Lässt sich zwar gut lesen, beinhaltet jedoch u.a. Gewalt gegenüber Tieren. Mir ist unklar, wie ich diese Geschichte interpretieren sollte.
„[..] aber ich weiß nicht, warum sie überhaupt Zeit mit dieser Hündin verschwendet, die schon weggelaufen ist und die die Wildnis kennengelernt hat. Ich sage, die wird immer wieder abhauen.“ Mitten im kolumbianischen Dorf, da wohnen sie, Damaris und ihr Mann Rogelio. Sie putzt, aus schlimmen, nostalgischen Gründen, immer noch das alte Haus der reichen Heyes, die seit Jahren nicht mehr an ihrem Anwesen waren. Er fährt mit dem Fischerboot aufs Meer und Geld zu verdienen. So fristen sie ihre Tage. Sie haben alles, und doch nichts. Und was sie nie hatten ist ein Baby. So gerne wollten sie eine kleine Familie werden, doch Damaris‘ Kinderwunsch bleibt leider unerfüllt, auch ein Schamane kann nicht helfen. Dies führt dazu, dass die beiden irgendwann nur mehr nebeneinander her leben. Der Druck im Dorf, durch die Gesellschaft, sehr hoch, hatte ihr so manchen Tag getrübt und sie traurig gemacht. Als sie eines Tages im Dorf bei Dona Elodia vorbeikommt präsentiert diese ihr einen frischgeschlüpften Wurf Hundewelpen. Damaris ist sofort Feuer und Flamme und beschließt eine kleine Hündin bei sich aufzunehmen. Sie kann es kaum erwarten mit dem kleinen Ding nach Hause zu kommen. Sie nennt die Hündin so, wie sie ihr Kind hätte nennen wollen und projiziert ihren unerfüllten Wunsch in ihre Hündin. Doch bereitet dies den Weg in eine Katastrophe? Kann die Hündin die Verbitterung von Damaris lindern? Der Schreibstil ist personenbezogen minimalistisch, breitet sich nur auf Damaris aus, ist dennoch aber lebendig und bildhaft in den Beschreibungen des Umfeldes, sodass man den Urwald oder das Meer manchmal riechen kann. So farblich berauschend das eine beschrieben wird, so bedrückend lesen sich die Zeilen über die soziale Ordnung in diesem Land, die vorherrschende Struktur. Die Autorin hat es geschafft auf nur 192 Seiten ein großes Bild zu zeichnen zu unterschiedlichen Themen: arm und reich, schwarz und weiß, kinderlos und mit Kindern, die Wertigkeit der Menschen und die von Tieren, Zugang zu (für uns) gewohnten Dingen wie Strom, Mobilität, Urwald und giftige Tiere, das Meer und seine Tücken, Wetterkapriolen, etc. … trotz dieser Kürze hat der Inhalt eine große Wucht und hat mich sehr berührt. Jetzt Tage später muss ich noch immer darüber nachdenken und frage mich: was hätten wir für ein Buch zu lesen, hätte die Autorin es umfangreicher gestaltet – ich vermute aber, dass es so gewollt ist. Ich hätte mir gewunschen, dass meine Hoffnung beim Lesen des Buches aufgeht, doch leider ist auch Lesen nicht immer ein Wunschkonzert, gleich wie das Leben im Allgemeinen. Klare Leseempfehlung – großartig gemacht, ein kurzer Lesehappen, der dennoch nicht unberührt lässt und nachhallt. Ich freue ich auf weitere Lektüren von Pilar Quintana. Übersetzung von Mayela Gerhardt.

