Einerseits mag ich die Nacherzählungen von Stephen Fry. Sie sind leicht verständlich, holen viele ab und vor allem merkt man seine Hingabe für die Griechische Mythologie. Aber manchmal, leider nicht wirklich selten, versucht er witzig zu sein und das ist immer sehr unangenehm
Lange ersehnt und von mir vor einer Ewigkeit vorbestellt ist endlich der vierte und letzte Band von Sir Stephen Fry’s grandiosen Neuinterpretationen der griechischen Mythologie erschienen.
Nach den vorangegangenen Bänden ,,Helden“, ,,Mythos“ und „Troja“ hat er die Götter- und Heldengeschichten der Antike mit Witz, Tiefe und moderner Sprache neu zum Leben erweckt und bringt mit „Odyssee“ dieses Projekt zum krönenden Abschluss. Fry gelingt es, die Irrfahrt des listenreichen Odysseus sowie die Nebenschauplätze so lebendig und spannend zu erzählen, dass man selbst bereits bekannte Episoden mit neuem Staunen liest. Er verleiht den alten Mythen einen frischen Atem, ohne ihre Würde oder ihre tragische Tiefe zu verlieren und es macht einfach unheimlich Spaß zu lesen. Dabei bleibt er seinem unverkennbaren Stil treu: klug, humorvoll, erzählerisch auf hohem Niveau und immer mit einem feinen Gespür für die menschlichen Schwächen hinter den göttlichen Abenteuern, die die Geschichten so nahbar machen. Seine Begeisterung für die Thematik ist ansteckend – man spürt auf jeder Seite, dass Fry die Mythen nicht nur erzählt, sondern lebt. Er zeigt uns, wie zeitlos und kraftvoll diese uralten Geschichten sind. Griechische Mythologie ist nicht nur cool, sondern pure Erzählmagie. Deshalb sind die Werke eine echte Empfehlung für alle, die sich für die Thematik begeistern und keine trockene Wiedergabe möchten, sondern Emotionen beim Lesen brauchen.
Mochte die anderen Bücher der Reihe, das hier hat mich leider nicht abgeholt

Zwischen Göttern, Giganten und genialem Humor
Götter, Monster, Nymphen – und mittendrin ein Typ, der einfach nur nach Hause will. Klingt banal? Nicht, wenn Stephen Fry die Geschichte erzählt. Der Mann hat’s einfach drauf, aus uralten Sagen wieder pures Kopfkino zu machen. Seine Version der Odyssee ist keine staubige Schulbuchlektüre, sondern ein mitreißendes, witziges und ziemlich respektloses Abenteuer, das Homer wahrscheinlich selbst gefallen hätte – zumindest an seinen guten Tagen. Odysseus irrt hier nicht nur über die Meere, sondern stolpert auch durch die Untiefen menschlicher Eitelkeit, göttlicher Willkür und richtig schlechter Entscheidungen. Fry versteht es, diesen epischen Stoff so lebendig zu machen, dass man sich fast wünscht, mit an Bord zu sein – solange man nicht der Typ ist, den die Sirenen anlächeln. Der Humor ist britisch-trocken, die Dialoge sprühen vor Wortwitz, und trotz all der mythologischen Schwere bleibt das Ganze erstaunlich leichtfüßig. Was mich besonders fasziniert: Fry schreibt, als würde er selbst irgendwo an Deck stehen, mit einem Glas Wein in der Hand, kommentierend, fluchend und lachend zugleich. Diese Kombination aus Respekt vor der Vorlage und kompletter Frechheit im Ton macht das Buch zu etwas Einzigartigem. Am Ende fühlt sich Odyssee an wie ein großartiges Finale einer Serie, die man eigentlich nicht enden lassen will. Man klappt das Buch zu und denkt sich: „Verdammt, warum hat Zeus keine Fortsetzung bestellt?“ Wer sich von Göttern, Helden und Frys genialem Erzählstil verführen lassen will – bitte sehr. Aber Achtung: Danach wirken viele moderne Helden nur noch wie blasse Kopien mit GPS. Fazit: Episch, witzig, klug – und ganz sicher kein antiker Staubfänger.



