31. Juli
Rating:5

"Die Ungeduldigen" ist ein großer Familienroman, der Leser*innen aller Generationen begeistert. Hélène, Sabine und Mariette Malivieri sind drei Schwestern, die im Frankreich der 1970er Jahre erwachsen werden. Die älteste, Sabine, will Schauspielerin werden und taucht in die Welt des Pariser Theaters ein, Hélène ist Vegetarierin und nicht nur das "Mittelkind", sondern verbringt auch all ihre Ferien bei ihrem reichen Onkel in Neuilly, statt im Elternhaus in der katholischen Provinz. Mariette, die jüngste, vermisst ihre Schwestern und bekommt als einzige so wirklich mit, wie die Ehe der Eltern zu kriseln beginnt. Bruno und Agnès Malivieri sind liebevolle Eltern, arm und gefangen in religiösen Konventionen. Die Schwestern sind Zeuginnen des gesellschaftlichen und politischen Wandels, die 68er-Proteste, der Tod Sartres, die Wahl Mitterands, sie streben nach Selbstbestimmung und Freiheit, während ihr Vater, Lehrer in Aix-en-Provence, mit den Entwicklungen nicht mehr mitkommt: Abtreibungen, Scheidungen und eine Ehefrau, die plötzlich arbeiten will, sind zu viel für ihn. Veronique Olmi erzählt die Geschichte der Familie Malivieri detailreich, fesselnd und zärtlich. Die Figuren sind dabei so plastisch, dass sich das Ende des Buchs wie ein trauriger Abschied anfühlt. Wer sich selbst oder einem lieben Menschen eine Freude machen will: "Die Ungeduldigen" ist ein Geschenk und abseits der Bestsellerlisten fast ein Geheimtipp!

Die Ungeduldigen
Die Ungeduldigenby Véronique OlmiAufbau