6. Mai
Rating:5

Bitte lass es gut ausgehen...

Wie der Titel verrät geht es im dritten Teil der Kopenhagen-Triologie um Abhängigkeit - von Liebe und Medikamenten. Ungeschönt beschreibt Tove Ditlevsen ihre Suchterkrankung, aber auch die Abhängigkeit von Männern. Es tut weh beim Lesen und man wünscht sich ein anderes Leben für diese junge, faszinierende Frau.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
14. März
„Abhängigkeit“ von Tove Ditlevsen war für mich ein schonungsloser, schmerzhafter und zugleich brillant klarer Abschluss der Kopenhagen-Trilogie – ein erbarmungslos ehrlicher Text über Sucht, Selbstzerstörung und die fragile Verbindung zwischen Leben und Schreiben.

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Rating:5

„Abhängigkeit“ von Tove Ditlevsen war für mich ein schonungsloser, schmerzhafter und zugleich brillant klarer Abschluss der Kopenhagen-Trilogie – ein erbarmungslos ehrlicher Text über Sucht, Selbstzerstörung und die fragile Verbindung zwischen Leben und Schreiben. .

In „Abhängigkeit“ erzählt Ditlevsen von ihrem Weg ins Erwachsenenleben: von der frühen Ehe mit einem viel älteren Verleger, den ersten literarischen Erfolgen, aber vor allem vom langsamen Abrutschen in eine zerstörerische Abhängigkeit von Schmerzmitteln und später härteren Drogen. Sie schildert, wie Ärzte, Männer und ihr eigenes Bedürfnis nach Betäubung zusammenwirken, bis Alltag, Mutterschaft, Beziehungen und Schreiben immer stärker von Tabletten und Injektionen beherrscht werden. Besonders eindrucksvoll ist, wie nüchtern sie beschreibt, wie klein der Schritt von „harmloser Beruhigung“ zur totalen Abhängigkeit ist – ohne sich selbst zu entschuldigen, aber auch ohne billige Selbstanklage. Was mich tief beeindruckt hat, ist die radikale Offenheit, mit der Ditlevsen ihre Abstürze, Klinikaufenthalte, Lügen und Rückfälle beschreibt. Sie zeigt die Sucht nicht als fremde Macht von außen, sondern als etwas, das sich eng mit ihrer Sehnsucht nach Ruhe, Anerkennung und Verschwinden verbindet. Gleichzeitig bleibt immer spürbar, dass Sprache ihr letzter Halt ist: Auch in den dunkelsten Momenten formuliert sie präzise, fast kühl, was mit ihr geschieht. Diese Spannung zwischen völligem Kontrolllverlust im Leben und enormer Klarheit im Schreiben macht das Buch so stark. Stilistisch bleibt „Abhängigkeit“ dem Ton von „Kindheit“ und „Jugend“ treu: kurze, klare Sätze, kein Pathos, keine Beschönigung. Gerade deshalb treffen die härtesten Szenen umso mehr. Die Rollen von Männern – Ärzten, Ehemännern, Liebhabern – werden ungeschönt gezeigt: oft bevormundend, ausnutzend, blind für ihr Leiden, manchmal hilflos, manchmal direkt beteiligt an ihrer Abhängigkeit. Aber Ditlevsen verschiebt die Verantwortung nie vollständig von sich weg; sie zeigt ein komplexes Geflecht aus persönlicher Verletzlichkeit, gesellschaftlichen Strukturen und falschen Versprechen der Medizin. Für mich ist „Abhängigkeit“ ein erschütternder, aber großartiger letzter Teil der Trilogie: keine „schöne“ Suchtgeschichte, sondern ein tief trauriger, zugleich glasklarer Bericht darüber, wie leicht ein Leben entgleitet – und wie Literatur trotzdem noch Zeugnis ablegen kann. Wer die beiden ersten Bände mochte, bekommt hier den konsequenten, bitteren, aber literarisch herausragenden Abschluss eines der eindringlichsten autobiografischen Projekte, die ich kenne.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
17. Nov.
Rating:4.5

Tove Ditlevsen hat mir "Abhängigkeit" einen sehr erschütternden Roman geschrieben. Beim Lesen überkam mich ein Unwohlsein und über ihre unverblümte Erzählweise werde ich auch noch weiter nachdenken. Das Buch geht auf jeden Fall ins Herz.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
28. Okt.
Wie werde ich ihren Worten gerecht?
Rating:5

Wie werde ich ihren Worten gerecht?

