Von Skandalen am Hofe und Geschichten von Mutter Gans
Sehr feine Geschichte über die Märchenerzählerinnen aus der Zeit vom Sonnenkönig.
Auch wenn vieles oft schön und prunkvoll dargestellt wird, gibt es noch eine andere, vulgäre, moralisch verwerfliche, schockierende Seite dieser Epoche. Das wird in dem Buch sehr gut erklärt.
Auf jeden Fall haben Frauen schon lange verstanden, was sie für eine Macht haben…
Ein Roman über Frauen, die sich Geschichten erzählen. Geschichten, in denen sie viel verarbeiten.
Dem Roman hätten Content Notes gut getan. Es geht darum, wie das Patriachat sie ausbeutet, über den falschen Glanz am Hofe von Versailles, um Gewalt und Missbrauch, aber auch Liebe und Emanzipation.
Dass das zur Zeit von Ludwig dem XIV. nicht gut ankommt, kann man sich wohl denken.
Der Text ist schön geschrieben, durchbricht die vierte Wand. Gelegentlich musste ich schmunzeln, manchmal schlucken. Der Stil ist wortgewaltig und doch so auf den Punkt.
Dazwischen sind die Märchen der Figuren eingebettet.
Definitiv ein hübsches Kleinod, aber definitiv keine leichte Kost.
Ein besonderes Buch, definitiv. Die Stimmung in Paris und Versailles wird fantastisch eingefangen. Die Bälle, die Dekadenz, die Intrigen, der Verrat.
Die Charaktere sind toll und der Stil, mit den erzählten Märchen, macht großen Spaß. Eine wunderbare Geschichte!
„Der Salon der kühnen Frauen“ von Claire Pollard erschien am 13.08.2024 im Aufbau-Verlag. Zunächst einmal zum Cover: Ich finde dieses sehr gelungen; schlicht und aussagekräftig. Auch die Haptik des Einbands passt gut. Die grundlegende Idee zu diesem Buch fand ich sehr ansprechend, allerdings hat es mich nicht vollumfänglich überzeugt.
Realistisch dargestellt fand ich das Leben der Frauen im 17. Jahrhundert - hier wird allerdings allein auf die Oberschicht abgestellt. Für meinen Geschmack hätte die Autorin auch auf die Armut der restlichen Bevölkerung etwas mehr eingehen können.
In dem gegründeten Literatursalon werden vordergründige Märchen erzählt, welche - wenn man zwischen den Zeilen liest - aber einige pikante Inhalte transportieren. Manche Geschichten haben es wirklich in sich und man gerät unweigerlich in eine Art Erotikroman. Das war in der Gesamtheit der Darstellung doch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Brüche zwischen manch ausschmückenden Erzählungen hin zu vulgären Darstellungen kam teils doch recht unvermittelt.
Über allem steht die Frage: Wer hat die Urheberschaft einer Geschichte letztlich inne?
Eine interessante Gestaltung, die aber noch ein wenig Luft nach oben hat. Insgesamt von meiner Seite aber zu empfehlen.
'Der Salon der Kühnen Frauen' von der Autorin Clare Pollard lässt mich etwas zwiegespalten zurück.
Der Klappentext hat mir sehr gut gefallen und ich habe mir die geheime Treffen der Kühnen Frauen doch noch etwas spitzzüngiger und raffinierter vorgestellt und die Damen auch etwas verwegener und 'bunter'.
Das auch Männer bei den Treffen anwesend waren und einer davon sogar ein Geistlicher, dessen Rolle allerdings nicht so spannend war wie man vermuten könnte, hat mich etwas gestört.
Die Treffen bei Madame Marie-Catherine D'Aulnoy sind dazu gedacht, um sich mit in Form von Märchen verpackter Informationen über den Sonnenkönig Ludwig dem XIV und seinen Machenschaften am königlichen Hof auszutauschen.
Ich muss gestehen das ich des öfteren die versteckten Botschaften nicht so ganz herauslesen konnte und die Märchen doch sehr nahe an den Erzählungen der Gebrüder Grimm, die man so kennt, waren.
