Ein Frauenleben zwischen Fremdsein und Familie
Nelli ist Teil einer russlanddeutschen Familie und Teil einer Mennoniten-Gemeinde. Fremd in Deutschland gibt ihr die Familie, vor allem ihre Großmutter, den Halt und die Liebe, den sie bei den Eltern vermisst. Denn sie, die Nachzüglerin war und ist ungewollt … Elina Penner hat eine sehr bewegende Geschichte und mit Nelli eine berührende Person geschrieben. Gerade ihre Kindheitserlebnisse und -erinnerungen gingen mir sehr nahe. Die Lieblosigkeit der Eltern, die keinen Hehl daraus machen, dass sie kein Kind mehr wollen und demgegenüber die liebevolle Zugewandtheit ihrer geliebten Öma. Deren Tod und die Totgeburt ihrer Tochter bringen Nelli komplett aus dem Gleichgewicht, schwere Depressionen sind die Folge. ‚Nachtbeeren‘ erfordert aufmerksames Lesen, denn vieles erfährt man zwischen den Zeilen und was Nelli erinnert, wird erst durch die Sichtweise ihres Bruders Eugen oder des Sohnes Jakob klar, bzw. erst richtig ergänzt. Hervorragend wird darin die Lage der Spätaussiedler in Deutschland beschrieben, die sich auch auf andere osteuropäische Länder übertragen lässt, nicht nur auf die Russlanddeutschen. In Russland die Deutschen, in Deutschland die Russen - kein Wunder, dass sich auf die Familie konzentriert wird und man nie jemand von den „Hiesigen“ wird. Weniger Einblick bekommt man dagegen in das mennonitische Leben. Tatsächlich spielt die Religion eher nur eine Nebenrolle, der Großteil der Familie ist weder fromm noch gehört er zur Gemeinde. Und auch für Nelli selber scheint der Glaube selbst weniger wichtig zu sein, als das Eingebundensein in die Gemeinde. Dann gibt es da ja auch noch Kornelius, Nellis Ehemann, der zerstückelt in der Tiefkühltruhe landet und dieser Strang hat durchaus auch seine makabren, schwarzhumorigen Elemente, die aber zum Glück nicht Überhand nehmen und sich gut in die Geschichte einpassen. Für mich war damit das Buch sehr ausgewogen, nachdenklich und interressant zu gleich und hervorragend geschrieben.


















