17. Apr.
Rating:2.5

Grenzen ziehen

Jakob Schütte und Arjeta Neziri lernen sich im Berlin der 90er Jahre kennen und lieben. Doch diese Liebe hält nicht lange und als Arjeta mit ihren Eltern zurück in deren Heimat, den Kosovo, geht, scheinen alle Bande abzureißen. Doch auch wenn Arjeta die Ländergrenze wörtlich nimmt, werden die beiden noch lange Zeit verbunden bleiben. Der Ich-Erzähler, welcher die Geschichte von Jakob und Arjeta aufschreibt, hat es tatsächlich geschafft, dass ich an einigen Punkten dachte, es könnte sich um reale Ereignisse handeln. Die kurze Liebe, Arjetas Abschied und Jakobs Obsession, die eine Trennung nicht akzeptieren möchte, wurden vielschichtig dargestellt. Der Verlauf der Handlung war neu, besonders aber auch ungeschönt, denn sowohl Arjeta als auch Jakob kommen durch ihre schwierigen Charakterzüge nicht gerade besonders gut weg. Trotzdem muss ich sagen, dass mich die eigentliche Tragik dieser Verbindung und auch die zahlreichen Einsprengsel zur Geschichte des Kosovos so gut wie gar nicht berührt haben. Grund dafür könnte der Fokus auf das von Jakob Schütte programmierte Spiel sein, welches von Kriegshandlungen Jugoslawiens inspiriert wird. Dieser thematische Schwerpunkt war mir zu pathetisch und gleichzeitig wurde mir zu unkritisch mit der spielerischen Vermarktung „echter“ Schicksale umgegangen - auch wenn dieser Aspekt durchaus angesprochen wird. Insgesamt hätte der Roman auf einige Abzweigungen verzichten können, wie zum Beispiel die politische und moralische Frage nach einem geeinten Europa, welche an einigen Stellen melodramatisch aber auch eher nichtssagenden eingeworfen wurde. Das Buch bleibt bestimmt noch eine Weile in Erinnerung, überzeugt hat es mich aber nicht.

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Yby Jan BöttcherAufbau