Die zeitweise etwas vulgäre Sprache hat mich persönlich gar nicht gestört, denn so stelle ich mir diese Zeit auch vor...Glänzende überdeckende Fasade nach außen und dahinter versteckt ein Moloch an Schmutz und Intrigen.
Das Buch nimmt zum Ende hin etwas an Fahrt auf und hält einem damit bei Laune.
Hinter meinen Erwartungen blieb es leider trotzdem etwas zurück, aber ein schlechtes Leseerlebnis war es jetzt auch nicht.
Ich bin nach wie vor etwas unschlüssig was meine Empfehlung betrifft und sage mal ...Lesen ist subjektiv...🙂.
Nicht das, was ich erwartet (und mir erhofft) habe…
Clare Pollard - Der Salon der kühnen Frauen
„Frauen widersetzen sich der Übermacht der Männer am Hof des Sonnenkönigs.“
Sexy, scharfsinnig, zeitgemäß: ein schillernder historischer Roman, der von wahren Begebenheiten inspiriert ist und von der Kraft des Geschichtenerzählens unter mutigen Frauen handelt.“
So der Klappentext, der mich wirklich sehr neugierig gemacht hat auf dieses Buch. Aber, und tatsächlich kommt jetzt bereits ein großes Aber, ich habe etwas anderes bekommen, als ich anhand des Klappentextes erwartet habe:
Gefreut habe ich mich auf einen historischen Roman, der zur Zeit von Ludwig XIV. spielt und das Leben und Wirken mutiger, vielleicht auch ungewöhnlicher, Frauen erzählt. Bekommen habe ich allerdings eine Mischung aus altbekannten Märchen (in Form von in die Handlung eingeschobenen Erzählungen) und einer Art Abrechnung mit der Gesellschaft am Hofe des Sonnenkönigs. Ich habe absolut kein Problem mit expliziter Sprache, beziehungsweise mit expliziten Szenen - so sie denn passen. Hier jedoch passte es (meiner Meinung nach) nicht.
Historisch vermutlich sehr gut recherchiert, aber dennoch hat mich „Der Salon der kühnen Frauen“ irgendwie gar nicht fesseln können, ich empfand es teilweise als recht langweilig und musste mich ein kleines Bißchen zwingen weiterzulesen.
Ich kann hier leider keine Leseempfehlung geben.
Altbekannte Märchen neu aufgemacht
Ach man, wieso hat dieses Buch nur so lange gebraucht, um richtig in Schwung zu kommen, wo es doch so viel Potenzial hatte und mich am Ende auch noch wirklich packen konnte ...
"Das Salon der kühnen Frauen" ist ein historischer Roman der besonderen Art. Mit dem Versailles und Paris zu Zeiten des Sonnenkönigs als Schauplatz, einem Salon mit starken, kreativen und mutigen Frauen als Protagonistinnen und Kapiteln, die auf Märchen, erzählt von diesen Frauen, basieren, ist dieses Buch alles andere als gewöhnlich.
So hatte ich auch anfangs meine Probleme, in die Geschichte zu finden. Die Kapitel erzählen eine fortlaufende Geschichte, doch nicht auf die klassische Art, sondern eher als erzählte und aneinandergereihte Anekdoten. Es gibt wenig Gespräche, vieles wird einfach ganz nüchtern berichtet. Um den Überblick über die viele französischen Namen zu behalten, gibt es ein Personenverzeichnis, was sehr nützlich war.
Leider dauerte es bei diesem Buch etwas, bis ich wirklich wusste, wohin die Geschichte möchte und dass es auch noch um mehr geht als nur das Erzählen von Märchen. Bis etwas nach der Hälfte zog es sich also für mich etwas und langweilte mich teilweise auch.
Dann jedoch änderte sich das und die Geschichte nahm Fahrt auf. Der wirklich Inhalt kam zum Tragen und es passierte mal etwas. Ab der Stelle hatte mich das Buch voll auf seiner Seite und ich wollte es gar nicht mehr weglegen. Die Charaktere waren super komplex, die Geschichte geschickt erzählt, die Plottwists wunderbar eingewoben und die Märchen passend eingebettet.
Dieser letzte Teil des Buches hätte ohne weiteres 4,5 - 5 Sterne bekommen können, doch leider hat es relativ lange gedauert, bis wir an diesen Punkt kamen.