aufmerksamkeit. Olivers Kurzgeschichten sind wie eine Zeitkapsel, die den Lesenden zurück in die USA der 60er-Jahre aus Sicht der Afroamerikaner befördert, wobei die damaligen Verhältnisse bis heute nachhallen und somit weiterhin relevant bleiben. Olivers Schreibstil und Themen würde ich als unaufgeregt bezeichnen. Fast schon nüchtern behandelt sie alltägliche Situationen und kann damit trotzdem Emotionen erwecken. Die Geschichten sind authentisch, das bekommt man deutlich zu spüren. Ich erkenne an, welche geschichtliche und gesellschaftliche Relevanz dieser Sammelband hat, muss aber auch gestehen, dass mich die meisten Kurzgeschichten auf persönlicher Ebene nicht komplett abgeholt haben. Vielleicht war es nicht ganz mein Schreibstil. Dennoch ein bereicherndes Leseerlebnis außerhalb meiner Komfortzone über unheimlich wichtige Themen. Ich empfehle auch wärmstens das Nachwort von Tayari Jones. Es verleiht dem Werk den nötigen Kontext und liefert wissenswerte Hintergrundinformationen.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
14. Dez.
Rating:5

Thea Dorn hat dieses Buch bei der Leipziger Buchmesse vorgeschlagen und als sehr gut bewertet. Ich bin sehr interessiert, wenn es um die Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den USA geht. Deshalb habe mich entschieden, mir dieses Buch zu kaufen und ich habe es nicht bereut. Bis auf eine Geschichte fand ich dieses Buch großartig und noch bemerkenswerter ist es, das diese Schriftstellerin mit 22 Jahren verstorben ist. Ich kann es nur empfehlen.

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Nachbarnby Diane OliverAufbau
10. Okt.
Rating:4.5

Die Kurzgeschichten geben einen sehr intensiven Einblick in die Lebensrealitäten von in erster Linie BPoC in den 60er Jahren in den Südstaaten der USA. Die offenen Enden lassen einen die Erzählungen selbst weiterspinnen, wobei die eher düsteren Aussichten in relativ klare Richtungen weißen. Lesenswert!

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
8. Okt.
Rating:5

Die 14 Kurzgeschichten von Diane Oliver spiegeln das Leben Schwarzer Menschen in den USA der frühen 1960er wieder: facettenreich, bewegend und literarisch meisterhaft. In einer Geschichte ist eine Familie unsicher, ob sie ihr Kind als einziges Schwarzes auf eine Schule für weiße Kinder schicken soll, in einer anderen begleiten wir eine junge Frau, die als Teil einer Bürgerrechtsgruppe an einem Sit-In in einem Diner teilnimmt. Es geht um eine Gruppe junger Afroamerikanerinnen, die an einem Austauschprogramm in die Schweiz teilnehmen, um eine weiße Floristin, die sich in einen Schwarzen Mann verliebt, eine Lehrerin in einem Armenviertel, einen Femizid und um eine Familie, die sich im Wald vor den Behörden versteckt. Diane Oliver (1943-1966) wurde nur 22 Jahre alt und nur vier ihrer Kurzgeschichten wurden zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Es ist ein großes Glück, dass ihr Werk nun einem breiten Publikum zugänglich ist, denn es ist gleichermaßen historisches Zeugnis und brandaktuell.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
26. Sept.
Rating:4

I listened to the audiobook. First what I liked: It just tells stories, it doesn't imply anything, just tells you and let you think. I mean the thoughts seem clear but the subtleness of it I like. Some stories confused me and I couldn't connect, but that's always the case for me with short story collections. Slightly recommend I guess.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
27. Apr.
Rating:5

Geschichten die zwischen den Zeilen ihre volle Kraft entwickeln! Zutiefst berührend!