Eine begnadete Schriftstellerin und das mit jeder Zelle ihres Körpers schreibt schonungslos ehrlich über ihr Leben, ihr Erwachsenwerden, ihre Leidenschaft und ihr Unvermögen, unabhängig zu sein. Ihre Worte reduziert und doch poetisch, leichtfüßig und doch gewichtig, intim und doch allgemeingültig. Die absolute Unmittelbarkeit von Toves Aussagen rührt zu Tränen, macht wütend, lässt hoffen, schenkt Nähe. Dabei erlebt sie selbst Nähe ausschließlich im Spannungsfeld zwischen Sehnsucht und Schmerz. Ach Tove. Du warst so ein warmherziger, lieber und durch und durch ehrlicher Mensch. Wenn du nur wüsstest, dass auch heute noch so viele Menschen deine Bücher lesen und deine Worte für sie alles bedeuten. Was bleibt sind Fragmente, die jetzt Teil von mir sind. P.S.: Die ganzen Gedanken gibt’s auf Instagram 😉

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
1. Sept.
Rating:5

Großartiger und erschütternder Abschluss der Kopenhagen-Trilogie

Im dritten und letzten Teil der Kopenhagen-Trilogie (von 1971) geht es um das vielfältige Eheleben der Protagonistin. Der dänische Titel "Gift" bedeutet einerseits "verheiratet" und eben auch Gift. Das Buch ist in zwei Abschnitte aufgeteilt, in denen unterschiedliche Abhängigkeiten dargestellt werden. Es ist sehr hart zu lesen und entwickelt einen unwahrscheinlichen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Absolut empfehlenswert, auch für Menschen, die bisher nicht so sehr auf autofiktionales Schreiben stehen.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
12. Aug.
Rating:4.5

“Abhängigkeit”(ins Deutsche übersetzt von Ursel Allenstein) ist der dritte Teil der Kopenhagen-Trilogie, in der Tove Ditlevsen ihre Lebenserinnerungen verarbeitet. Die ersten beiden Teile habe ich bereits im letzten Jahr gelesen und beide haben mir außerordentlich gut gefallen. Worum es im dritten Teil geht, wird schon zu Beginn des Zyklus’ deutlich, aber die Intensität, mit der die Autorin ihre jungen Erwachsenenjahre schildert und auch die Beiläufigkeit, mit der sie Affären und Schwangerschaftsabbrüche thematisiert, lösen beim Lesen trotzdem Beklemmungen aus. Die Titelgebenden Abhängigkeiten nehmen zentralen Raum in der Erzählung ein und gehen unter die Haut. Ditlevsens schonungslose Erzählkunst erweckt die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kopenhagen wieder zum Leben. Ein großartiges Stück weiblicher Geschichte

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
25. Mai
Rating:2

Der Inhalt des Romans mag interessant sein, aber was Stil und Form angeht (zumindest kann ich das für die deutsche Übersetzung sagen), ist dieser dritte Teil der Kopenhagener Triologie sehr enttäuschend. Einen nüchterne, distanzierte, journalistisch anmutende Beschreibung des Lebens der jungen Autorin: wechselnde Partner, ungeschützter Sex, Geburten, Abtreibungen, literarische Tätigkeit und Drogenabhängigkeit — all diese Dinge werden in rascher Abfolge einfach beschrieben. Schade.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
11. Apr.
Rating:4.5

25 Frauen 2025 - Buch 12: Für mich der beste Teil der Trilogie! Tove Ditlevsen kann sich endlich aus dem Elternhaus freiheiraten. Glücklich wird sie dabei aber nicht... Ditlevsens klarer Stil und ihre schonungslose Ehrlichkeit in der Darstellung dieses Lebensabschnitts haben mir mehrmals die Kehle zugeschnürt, so dass ich den Text zwischendurch kurz zur Seite legen musste. ACHTUNG SPOILER: Ich hatte nämlich vermutet, dass es sich bei dem Titel "Abhängigkeit" um ihre Abhängigkeit von Männern handelt. Das Wort ist aber doppeldeutig und Ditlevsen beschreibt über weite Teile ihre Medikamentenabhängigkeit. Die "richtig Süchtige" ist gerissen und weiß immer genau, wo sie die nächste Spritze oder Tablette herbekommt. Bei ihrem Kampf gegen die Sucht habe ich beim Lesen mitgelitten. Ein wirklich mutiges und modernes Buch für das Jahr 1971! Ich kann nicht verstehen, weshalb es in Deutschland zum erstem Mal erst 2021 erschienen ist...

