12. Mai
Rating:4.5

Eine bewegende Geschichte um Sklaverei, Rassismus, Ohmacht... „Um uns nur Dunkelheit“ von Tracey Rose Peyton aus dem Aufbau Verlag, erzählt von sechs versklavten Frauen auf einer texanischen Plantage im Jahr 1852, deren Besitzer beschlossen haben, sie gezielt zur Vermehrung weiterer Sklaven auszubeuten. Dafür mietet er einen so genannten Reisemann, einen Sklaven, an, der den Beischlaf mit diesen Sklavinnen auf der Plantage vollziehen sollte. Nan, die heimlich Kenntnisse über Heilpflanzen nutzt, um Schwangerschaften zu verhindern und den Frauen zumindest ein kleines Stück Kontrolle über ihre eigenen Körper zurückzugeben, steht als ältere und weise Frau im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist ruhig, vorsichtig und wirkt oft wie ein emotionaler Anker der Gruppe. Daneben stehen Figuren wie die junge Junie, die sich noch an Erinnerungen aus ihrer Kindheit klammert, die hoffnungsvollere Serah oder die härtere Patience, die gelernt hat, Gefühle zu verbergen, um zu überleben. Gerade die unterschiedlichen Arten, mit Angst und Gewalt umzugehen, machen die Frauen greifbar und geben dem Roman seine emotionale Stärke. Der Roman konzentriert sich weniger auf große äußere Handlung als auf den graussmen, ungerechten Alltag der Frauen: ihre Gespräche, ihre Ängste, ihre kleinen Gesten von Fürsorge und die ständige Bedrohung durch die Männer, die Macht über sie besitzen. Dadurch entsteht eine sehr dichte, äußerst bedrückende Atmosphäre. Besonders gelungen ist, wie die Autorin zeigt, dass Widerstand hier oft leise geschieht – in Geheimnissen, im Schutz der anderen Frauen oder in kleinen Entscheidungen, die trotz allem Menschlichkeit bewahren. Die Beziehungen untereinander wirken glaubwürdig und tragen das Buch deutlich stärker als die eigentliche Handlung. Allerdings ist genau das auch ein Schwachpunkt dieses Romans. Es ist keine plotorientierte Geschichte, sondern über weite Strecken ruhig und kreisend. Positiv bleibt jedoch emotionale Tiefe, viele Szenen beschäftigen sich mit Gedanken, Erinnerungen und Stimmungen, was eine Nähe zu den Frauen schafft. Einige Figuren bleiben jedoch etwas blasser als andere. Insgesamt ist „Um uns nur Dunkelheit“ eindrucksvoll, weil der Roman seine Figuren nie auf ihr Leid reduziert. Die Frauen wirken verletzlich, wütend, hoffnungsvoll und manchmal erschöpft zugleich. Das Buch zeigt nicht nur Grausamkeit, sondern auch Zusammenhalt und den Versuch, unter unmenschlichen Bedingungen Würde zu bewahren. Gerade Leser, die ruhige, literarische historische Romane mit starkem Fokus auf Atmosphäre mögen, dürften hier viel finden. Ein emotional ansprechendes Buch. Feinfühlige Leser werden schwer mit Gefühlen der Ohnmacht, Rassismus und Ungerechtigkeit zu kämpfen haben.

Um uns nur Dunkelheit
Um uns nur Dunkelheitby Tracey Rose PeytonAufbau