Bullwinkel beschreibt präzise die Kämpfe junger Boxerinnen. Ich glaube, ich habe noch nie einen Roman mit so genauen Beobachtungen gelesen, körperlich und seelisch. Es geht nur um weibliche Figuren, alleine das ist schon extrem selten. Und die Geschichten bewegen, sind tief und beschreiben die verwirrende Teenager Zeit sehr gut. Absolute Empfehlung, tolle Sprache von Rita Bullwinkel.
Kurzweiliges Porträt von Teenieboxerinnen in den USA. Das Buch verbindet den Turnierablauf und die einzelnen Kämpfe mit den Lebensgeschichten der Mädchen. Das ist kurzweilig, aber für mich nicht immer greifbar. Auch holpert es manchmal sprachlich.
Ich habe keine Ahnung vom Boxen, aber diese Darstellung der einzelnen Kämpfe eines kaum beachteten Boxturniers junger Mädchen (<20 Zuschauende) ist spannend.
Jedes Kapitel beschreibt einen Kampf des Turniers und bringt die Lesenden zum Mitfiebern. Dazu geht es um die Hintergründe und Gedanken der Mädchen, aber auch um Beschreibungen ihrer Zukunft.
Deutliche und harte Sätze werden manchmal beinahe dahingeknallt, in anderen Abschnitten kommt die Unsicherheit und Verletzlichkeit der Mädchen zum Ausdruck.
Starker Schreibstil passend zum Setting: Acht Mädchen, die an einem Boxturnier teilnehmen. Alle mit verschiedenen Geschichten, in die man einen Einblick bekommt.
Rita Bullwinkel schafft in ihrem Debütroman Schlaglicht ein faszinierendes Porträt von acht jungen Boxerinnen, die beim Daughters of America Cup in Reno, Nevada, gegeneinander antreten. Die Kämpfe in Bobs Boxpalast, einem verfallenen Ring in einer schäbigen Halle, bieten mehr als nur sportliche Action: Bullwinkel führt uns eindringlich in die Träume, Ängste und Sehnsüchte der Boxerinnen. Jede Kämpferin trägt ihre eigene Geschichte und Motivation in den Ring, und ihre Gedanken und Erinnerungen werden so lebendig, dass sie fast wie Schlaglichter ihre Persönlichkeiten ausleuchten.
Jedes Kapitel stellt eine Kampfrunde dar, während kurze Absätze wie präzise Schläge die Leben und inneren Kämpfe der jungen Frauen beleuchten. Bullwinkels Sprache ist schnörkellos, knapp und doch poetisch, wodurch die rohe Körperlichkeit des Boxens und die Emotionen der Mädchen eindrucksvoll zur Geltung kommen. Die Erzählweise gleicht einem Kaleidoskop: Wir wechseln zwischen den Perspektiven und erleben die Momente des Triumphs, der Zweifel und des Leidens dieser Boxerinnen hautnah.
Was Schlaglicht so besonders macht, ist die Art und Weise, wie Bullwinkel die Kämpfe als Spiegel für die Entwicklung ihrer Figuren nutzt. Hier geht es weniger um den reinen Sport, sondern um das Erwachsenwerden, den Wunsch, den Beschränkungen des eigenen Lebens zu entkommen, und die Konfrontation mit einer unsicheren Zukunft. Die Kämpfe sind ein Symbol für den inneren Antrieb und die unstillbaren Wünsche der Protagonistinnen, während die äußerlich hart geführten Runden uns auch von den Widersprüchen, Stärken und Verletzlichkeiten ihrer Charaktere erzählen.
Ein außergewöhnliches, vielschichtiges Buch, das die harte Realität des Boxens mit der Fragilität der Adoleszenz verbindet – spannend, eindringlich und mitreißend erzählt. Schlaglicht ist ein Roman für Leserinnen und Leser, die intensive Charakterstudien und emotionale Kraft zu schätzen wissen.
Aus dem Amerikanischen von Christiane Neudecker.
(K)ein Sportroman - ein Buch, das dem Hype gerecht wird! 🥊❣️
Ein weiteres dieser seltenen Bücher, das dem Hype aus dem englischen Sprachraum tatsächlich gerecht wird.
Bullwinkel ist die Meisterin des Point-of-View-Schreibens und des Schiebens von POV an und über seine Grenzen hinaus, um eine völlig einzigartige Geschichte zu erzählen. „Schlaglicht“ folgt sechs jungen Frauen (und damit auch Personen in ihrem Umfeld), während sie in einem regionalen Boxkampf antreten, gleichzeitig unter dem lüsternen Blick der alten Richter und dem verurteilenden ihrer Eltern und im Besitz komplexer Innenansichten, die auch für sie selbst nicht verfügbar sind.
Was dieses Buch bemerkenswert macht, ist seine Aufmerksamkeit für die Innerlichkeit als Handlung: Die Charakterentwicklung - von der Reflexion der Vergangenheit bis zur allwissenden Spekulation der Zukunft- geschieht in jedem Mädchen und ist nur gelegentlich durch ihr äußeres Verhalten oder ihre Reaktionen im Ring sichtbar. Wenn wir als Leser aus den Köpfen der Mädchen ausbrechen, fühlt sich diese Veränderung wie eine eigene Art von Streik an, als ob wir uns von der Stelle der wahren, unterbewussten Aktion zu einer der Leistung bewegen würden. Boxen ist nie weit von den Köpfen der Leser oder unserer Erzähler entfernt, und doch ist dies kein Sportroman an sich. Es ist ein Roman über Persönlichkeit, Mädchensein und Adoleszenz, über die Lokalisierung des Universalen im sehr Besonderen und (Verifizierung der Unterschiede in der Persönlichkeit und der gelebten Erfahrung unter den Konkurrenten) manchmal sehr widersprüchlich; Anthropologie durch die geschlossene Faust.
Oft, denke ich, könnten Romane dafür kritisiert werden, dass sie zu sehr zum Grübeln anregen, besonders wenn sie mit Frauen und Weiblichkeit in Verbindung stehen. Was Bullwinkel hier tut, ist nicht unbedingt das Grübeln unter der Schirmherrschaft des Handelns zu rechtfertigen (in diesem Fall sind es tatsächliche physische Kampfszenen, deren Choreographie nie vernachlässigt wird!). Stattdessen versteht sie das unabhängige Bewusstsein von Körpern in Bewegung und nimmt es als narrative Technologie an und für sich ernst. Das Ergebnis ist eine wirklich bemerkenswerte Reihe von Charakterstudien, deren Intimität die Gespenstigkeit der Welt und unsere kollektive Zukunft nie hinter sich lässt.
So gut. Mit welcher Zärtlichkeit und nüchternen Präzision Bullwinkel aus Maschinen, Kämpferinnen, zarte Persönlichkeiten macht, ist beeindruckend. Das Ende: ein wenig schnell, atemlos und zu kurz, ich stolpere noch, um wieder festen Stand zu finden - und dem nächsten Mädchen in die Augen zu blicken, die Hände in den schweren Handschuhen erhoben. Ups, was mache ich denn plötzlich im Ring?