**** Worum geht es? **** Die wandelnden sozialen Umstände in den 1960er Jahren. Eine Frage der Hautfarbe, der Meinung anderer. Unter den Augen der Nachbarn in die Schule von Weißen gehen, eine Person mit farbiger Haut heiraten oder einfach nur eine Person sein. Persönliches und politisches wird hier verknüpft und ist noch heute so aktuell wie damals. **** Mein Eindruck **** Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die wie eine zusammenhänge Geschichte wirkt, ohne tatsächlich eine zu sein. Das Buch hat einen ganz besonderen Ton und einen klaren Fokus. Jede einzelne Geschichte spricht zwischen den Zeilen von gestern, heute und morgen, was für mich eine besondere Kunst ist und damit eine laute Stimme für Missstände in Bezug auf die Hautfarbe einer Person. Dabei wählt die Autorin selbst feine und leise Worte. Die Situationen sind ganz im Alltag eingebunden und ich als Leserin musste mich auf jedes Wort konzentrieren. Das mag nicht für jedermann das richtige sein und dennoch erschafft die Autorin damit ein Werk das meiner Ansicht nach nicht nur die Menschen damals und heute bewegt, sondern auch in der Zukunft. Eine Zeit in der Geschichte, die viel zu wenig erzählt wird und hiermit ein Zuhause gefunden hat, zwischen dir, mir und den Nachbarn! Und am Ende bleibt eine Frage im Raum: können wir von Geschichte sprechen oder sind wir immer noch diese Nachbarn? **** Empfehlung? **** Worte die bleiben: bewegend, berührend, anregend und damit eine klare Empfehlung für alle die wichtige Themen und echte Lektüre zu schätzen wissen.

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Nachbarnby Diane OliverAufbau
23. Apr.
Rating:3.5

Teilweise erstaunlich aktuell

In verschiedenen, voneinander unabhängigen Geschichten erfährt man hier, was es hieß, in den 50er/60er Jahren schwarz zu sein. Viele der Darstellungen haben bis heute nichts an Aktualität verloren. Diane Oliver konnte wunderbar erzählen. Kaum zu glauben, dass diese Texte von einer 22 Jährigen verfasst wurden und erst so viele Jahre nach ihrem Tod entdeckt und veröffentlicht wurden.

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Nachbarnby Diane OliverAufbau
5. Apr.
Rating:4

"Nachbarn" von Diane Oliver ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich mit den sozialen Umständen und rassistischen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten befassen. Die Autorin, Diane Oliver, wurde 1943 in Charlotte, North Carolina, geboren und hat posthum Anerkennung für ihre Werke erhalten, darunter die preisgekrönte Geschichte "Nachbarn", die mit dem O. Henry Award ausgezeichnet wurde. Sie verstarb bereits im Alter von 22 Jahren. "Nachbarn" ist eine literarische Arbeit, die die gesellschaftlichen Veränderungen und rassistischen Spannungen in den USA der 60er Jahre einfängt. Die Geschichten erkunden Themen wie Rassismus, Familienbeziehungen und ethische Dilemmata. Beispielsweise, von der Entscheidung, Kinder in segregierten Schulen einzuschulen oder nicht, bis hin zu den Auswirkungen rassistischer Übergriffe auf das Leben eines Paares im Wald - jede Geschichte wirft ein Licht auf die komplexen Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft. Als Gewinnerin des Buches hatte ich keine konkreten Erwartungen, dachte aber, dass es sich um einen "normalen" Roman handeln würde, umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es sich um Kurzgeschichten handelte. Besonders beeindruckt war ich von der reflektierten Schreibweise der Autorin, die bereits in jungen Jahren sozialkritische Themen aufgriff. Meine persönlichen Favoriten waren "Die Kammer im obersten Stock", "Gefrorene Stimme" und "Unser Ausflug ins Naturkundemuseum". Die Vielfalt der behandeltet Themen - von Armut über Klassenzugehörigkeit, Liebe, mentale Gesundheit, "Race" und "gender" bis hin zu Rassismus - machte das Lesen zu einer fesselnden und lehrreichen Erfahrung. Das Nachwort half mir, historische Zusammenhänge besser zu verstehen und einige der Geschichten in den Kontext der Black American History einzuordnen. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

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Nachbarnby Diane OliverAufbau
31. März
Rating:5

Diane Oliver schreibt in 14 Storys vom Alltag schwarzer Frauen zu Zeiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und verleiht damit denen eine Stimme, die zu wenig gehört wurden und werden. Eine tolle Entdeckung!

