⚠️ Achtung: Könnte Spoiler enthalten! Bitte nur weiterlesen, wenn du das Buch „Rabenschwarz - in between“ von Nina Linz bereits gelesen hast oder Spoiler okay für dich sind. ⚠️
Dieses Buch hat mich nicht einfach nur getroffen – es hat mich mit voller Wucht erwischt, mehrfach, und dann nochmal nachgetreten, als ich dachte, ich wäre fertig mit Verarbeiten. Rabenschwarz – In Between ist mittlerweile das fünfte Buch, das ich von Nina Linz beendet habe, und ja: Alle ihre Bücher sind schmerzhaft, alle sind emotionale Achterbahnen. Aber dieses hier setzt dem Ganzen eine verdammt bittere Kirsche auf die Sahne. Ich habe dieses Buch nicht komplett allein gelesen – und ehrlich gesagt bin ich darüber unglaublich froh. Große Teile habe ich gemeinsam mit einer anderen Person gelesen, allerdings nur übers Telefon. Wir haben uns dabei nicht gesehen und kannten uns eigentlich auch nur über das gemeinsame Lesen. Trotzdem hat es einen riesigen Unterschied gemacht, nicht allein mit dieser Gefühlslawine zu sein. Man konnte zwischendurch aufschreien, fluchen, lachen, zustimmen – einfach kurz rauslassen, was dieses Buch mit einem macht. Die Kapitel, die ich allein gelesen habe, waren dafür umso intensiver. Dauerhaft Tränen in den Augen. Wenn es nicht die Traurigkeit war, dann war es der Humor. Und wenn es nicht der Humor war, dann wieder Schmerz. Dieses Buch lässt einen eigentlich nie los – man ist durchgehend emotional offen, wund, empfindlich. Ein perfektes Beispiel dafür ist die Begegnung mit Tora. Ich war kurz fest davon überzeugt, dass ernsthaft Yakuza-Vibes im Raum stehen – auch weil man als Nina-Linz-Leserin natürlich sofort an die Madness-Reihe denkt. Dieser kurze Moment, in dem man denkt: Okay, das ist jetzt real, nur um dann festzustellen, dass es der andere aus der Reihe ist, der tatsächlich in der Yakuza steckt, reicht hier völlig aus – und macht die Szene genau dadurch so gut. Charakterlich hat mich dieses Buch komplett zerlegt. Aki und Momo habe ich sofort ins Herz geschlossen – absolute Herzensmenschen, die man einfach beschützen möchte. Ryouta ist ganz klar der „Dad der Gruppe“, und Itsumi … ist einfach Itsumi. Mehr kann und muss man dazu eigentlich nicht sagen. Ayame hingegen hat mir über weite Strecken extrem zugesetzt. Mein Frust war real, mein Ärger genauso. Und dann ist da Kaito. Kaito ist ein Charakter, der weh tut. Nicht, weil er schlecht ist – sondern weil er zu gut ist. Zu still. Zu selbstlos. Zu sehr bereit, alles in sich hineinzufressen. Jedes Mal, wenn er einen Fehler macht, fällt oder sich selbst vergisst, fühlt es sich an wie ein Stich ins Herz. Die Szene, in der er verprügelt wird, hat mir körperlich zugesetzt. Mir war schlecht. Nicht, weil ich den Schmerz direkt gefühlt habe, sondern weil mein Körper offenbar versucht hat, ihn loszuwerden. Dieses Buch macht Emotionen nicht nur sichtbar – es macht sie spürbar. Und dann wären da noch die Eltern. Nina Linz, das ist jetzt eine Frage an dich: Was ist los mit deinen Elternfiguren? Auch hier gibt es wieder Eltern, die wütend machen, hilflos zurücklassen und wehtun – und genau deshalb so erschreckend gut in diese Geschichte passen. Das Ende – oder besser gesagt: die letzten ein, zwei Sätze – haben mich endgültig zerstört. Ja, ich weiß, dass es weitergeht. Aber dieses „In Between“ ist kein sanfter Übergang. Es ist ein schmerzhafter Zustand des Dazwischenseins, der einen nicht loslässt, selbst Stunden nachdem man das Buch zugeklappt hat. Ich habe beim Lesen gegessen vergessen. Getrunken vergessen. Pausen ignoriert. Nicht, weil ich wollte – sondern weil ich musste. Dieses Buch verlangt Aufmerksamkeit. Und es nimmt sie sich. Am Ende bleibt für mich nur eins zu sagen: Das ist kein 5-Sterne-Buch. Das ist ein unendlich-von-5-Sterne-Buch. Oder eher: unendlich hoch zwei. Ich habe dieses Buch nicht einfach gelesen. Ich habe es gefühlt. Und selbst jetzt habe ich das Gefühl, es noch nicht ganz verarbeitet zu haben. Und genau das macht Rabenschwarz – In Between so verdammt gut.