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
30. März
Rating:5

Puh, bitter. Während sie die ganze Zeit probiert in ihrem Leben und Schreiben anzukommen und Liebe zu erfahren, kommt sie nach und nach in eine Medikamentensucht hinein. Am Leben gehalten wird sie weiterhin vor allem von dem Wunsch weiter zu schreiben. Es ist erschreckend, wie leicht sie ständigen Zugang zu Pethidin und Methadon gefunden hat und wie ihr zeitweiliger Ehemann, ein Arzt, dies manchmal nicht verhindern konnte, manchmal nicht wollte und auch ausgenutzt hat. Und es erschreckt auch, wie wenig Wissen zu Gefahren und Risiken der Medikamente es zu der Zeit gab. Der tägliche Gebrauch von Chloralhydrat über mehrere Jahre zum Einschlafen wird von Tove Ditlevsen nur als Fakt, nicht als Abhängigkeit beschrieben. Stark und sehr gut nachvollziehbar sind die Passagen, in denen sie ihre Rückfälle und die häufigen Versuchungen beschreibt. Es wird auch sehr deutlich, dass die Verantwortung für Abhängigkeiten keinesfalls vor allem auf der individuellen Ebene zu suchen ist.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
9. Feb.
Rating:5

So spannend und so sehr zu empfehlen!

Das dritte Buch der Trilogie ist wirklich die Krönung - das Topping zu den beiden ersten Büchern! Was bitte passiert da verrücktes? Wieder so toll erzählt in einer einfachen und leicht zu lesenden Erzählweise wird von einem total verrücktes Leben im frühen Dänemark berichtet. Man bekommt sofort Lust auf noch mehr Bücher von Tove Dietlevsen!

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
13. Jan.
Rating:4

„[…] das nackte, nüchterne Leben ohne den Rausch zu leben, und jede Erinnerung an das Pethidin müsse allmählich aus meinem Gedächtnis verschwinden.“ S.157

Im dritten Teil der Kopenhagen-Trilogie erzählt Tove Ditlevsen von ihrer Rolle als Mutter und Künstlerin und vom Kampf gegen die Abhängigkeit. Im Zentrum steht der Machtmissbrauch eines psychisch kranken Arztes. Heftig und ergreifend zu lesen.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
21. Dez.
Rating:4

In diesem Teil erfahren wir, wie Tove in die Abhängigkeit rutscht und ihr Leben aus den Fugen gerät. Viele Worte zum Inhalt braucht man nicht verlieren. Der letzte Band dieser Trilogie setzt sich wie erwartet fort. Der Schreibstil ist mit den anderen Bänden vergleichbar, manchmal empfand ich es sogar eindringlicher. Insgesamt betrachtet, finde ich ‘Kindheit‘ am Besten, ‘Abhängigkeit‘ kommt in meinem Ranking danach. ‘Jugend‘ ist für mich (im Vergleich) der schwächste Teil. Tove Ditlevsen hat sich scheinbar durch ihr Leben gekämpft. Ihre Trilogie lässt mich nachdenklich zurück: Was wäre wohl aus ihr geworden, wäre sie behütet aufgewachsen und hätte man ihr das nötige Handwerkszeug an die Hand gegeben, um ein selbstsicheres und selbstständiges Leben zu führen? Was wäre aus ihr geworden, hätte man sie von Beginn an in ihren künstlerischen Freiheiten unterstützt? Was wäre aus ihr geworden, wäre sie in unserer Zeit aufgewachsen? Wäre ihr viel Leid erspart worden? Wäre sie erfolgreicher, glücklicher, zufriedener und gesünder gewesen? Fest steht, dass Tove Ditlevsen -trotz ihrer Sucht- eine starke Frau war und doch den Kampf ihres Lebens verloren hat. Ich finde, dass die Trilogie lesenswert ist!