Der Band „Nachbarn“ umfasst 14 Storys, die alle vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung zur Aufhebung der Rassentrennung in den Südstaaten Amerikas in den 1950/60er Jahren spielen. Die Geschichten beschäftigen sich dabei nicht nur mit der Frage nach Schwarz und Weiß, sondern auch mit dem Faktor Gender. Alle Geschichten sind aus der Sicht einer Protagonistin erzählt und machen deutlich, dass alles Politische immer auch privat ist und dass gesellschaftlicher Wandel individuelle Opfer fordert. Alle Protagonistinnen tragen schwer an ihrer Verantwortung. Die Geschichte „Nachbarn“, die dem Band auch den Titel verleiht, zeigt dies besonders deutlich. Darin möchte eine schwarze Mittelklasse-Familie ihr neues verfassungsmäßiges Recht auf gleiche Bildung durchsetzen und ihren Sohn auf eine Schule schicken, die bis dahin weißen Schüler:Innen vorbehalten war. In der Geschichte kann die Polizei die Familie und ihr Heim nicht ausreichend beschützen und nicht nur die Eltern fragen sich, ob gesellschaftlicher Fortschritt auf dem Rücken eines kleinen Jungen ausgetragen werden sollte. Doch auch andere Geschichten haben mich wirklich bewegt. „Nach Norden“ handelt von einer alleinerziehenden Mutter und ihren Töchter, die nach langer Zeit ihrem Mann „nach Norden“ folgt in den (fast) sicheren Wissen nicht aufgenommen zu werden: „Aber wir mussten auf etwas hinarbeiten. Verstehst du das? Wir wären nie rausgekommen, wenn wir nicht auf etwas hingearbeitet hätten.“ Die Story „Kein Service“ hier erzählt von einem Paar, das in die Einsamkeit des Waldes flieht, um ihren Sohn vor weiteren Angriffen von Weißen zu schützen, nachdem sie bereits ein Kind kurz nach der Geburt verloren hatten, als hätte „der kleine Bursche, Angst zu atmen“. Was wie eine „Aussteiger-Idylle“ beginnt, endet wie ein Horror-Film. Die Geschichten können im Ganzen genauso gut wie einzeln für sich gelesen werden. Dabei ist es immer wieder überraschend, wie die Tonlage der Erzählstimme variiert. Auch wenn die Geschichten so lange auf ihre Entdeckung warten mussten, haben sie leider nichts von ihrer Aktualität eingebüßt und das Nachwort der Schriftstellerin Tayari Jones macht deutlich, dass Diane Oliver zu den großen afro-amerikanischen Schriftsteller:Innen gehört.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
22. Feb.
Rating:4

"Nachbarn" von Diane Oliver ist eine Kurzgeschichtensammlung aus den 50er und 60er Jahren in denen sie sich mit den politischen Geschehnissen dieser Zeit auseinandersetzt. Sie wirft einen Blick auf die sozialen Umstände von Schwarzen und beleuchtet deren Leben zu dieser Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln: Rassismus in all seinen Facetten, Armut, Hoffnung, Identitätssuche, Frustration, aber auch Stolz über die eigene Herkunft. Oliver ist weit davon entfernt zu pauschalisieren, alles über einen Kamm zu scheren. Im Gegenteil. Es gelingt ihr, die Gesellschaft in einer Breite einzufangen, die mich erstaunt und beeindruckt hat. So lernen wir in ihren Kurzgeschichten alleinerziehende Mütter kennen, aber auch Dienstmädchen, schwarze Schülerinnen und Studentinnen, Arztgattinnen, Frauen und Menschen in allen Lebenslagen und Situationen. Jede Kurzgeschichte hat ihren eigenen Ton, genauso wie jede ihrer Figuren ein eigenes Leben hat. Die Facetten sind vielfältig, aber sie berühren allesamt. Und sie sind so wahr und eindringlich erzählt, dass mich beim Lesen nicht nur einmal eine Gänsehaut gepackt hat. Was muss passiert sein, damit eine Familie so viel Hass auf die Weissen entwickelt, dass sie lieber abgeschottet im Wald lebt, als einem von ihnen auch nur noch einmal zu begegnen? Warum kann sich Meg nicht in einen Schwarzen verlieben, ohne damit ihr gesamtes soziales Umfeld zu verlieren? Wie können zwei liebende Eltern die Entscheidung treffen müssen, ob sie ihrem Sohn nun die Bildung ermöglichen, die sie ihm wünschen, oder lieber Gewalt und Rassismus ersparen wollen? Diane Oliver gibt vielleicht nicht die Antworten auf all diese Fragen. Aber sie stellt sie, mit einer eindringlichen Stimme und einer unvergesslichen Sprache und tut damit noch so viel mehr. Der Leserin und dem Leser dieses Werks öffnet sich eine Welt der Fragen, des Nachdenkens und des Hinterfragens. Eine grosse Leseempfehlung.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
16. Feb.
Rating:4.5

Eine sehr gute Sammlung an Kurzgeschichten. Schwer zu glauben, dass die Autorin erst 22 Jahre war und die Geschichten bereits rund 60 Jahre alt sind. Es geht um Alltägliches (fast) immer im Kontext mit der Thematik Schwarz zu sein. Leseempfehlung.

