Was bin ich froh, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe! Belohnt wurde ich mit einer tollen Geschichte einer kurdischen Familie mit 6 erwachsenen Kindern in Holland. Eine Geschichte von Armut, Verfolgung und Flucht, aber auch die erstaunliche Geschichte eines Kunstraubs eines Auftragsmordes, der eine jahrzehnte alte Rechnung begleichen soll. Die Geschichte ist wirklich lesenswert. Jedoch war mir der Stil mit den vielen Rückblenden und die Erzählgeschwindigkeit zu stressig. Dauernd habe ich gedacht, etwas übersehen zu haben. Dass das nicht der Fall war sondern einfach der (zugegeben sehr originellen) Erzählweise geschuldet, habe ich erst am Schluss verstanden. Das hat mir ein wenig die Freude an der Geschichte genommen, daher nur 3 Sterne von mir :-)
„Aber auch dieses Mal gilt: Räuber und Räuber. Niemand will ein Polizist sein.“ Ausgefallene Machart, wie ein Drama im Roman, aber auch ein ziemliches Durcheinander.
„Die Kinder sind klein und spielen Räuber und Gendarm. Wie spielen sie das? So, wie sie es kennen. Niemand ist der Gendarm. Alle sind bloß Räuber. Niemand will Polizist sein.“ Auf einer kurdischen Hochzeit im niederländischen Rotterdam fallen Schüsse. Für jedes einzelne Familienmitglied des Opfers ändert sich danach schlagartig alles. Um zu erklären, wie es dazu kommen konnte, muss man in die Vergangenheit, nach Kurdistan, reisen und wird schnell Zeugin eines Kunstraubs, der sich erst ganz zum Schluss auflöst. Davor hatte ich „Alle Hunde sterben“ von Cemile Sahin gelesen, was mich vor allem mit seiner Brutalität beeindruckt hat. „Kommando Ajax“ ist zwar immer noch schonungslos, aber die Story wird mit viel absurdem Humor erzählt. Inhaltlich geht es dabei vordergründig um die Exilerfahrungen einer kurdischen Familie in den Niederlanden — deren Mitglieder verschiedener Generationen versuchen irgendwie, sich durchzukämpfen. Der Erzählstil des Romans ist ganz besonders, da er einem Drehbuch gleicht. Das klingt jetzt erstmal experimentell, aber die Autorin setzt das sooo gut um, dass eine Unmittelbarkeit entsteht, mit der ich so nicht gerechnet habe. Mal transportiert das Buch ironische Distanz als Stilmittel, mal ist man ganz nah an den Figuren dran und entwickelt Mitgefühl, Wut, Trauer. Zudem ist das Erzähltempo schnell und springt nur so zwischen den Zeitebenen — durch die Regieanweisungen kommt man als Leser:in aber nie durcheinander. :) Ich hab das Gefühl, es gibt noch so viel mehr zu „Kommando Ajax“ zu sagen, aber meine Rezi würde dem, was der Roman ist, nie gerecht werden. Deshalb rennt in die nächste Buchhandlung oder Bibliothek und holt euch dieses kleine Buchjuwel. <3
Toller Heist-Roman mit Einblick in die kurdische Kultur.
Ich habe „Kommando Ajax“ im Rahmen eines Buchclubs gelesen und war überrascht, wie besonders dieser Roman erzählt ist. Auf den ersten Blick wirkt er wie eine rasante Actiongeschichte: ein Kunstraub, eine Hochzeit, auf der gleich zu Beginn ein Scharfschütze zuschlägt, und ein Plot, der immer wieder mit Spannungs-Elementen spielt. Nach und nach wird aufgerollt, was an diesem Tag eigentlich passiert ist – und genau dieses stetige Zurückblättern in die Motive fand ich sehr packend. Was mich jedoch am meisten interessiert hat, war die Ebene darunter: die Migrationsperspektive, vor allem auf kurdische Lebensrealitäten. Man begleitet eine kurdische Familie durch die Ereignisse, bekommt in vielen Dialogen kulturelle Feinheiten mit, oft humorvoll, manchmal auch sehr präzise beobachtet. Die Figuren fand ich insgesamt wahnsinnig gut gezeichnet – klar umrissen, lebendig, mit genau den richtigen kleinen Macken und Eigenheiten, die sie glaubwürdig machen. Gerade diese Mischung aus pointierten Dialogen und starken Charakteren hat für mich einen großen Teil des Leseerlebnisses ausgemacht. Der Schreibstil ist ohnehin sehr filmisch. Vieles wirkt wie geschnitten, manchmal tauchen sogar kleine „Regieanweisungen“ auf, etwa „Zoom auf seine Finger“. Obwohl gar nicht so viel beschrieben wird, hatte ich ständig klare Bilder im Kopf. Auch das Buch an sich ist auffällig hochwertig gestaltet – man merkt, dass hier viel gestalterische Hand angelegt wurde; die Autorin ist ja selbst Künstlerin, und das spiegelt sich deutlich im Gesamteindruck wider. Ein paar Punkte haben mich trotzdem gestört. Die Dialogführung erinnert stark an ein Drehbuch, inklusive ständig wiederholter Namen vor jeder Zeile – das bremst den Lesefluss auf Dauer. Und zum Ende hin wirkte die Konstruktion des Plots für meinen Geschmack etwas zu sehr „gebaut“. Diese Mischung aus Spannung, Komik und Verwicklungen hat fast etwas Snatch-haftes, was durchaus unterhält, mich emotional aber nicht vollständig abgeholt hat. Alles in allem war „Kommando Ajax“ für mich ein sehr gutes und ungewöhnlich erzähltes Buch, das viel kulturelle Tiefe mit einem modernen, sehr visuellen Stil verbindet. Spannend, stilistisch originell – von mir vier Sterne.