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
28. Jan.
Rating:4

Der letzte Teil der Kopenhagen-Trilogie: Abhängigkeit. Tove ist erwachsen. Sie schreibt dieses Buch weit nach den ersten beiden. Die Thematik ist düster: Sucht, Angst, Depression - der Druck des Mutterseins. Ob der dritte Teil diese Faszination um Tove Ditlevsen weiter tragen kann? Ich gebe es zu, die meisten Markierungen sind im Buch 'Kindheit' zu finden. Der erste Teil war der poetische für mich. Jugend hingegen war nahbar. Abhängigkeit spielt dafür auf einer ganz neuen Ebene - viele melancholischer, düsterer, emotionaler. Ich habe selbst und in meinem engen Umfeld nie jemanden gehabt der an einer Medikamenten oder Drogen Sucht litt bzw. leidet. Das machte das Buch für mich besonders interessant, des ich habe das Gefühl das die Autorin sehr gut schildert wie man in die fatale Spirale der Abhängigkeit gerät. Der Leser verfolgt fast hilflos wie sie in ein Stadium der Depression und Sucht gerät aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Wieder schafft es die Autorin in wenigen Worten mehr zu sagen als manch andere in epischen tausend-Seiten-Romanen. *** Und wieder möchte ich ein paar Zitate an dieser Stelle festhalten, denn das ist die beste Möglichkeit euch dieses Buch zu 'zeigen'. Und unbedingt erwähnt sei auch wieder die wundervolle Übersetzerin Ursel Allenstein. >>Und mir wird immer stärker bewusst, dass ich zu nichts anderem tauge und von nichts anderem leidenschaftlich erfüllt werde, als Worte aneinanderzureihen, Sätze zu bilden und einfache, vierzeilige Verse zu schrieben.<>Ich dämmerte ein paar Stunden vor mich hin, dann ebbte die Wirkung allmählich ab, und es wurde mit jedem Mal schwerer in dieses nüchterne, unberauschte Dasein zurückzukehren.<< S. 113 *** Was kann ich also abschließend sagen? Diese Bücher fand ich alle drei großartig. Wirklich wirklich großartig. Sprachlich magisch. Erzählerisch spannend. Optisch grandios (Applaus an an Aufbau Verlag). Wer sich für Literatur begeistert sollte Tove Ditlevsen eine Chance geben. Übrigens habe ich es flüstern gehört dass der Aufbau Verlag noch nicht fertig ist mit Tove! Hier dürfen wir also gespannt auf die nächsten Vorschauen warten. Ich für meinen Teil weiß zu hundert Prozent dass ich auch jedes weitere übersetzte Tove Ditlevsen Buch lesen will. *** Poetisch. Ergreifend. Tove Ditlevsen ist mein Jahres-Highlight. Mehr von ihr bitte!

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
17. Sept.
Rating:5

Der letzte Band der „Kopenhagen“-Trilogie, war das i-Tüpfelchen der Reihe. Dieses hat mich am meisten berührt und auch am meisten erschreckt, wie schnell man in so eine Abhängigkeit rutscht. Nun hat sie genau das geschafft, was sie immer wollte: Schriftstellerin werden. Und die nächsten Dämonen machen wieder alles kaputt. Eine ergreifende Trilogie 🤗

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
3. Sept.
Rating:4

Für mich war dieser letzte Teil der Trilogie, der spannendste und erschütterndste Teil. Wie sehr diese Sucht das Leben von ihr beeinflusst hat, aber wie gesegnet sie auch war mit der Hausmutter, welche sich so liebevoll um ihre Kinder gekümmert hat, während der Krankenhausaufenthalte von Tove Ditlevsen und ihrem Mann. Auf jeden Fall werde ich noch mehr von dieser Autorin lesen.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
18. Juni
Tove Ditlevsen verarbeitet in der Kopenhagen-Trilogie Erinnerungen an KINDHEIT, JUGEND und die Zeit der ABHÄNGIGKEIT. Die Bücher üben einen enormen Sog aus. Fast schon nüchtern erzählt, nimmt sie uns mit auf die Reise durch ihr Leben. Unbedingt Lesen!!
Rating:5

Tove Ditlevsen verarbeitet in der Kopenhagen-Trilogie Erinnerungen an KINDHEIT, JUGEND und die Zeit der ABHÄNGIGKEIT. Die Bücher üben einen enormen Sog aus. Fast schon nüchtern erzählt, nimmt sie uns mit auf die Reise durch ihr Leben. Unbedingt Lesen!!