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Nachbarnby Diane OliverAufbau
14. Feb.
Rating:0

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/im-gespraech/diane-oliver-nachbarn?utm_source=zeit&utm_medium=email&utm_campaign=dianeolivernachbarn&mobile=1&wt_zmc=nl.int.zonaudev.343164355746_449420959144.nl_ref.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
11. Feb.
Rating:4.5

*Nachbarn* Diane Oliver 📚✨ Die Wiederentdeckung von Diane Olivers Kurzgeschichten ist ein wahrer Schatz für Leser von heute! In dieser Sammlung entführt uns Oliver in den Alltag im Süden der USA während der Zeit der Rassentrennung. Ihre Geschichten sind voller Alltagshelden und -heldinnen, deren Stimmen oft ungehört blieben. „Nachbarn“, die titelgebende Geschichte, stellt uns vor die schwierige Entscheidung einer Familie, ihren Sohn als einziges schwarzes Kind auf eine rein weiße Schule zu schicken. Andere Geschichten begleiten eine junge Frau, die unter dem Druck zerbricht, die einzige Schwarze auf ihrem College-Campus zu sein. Oliver wirft nicht nur Licht auf die intellektuellen und aktivistischen Führer jener Zeit, sondern auch auf jene, die nur ums Überleben kämpfen. Diese Sammlung spricht mit einer starken Stimme über Rasse, Geschlecht und Klasse, und bleibt trotz der historischen Kulisse aktuell. Ihre Geschichten inspirieren zu Diskussionen und fesselten mich von Anfang bis Ende. Eine unverzichtbare Wiederentdeckung! ✨📚

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
4. Feb.
Rating:4

NACHBARN Diane Oliver Nachbarn ist ein Buch, bestehend aus vierzehn Kurzgeschichten, die einen eindringlichen Einblick in das Leben mehrerer schwarzer Menschen in den Südstaaten zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den 60er-Jahren bietet. Wir erfahren von dem kleinen Thommy, dem empfohlen wurde, wegen seiner Begabung auf die Schule für Weiße zu gehen. Doch die Gewaltbereitschaft der weißen Menschen der Stadt, die dies verhindern wollen, ist so groß, dass die Familie den zunehmenden Druck kaum aushält und am Ende keinen Mut aufbringt, ihren Sohn in deren Schule zu schicken. In einer anderen Geschichte ist eine Frau im Mittelpunkt, die als Dienstmädchen bei einer weißen Frau arbeitet. Ihre Kinder muss sie am Tage unbeaufsichtigt und ohne Essen alleine zu Hause lassen. Um die Kinder sattzubekommen, bestiehlt sie ihre „Herrin“, aber ihr Ehemann hat nichts besseres zu tun, als sich ein Auto zu kaufen. Das Buch handelt von Ausgrenzung, Demütigung und Rassentrennung, aber auch von der Unzuverlässigkeit des schwarzen Ehemanns. Einige Geschichten konnten mich sehr berühren, andere Geschichten und deren Personen hätte ich gerne noch länger begleitet, nicht alle Geschichten gefielen mir. Leider sind die Themen dieses Kurzgeschichtenbandes noch immer hochaktuell, und das, obwohl dieses Buch bereits in den 60er-Jahren von der jungen Diane Oliver (1943-1966) geschrieben wurde. Oliver starb im Alter von nur 22 Jahren bei einem Verkehrsunfall. So eindrückliche und differenzierte Charakterbeschreibungen in einem jungen Alter zu Papier zu bringen, haben mich sehr beeindruckt. Die Autorin hat es perfekt verstanden, die Stimmung in Amerika während der Bürgerrechtsbewegung einzufangen. Ich habe nicht nur das Buch gelesen, sondern auch das Hörbuch gehört, dabei durfte ich der wunderbaren und klaren Stimme von Maya Albarn-Zapata lauschen. Gerne empfehle ich dieses Buch/Hörbuch weiter. 4/5