Eine ganz neue Art des Romans für mich
Das Buch war so super wild und mega spannend. Durch den Aufbau hat die Autorin es wirklich geschafft, mich von Minute eins mitzureißen und mich zu fühlen wie in einem schnelllebigen Krimi, schon fast in einer Gegenüberstellung von Räubern mit noch mehr Räubern (if you know you know). Für mich eine ganz neue Form des Romans, kreativ, schnelllebig, outside the box. Mit verschiedenen Elementen schafft es Sahin, eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre zu gestalten. Die Handlung dreht sich im Groben um eine kurdische Großfamilie und macht euch gefasst, das wird absolut wild!
Enorm gut, ich war gefesselt. Die Migrationsgeschichte eine kurdischen Familie in die Niederlande trifft einen Kriminalfall rund um einen Kunstraub, in den die Familie zufällig hineingerät. Das Buch ist im Stil eines Drehbuchs geschrieben und so läuft der Film beim Lesen durch die vielen Beschreibungen und Rückblenden quasi vor dem Auge ab. Es geht rasant voran, ist experimentell, an manchen Stellen skurril, an anderen wirklich hart. Manches wird genauer erzählt, anderes angedeutet. Man versteht beim Lesen so nach und nach die Zusammenhänge und der Familie geht es genauso, sie kennen auch alle nur einzelne Puzzleteile. Für manche fügen sie sich mehr, für andere weniger zusammen.
Ein originelles, vielschichtiges Buch, das migrantisches Leben von einer etwas anderen Seite zeigt und viele Überraschungen für seine Leser:innen bereit hält. Große Leseempfehlung!
Dieses Buch ist definitiv ein Leseerlebnis der besonderen Art, deswegen will ich hier auch gar nicht zu viel über den Inhalt verraten: Es geht um die Geschwister Korkmaz und ihre Familien, die von Kurdistan in die Niederlande ausgewandet sind. Der Einstieg in das Buch ist recht unmittelbar und es bleibt zunächst noch unklar, worauf die Geschichte hinausläuft: Man lernt die verschiedenen Personen der Familie Korkmaz kennen und erfährt auch ein bisschen etwas über ihre Vertreibung und die Emigration nach Rotterdam, bevor es dann zu einer rasanten Wendung nach der anderen kommt; vor allem am Ende musste ich dann auch an die Serie „Haus des Geldes“ denken 😅 Der Stil des Romans erinnert an ein Drehbuch. Die kurzen, präzisen Sätze wirken teilweise wie Regieanweisungen und es werden Wendungen wie „Zoom auf …“ verwendet. Auch die Kapitel beginnen ähnlich wie Szenen in einem Film oder Theaterstück jeweils mit der Auflistung von Handlungsort, -zeit und den darin vorkommenden Personen. Ich habe zwar ein bisschen gebraucht, um in das Buch hineinzufinden, wenn man sich jedoch ganz darauf einlässt, macht das Lesen richtig Spaß und man kann sich die einzelnen Szenen sehr lebhaft vorstellen. Besonders gut gefallen hat mir auch die Darstellung der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Geschwister; mit kleinen anekdotenhaften Details schafft es Cemile Sahin sehr lebendige Charaktere zu schaffen.
Überhaupt nicht mein Schreibstil. Wirkt wie ein Drehbuch (zumindest stelle ich mir so ein Drehbuch vor). Die Handlung selbst ist mMn langweilig. Außerdem enthält das Buch einige Rechtschreib-/Grammatikfehler.