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
4. Okt.
Rating:3

Sprachlich fein, insgesamt aber kein Muss

Ich verstehe, was sprachlich an Tove Ditlevsen fesselt. Inhaltlich kann ich den Hype jedoch nicht so sehr nachvollziehen. Sie erzählt die Geschichte ihres Lebens, von Höhen und vor allem von Tiefen. Aber völlig mitgerissen hat es mich nicht. Der letzte Band ist von allen, einfach durch die Thematik gegeben, der interessanteste, aber auch den ersten Teil der Trilogie habe ich damals gern gelesen. Insgesamt sicher ein kurzweiliges und unterhaltsames Leseerlebnis, aber dem großen Hype nicht gerecht, weil es viele Längen und wabernde Lebensszenen erzählt.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
28. Sept.
Rating:4

Braucht es eigentlich noch eine Rezension der drei autobiographischen Romane der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen? Die wiederentdeckten Bücher sind wohl derzeit der Liebling der Blogger-Community. Die meisten sind sich einig, dass die Bücher großartig sind. Meine Meinung möchte ich euch nicht vorenthalten. In „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ erzählt uns die 1917 in Kopenhagen geborene Autorin von ihrem eigenen Leben. Von ihrem Vater Ditlev, der Sozialist war, häufig arbeitslos und überzeugt, ein Mädchen könne keine Dichterin werden. Ihrer Mutter, die kalt und ichbezogen scheint und mit allerlei Tricks versucht, das Beste aus ihrer trostlosen Familiensituation zu machen. „Kindheit“ ist mein Favorit der Trilogie. Gleich zu Beginn so voller Melancholie, dass ich zunächst vermutete, die Mutter sei gewalttätig ihren Kindern gegenüber. Wenn ich ein Printexemplar vor mir hätte, ich könnte fast jeden Satz unterstreichen, so wunderbar ist Ditlevsens Sprache. Sie erzählt auch von den anderen Lebenskünstlern im ärmlichen Arbeiterviertel Vesterbro, von Schön-Lili und Krätze-Hans, von den gerissenen Freundinnen, denen die scheue, introvertierte Tove sich unterlegen fühlt. Im zweiten Teil, „Jugend“ beschreibt Ditlevsen, wie der Titel schon sagt, die Jugendjahre, die Schule musste sie verlassen und arbeiten, sie scheitert als Zimmermädchen, im Büro geht es etwas besser. Derweil schreibt sie ihre Gedichte, über Themen, von denen sie doch noch gar nichts weiß, und die sie trotzdem versucht, zu verkaufen. Auch „Jugend“ ist geprägt von schöner Sprache, aber auch von jugendlichen Entscheidungen, die man nicht immer nachvollziehen kann. Es muss merkwürdig gewesen sein als Jugendliche in Kopenhagen, wenn Tove sich einen Freund zulegt und sich verlobt, ohne verliebt zu sein. Sich zu älteren Männern hingezogen fühlt, die ihr etwas bieten können, was Gleichaltrige nicht liefern können: Bücher, Bildung, die Aussicht auf Veröffentlichung. Über manche Passagen scheint es allerdings nur darum zu gehen, wann Tove denn nun endlich ihre Jungfräulichkeit verliert. Der zweite Band endet mit der bevorstehenden Veröffentlichung ihres ersten Gedichtbandes und der absehbaren Verlobung mit dem 30 Jahre älteren Viggo. Im dritten Band, „Abhängigkeit“ begleiten wir Tove dann durch mehrere gescheiterte Ehen. Es wurde für mich immer schwieriger, ihre Entscheidungen nachzuvollziehen, ich muss gestehen: Tove war mir nicht länger wirklich sympathisch. Wahrscheinlich sollte ich mehr Verständnis aufbringen, aber es erscheint mir schon problematisch, wie schnell sich Tove in ihre Sucht ergibt und die Menschen in ihrem Leben hinter sich lässt, nur um die Sucht ausleben zu können. Es folgt eine katastrophale Zeit, die Tove nur mit Mühe überlebt. Versteht mich nicht falsch, auch der zweite und dritte Band sind sprachlich großartig und inhaltlich spannend. Doch an die wunderbare Melancholie von „Kindheit“ kommen beide meiner Meinung nach nicht ganz heran. Die meisten Rezensenten scheinen allerdings die beiden Folgebänder besser zu bewerten als den ersten. Ist der Hype gerechtfertigt? Unbedingt. Das sind wunderbare Bücher. Die Büchergilde Gutenberg hat nun alle drei Teile in einem Band veröffentlich, was den Geldbeutel schont und mich veranlasst, mir auch eine Printausgabe zu besorgen. Zu den Hörbüchern: Dagmar Manzel hat eine sehr angenehme Stimme und liest die Bücher sehr einfühlsam. Dialoge sind mitunter etwas ungewöhnlich betont, was mir aber durchaus gefallen hat.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
23. Sept.
Rating:5