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
27. Jan.
Rating:4

Kurzgeschichten die (leider) nichts an Aktualität verloren haben

„Noch nie hatte sie jemand so offen mit diesem Wort beschimpft…es schien, als legte es sich um sie wie ein unsichtbarer Mantel, und nur indem sie es mit ihren Gedanken wegstieß, konnte sie verhindern, dass es sie erstickte“ Diane Oliver erzählt in 14 beeindruckenden Kurzgeschichten die Lebensumstände von farbigen Menschen in den 60er Jahren in den Südstaaten von Amerika. Sie beschreibt dabei nicht nur die Gefühlswelt ihrer Protagonisten, sondern zeigt auf, auf welche schockierende Weise die Farbigen behandelt, missachtet und nicht respektiert worden sind. Die Emotionen ihrer Figuren reichen von Resignation, über Kampfgeist zu Stolz und dem unbedingten Willen, etwas zu ändern, die Umstände nicht hinzunehmen. Und trotz diesem Spektrum an Gefühlen bezüglich der politischen Situation, wird auch wunderbar aufgezeigt, dass trotz allem der Alltag weiter gehen muss, Menschen sich verlieben und ihren Platz in der Welt suchen. Die Geschichten sind voller Leben, schockieren, werfen jede für sich eine Frage auf und hinterfragen den Status quo. Sie zeigen uns den Preis auf, den Farbige in dieser Zeit gezahlt haben und auch den Preis den sie bereit waren zu zahlen, um die Umstände und Gesetze endlich zu ändern. Wäre Diane Oliver noch am Leben, ich denke wir hätten noch viele großartige Werke von ihr lesen können. Dieses Buch hat grade in der jetzigen Zeit nichts an Aktualität verloren. Es ist wichtig, es ist emotional, es zeigt welche schlimmen Folgen und welches Leid Rassismus mit sich bringt und wieso es deshalb umso wichtiger ist, dass wir aufstehen und uns klar dagegen positionieren. Bitte lest dieses Buch!

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
26. Jan.
Rating:5

Wir brauchen solche Bücher!

Was man sieht. Ein wunderschönes Cover. Auf den ersten Blick ist alles stimmig. Man vermutet ein Liebespaar, entspanntes Beisammensein. Das Nachwort von Tayari Jones. Autorin des Buches „In guten wie in schlechten Tagen“. Da ich das Buch damals gelesen habe und sehr mochte, ist mir die Autorin in Erinnerung geblieben. Deshalb habe ich diesmal zuerst das Nachwort gelesen. Das war wohl die beste Entscheidung. Tayari Jones schildert viele Gemeinsamkeiten zu Diane Oliver und wie Sie auf Ihre Geschichten aufmerksam geworden ist. Sie haben zu unterschiedlichen Zeiten, dass selbe College besucht. Diane Oliver starb bereits mit 22 Jahren bei einem tragischen Unfall. Sie erhielt postum Ihren Master Abschluss. Ihre Kurzgeschichten sind eine Bereicherung und Tayari Jones lässt uns an Ihren Lobeshymnen teilhaben. Ich finde das Nachwort so prägend und schön formuliert, dass ich den Eindruck hatte, einen besseren Bezug zu den einzelnen Geschichten zu bekommen. Alle Kurzgeschichten handeln indirekt vom Leben der Autorin, von einem segregierten Alltag. Man spürt eine beklemmende Atmosphäre in den Geschichten. Sie fühlen sie irreal an, aber leider passieren solche Situationen wirklich. Auch heute noch. Die Geschichten sind von 1966 und könnten nicht aktueller sein. Zumeist ereignen Sie sich in der Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten der USA. Es geht um Politik, um Menschhass und auch um Liebe. Was man in den Geschichten spürt, ist nicht nur die Abscheu, sondern auch die Fürsorge, die Angst und der Wunsch auf ein gleichberechtigtes und besseres Leben. Ganz besonders ist mir die Geschichte „Die Kammer im obersten Stock“ in Erinnerung geblieben. Ausgrenzungen, Mobbing können Menschen in eine Depression treiben, ja sogar in den Tod. Erschreckend ist die Tatsache, dass wir Menschen es während all den Jahren unserer Existenz nicht schaffen, unsere Gleichwertigkeit anzuerkennen. Es gibt immer noch zu viele Menschen, die sich Ihrer imaginären besseren Rasse bedienen. Tayari Jones bringt folgendes Zitat Ihrer Kommilitonin in Ihrem Nachwort: „Stell dir vor, die Welt, wie wir sie kennen, ist zerstört. Und jetzt stell dir vor, wie Menschen in der Zukunft die Trümmer durchsuchen. Tja, und dafür sind Bücher da-um den neuen Menschen zu erzählen, was zum Teufel passiert ist.“ Und genau deshalb kann ich dieses Buch empfehlen. Je mehr es lesen, umso besser lernen wir zu begreifen, was wir ändern und besser machen müssen.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau
22. Jan.
Ein großartiges literarisches Werk
Rating:5

Ein großartiges literarisches Werk

„Nachbarn“ von Diane Oliver (1943-1966) ist eine Sammlung unterschiedlicher Geschichten aus den 50er und 60er Jahren über die Bürgerrechtsbewegung in Amerika und deren unterschiedliche Formen von Diskriminierung und Rassismus. Nachbarn erzählt von dem kleinen Tommy, der als einziges farbiges Kind eine Schule der Weißen besuchen soll. Ellie, seine Schwester trifft auf dem Nachhauseweg den alten Mr. Paul und dieser murmelt: Ich glaube nicht, dass sie ihm was tun“. Auch ein unbekanntes Paar aus einem Auto spricht Ellie an: Hör mal Mädchen, du kennst mich nicht, aber dein Vater kennt mich. Sag ihm, wenn seinem Jungen morgen was passiert, bringen wir die Sache in Ordnung“. Die Weißen bedrohten die Familie seit Wochen, Drohbriefe wurden an den kleinen Tommy geschickt. Polizeifahrzeuge vor dem Haus sollen der Familie ein Gefühl der Sicherheit geben. Der Junge ist still und verängstigt. Bis eine Bombe am Vorabend des Schulstart alles auf den Kopf stellt und die Angst allgegenwärtig ist. Das Leben ihres Kindes liegt in der Verantwortung der Eltern und doch hadern diese mit sich: Wie sollen sie ihren Kindern klarmachen, dass sie Angst vor den Weißen haben? Unglaublich intensiv zeichnet die Autorin ein Bild der Angst, des Unbehagen und die Bösartigkeit der Weißen. Die Hautfarbe zeigt die Unterschiede auf und trotz der Bürgerrechtsbewegung ist der Hass deutlich spürbar. Ein Mädchen wird von ihren Eltern auf die Green-Hill-Universität geschickt in der Hoffnung, dass sie die erste farbige Absolventin wird. Ihr Vater hat alles dafür getan, Bittbriefe geschrieben und mit einer Klage gedroht. Alle Mädchen außer Winifred waren in einer Studentinnenverbindung. Ihre Mitbewohnerin redete über sie, ihre Eigenarten, Gewohnheiten und ihre Kleidung. Das Mädchen wird zur Außenseiterin, bis sie nicht mehr am Unterricht teilnimmt, alleine ein Zimmer bewohnt und nur noch eine fensterlose Kammer zum lernen nutzt. Die Hausmutter macht sich Gedanken und ein Arzt fragt, ob es ihr etwas ausmacht, die einzige Schwarze am College zu sein. Winifred verlässt das College und ihr Vater meint: Sie haben sich aufgeführt, als wärst du nicht gut genug für ihr College.“ Wer oder was macht das Mädchen krank? Junge Farbige gehen in den Tea Room und wollen viermal das Tagesgericht bestellen; alle Weißen verlassen fluchtartig das Restaurant und die Polizei nimmt die jungen Menschen mit auf das Revier. Aus der schaulustigen Menge hörten die jungen Menschen wie jemand laut >Ni****< rief. Die beiden Männer und Frauen wurden stundenlang verhört, eingesperrt und zuletzt die Männer nochmal befragt und dabei misshandelt. In den weiteren Kurzgeschichten geht es um Rassenintegration und die Storys werden tiefgründig, emotional und intensiv beschrieben. Geht es um die Integration oder um das eigene Schicksal? Welcher Weg ist richtig, der private oder politische? Nicht nur Schwarze, auch Weiße sind Leidtragende der Minderheitenrechte auch wenn die Gesetze bereits in den 60er Jahren aufgehoben wurden. Die junge Autorin zeigt unglaublich gut mit ihren Kurzgeschichten die verschiedenen Lebensweisen von Schwarz und Weiß, die unterschiedlichen Wahrnehmungen und was eine Hautfarbe für Auswirkungen auf das Leben und das Umfeld haben kann. Hoch emotional und zugleich schlicht und ergreifend zieht uns Diane Oliver in ihre Storys. Fesselnd und ergreifend öffnen wir nach jeder Geschichte mehr und mehr unser Herz. Als Leser fasziniert der Schreibstil und eröffnet uns andere Sichtweisen. Ein Kampf für die gleichen Rechte, Hoffnung verbunden mit Angst. Ein Spagat zwischen Liebe und Hass, Freundschaft und Angst, Schwarz und Weiß …. Diane Oliver hat ein großartiges literarisches Werk erschaffen.

Nachbarn
Nachbarnby Diane OliverAufbau