Abhängigkeit ist der dritte Teil von Tove Ditlevsens Kopenhagen-Trilogie. Für mich war es das herzzerreißendste der drei Bücher. Ich habe selten jemanden so sehr gehasst wie Carl. Das schlimmste war für mich, dass alle Ereignisse tatsächlich so stimmen und stattgefunden haben. Tove ist so eine wunderbare und starke Frau, auch wenn sie Fehler macht, Ich habe selten so sehr mit einer Person mitgelitten.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
23. Sept.
Rating:4

Tove ist inzwischen eine junge Frau und endlich mit dem Verleger Viggo verheiratet. Doch schon kurz nach der Hochzeit beginnt die Unzufriedenheit. Es folgen weitere Ehen, Schwangerschaften, Geburten, aber auch Abtreibungen. In ihrer dritten Ehe, mit Carl Ryberg, wird Tove schließlich von Betäubungsmitteln abhängig und ihr Leben steuert nach und nach auf eine Katastrophe zu. Im dritten und finalen Band ihrer Trilogie erzählt Tove Ditlevsen sehr intensiv von ihrem Leben als (Ehe-)Frau, Mutter und Schriftstellerin. Den meisten Raum nimmt dabei wohl die Titel gebende Abhängigkeit ein, die jedoch auch sehr eng mit dem Thema Liebe verknüpft ist. Das besagt im Prinzip schon der Originaltitel „Gift“, was im Dänischen sowohl „Gift“ als auch „Ehe“ bedeuten kann. Toves Sucht und Carls ständiger Nachschub an Drogen scheinen zunächst die Beziehung der beiden zu intensivieren; sie werden unverzichtbar füreinander – darunter leidet jedoch gleichzeitig Toves Verhältnis zu ihrer kleinen Tochter und auch das Schreiben fällt ihr immer schwerer. Als Carls Sorge auf einmal zur psychotischen Obsession wird, begreift Tove, dass sich etwas ändern muss. Dieser Roman ist sicherlich der düsterste, aber auch ehrlichste Roman der Trilogie. Das mag aufgrund des Themas absolut verständlich sein, dennoch fehlte mir die lustige, sarkastische, etwas naive Erzählstimme der jungen Tove. Stattdessen finden wir eine Protagonistin vor, die ihr Kind (bzw. später mehrere Kinder) vernachlässigt, um sich dem Rausch und vielleicht hin und wieder dem Schreiben hinzugeben. Natürlich ist auch hier wieder die Gesellschaft eine wichtige Komponente in dieser Entwicklung, die Frauen nicht zugesteht, selbstbestimmt zu handeln und zu leben. Dennoch blieb mir Tove in diesem Band ungemein fremd und für manches konnte und wollte ich einfach kein Verständnis aufbringen. Die Art und Weise, zu erzählen, die Sprache, die Unmittelbarkeit – das alles ist weiterhin fabelhaft, keine Frage. Der Bezug zur Protagonistin ist mir jedoch leider verloren gegangen.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau
25. Apr.
Rating:4

„Abhängigkeit” ist der dritte und abschließende Teil der „Kopenhagen-Trilogie“, in der Tove Ditlevsen (1917 – 1976) autofiktional über ihr Leben schreibt. Das Buch schließt nahtlos an „Kindheit“ und „Jugend“ an. Tove Ditlevsen ist mit dem 30 Jahre älteren Viggo F. verheiratet, der in seiner Zeitschrift ihr erstes Gedicht publizierte und ihr Dank seiner Kontakte beim Veröffentlichen ihres ersten Buches half. Doch die Ehe ist nicht glücklich. Erst als sich ‚Der Club der jungen Künstler‘ mit knapp einem Dutzend junger Menschen jeden Donnerstagabend trifft, gewinnt ihr Leben wieder an Farbe und Fülle. Sie lernt dort unter anderem Piet Hein kennen und verlässt Viggo F. „Jetzt musst du vom Schreiben leben, es hat keinen Sinn, sich von einem Mann durchfüttern zu lassen, auch wenn dir das deine Eltern eingeredet haben.“ (S. 32) Nachdem Piet Hein sie verlässt, verliebt sie sich in den Studenten Ebbe. Sie heiraten und bekommen ein Kind. Tove Ditlevsen geht es in dieser Zeit gut, doch seit der Geburt hat sie die Lust auf Sex verloren. Als sie schwanger wird, beschließt sie das Kind abzutreiben, doch Ebbe und Tove entfernen sich dennoch immer weiter voneinander. Als sie schließlich den Medizinstudenten Carl kennenlernt, betrügt sie Ebbe und wird erneut schwanger. Carl nimmt die Abtreibung vor und verabreicht Tove dabei das Betäubungsmittel Pethidin. „Pethidin, denke ich, der Name klingt in meinen Ohren wie Vogelgezwitscher: Ich beschließe, den Mann nie wieder loszulassen, der mir einen so unbeschreiblichen, beglückenden Genuss bereiten kann.“ (S. 86) Daraufhin verlässt sie Ebbe und heiratet Carl, der sie nicht nur über Jahre hinweg mit Pethidin, sondern auch mit Chloralhydrat und Methadon versorgt. Während sie anfangs unter geringer Methadon-Dosis noch schreiben und einiges veröffentlichen kann, vegetiert sie irgendwann nur noch dahin und gehört nicht einmal mehr zum Alltag ihrer Kinder. Es folgen der Entzug und ein neuer Mann. Tove Ditlevsen versteht es, eindrucksvoll ihre Erlebniswelt so zu schildern, dass sie beim Lesen nachvollziehbar wird. Ihre Sprache ist klar und wohl dosiert bildhaft. Intensiv erzählt sie von ihrem Leben als Ehefrau, Mutter und Schriftstellerin, aber auch von ihrer Abhängigkeit von den verschiedenen Männern und nicht zuletzt von den Medikamenten. Es ist ein ehrliches Buch, mit dem sich die Autorin verletzbar macht. Denn sie entschuldigt nicht ihr Verhalten und versucht es auch nicht zu rechtfertigen. Aber wenn man sie sucht, findet man beim Lesen die leisen Erklärungen und hat doch nicht das Gefühl, dass hier die Autorin ihr Leben reflektiert. Vielmehr erzählt sie eine Geschichte – ihre Geschichte – und überlässt es dem Leser, wie er sie für sich werten möchte. Erschienen ist dieses Buch 1971 und birgt in seinem scheinbar glücklichen Ende eine gewisse Tragik. Denn Wikipedia verrät, dass Tove Ditlevsen durch eine Überdosis Schlaftabletten 1976 starb, nachdem sie zwei Jahre zuvor bereits einen Suizidversuch unternommen hatte. Die „Kopenhagen-Trilogie“ war ein intensives Leseerlebnis und ich fand die Bücher großartig. Die Geschichte von Tove Ditlevsen wirkt nach, so dass ich gerne mehr von dieser Autorin lesen möchte. Mir scheint es nicht allein so zu gehen, denn nicht einmal auf dem Gebrauchtbüchersektor ist, abgesehen von dieser Trilogie, etwas Deutschsprachiges von Tove Ditlevsen verfügbar. Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere Verlag das ändern würde – vielleicht ja wieder der Aufbau Verlag und sehr gern wieder in einer Übersetzung von Ursel Allenstein.

Abhängigkeit
Abhängigkeitby Tove DitlevsenAufbau