
"Wird es besser? Wird es wirklich immer besser? 'Tae ite nūiwilo, tae hūnā 'o'. Wenn du aufgibst, wirst du es nie erfahren. (...) Der einzige Weg es zu erfahren ist durchzuhalten und es selbst herauszufinden" (S. 709 f.) Kennt ihr das Videospiel Enderal? Wenn ihr das Rollenspiel Skyrim gespielt habt, ist euch die ca. 10 Jahre Neu-Interpretation vielleicht ein Begriff. Der Entwickler dieser ist kein anderer als @niseam_stories, welcher parallel zur Spieleentwicklung den Beginn der zwölften Welt Reihe schrieb und so entstand die Träume der Todgeweihten. Auch wenn ich Enderal nie selbst spielte, so habe ich doch viel davon gehört und war unheimlich neugierig auf das Buch, als ich es zuerst bei @phantastischezeit sah. Als ich vom Hörbuch erfuhr (großartig vertont!) konnte ich nicht mehr widerstehen und befreite das Buch endlich vom SuB. Denn die Mischung aus Fantasy, Mystery und psychologischem Horror, die einen hier erwartet, gepaarz mit dem Gaming-Hintergrund, war für mich unwiderstehlich! Inhaltlich verfolgen wir v.a. den Ex-Söldner Jespar Tre Moreste, welcher in der Aussicht auf Neuanfang auf die tropische Insel Kilay gelangt. Der Schein trügt allerdings, denn was ihn vor allem erwartet, ist der Beginn einer Revolte und eines Bürgerkriegs. Der Auftrag führt Jespar tief in die Träume des größten Magnaten hinein. Problem ist nur: dabei trifft er gleichzeitig auch auf seine eigenen Dämonen, die er lange zu verstecken versucht hat. Wohin kannst du fliehen, wenn dein Feind dein eigener Verstand ist? Und diese Frage begleitet uns quer durch die Geschichte. Während die politischen Intrigen nach und nach aufgedeckt werden und wir viele interessante Charaktere kennenlernen, so auch Lissja und Kawu die Jespar begleiten, decken wir gleichzeitig mehr und mehr traumatische Erfahrungen Jespars auf. Der Protagonist ist aufgrund einiger Erfahrungen zutiefst gebrochen und verliert sich auf seiner Reise nicht nur einmal in seiner eigenen dämonischen Traumwelt. Weiterhin entspannt sich zwischen den Dreien ein Dreiecksgeflecht, was ich wirklich gelungen fand. Die Prämisse des Traumwandels und dass dieser für den Fortlauf der Geschichte so relevant ist, hat mir super gefallen. Ich liebe Geschichten rund um Träume und Albträume. Und das Einflechten der inneren Dämonen in diese ist unheimlich gelungen gewesen. Ein riesen Lob, für mich aufgrund eigener Betroffenheit noch relevanter, geht raus an das gründliche Herausarbeiten von Depressionen und traumatischen Erfahrungen und Auswirkungen des Autors. Das Nachwort von Nicolas hat mir Gänsehaut bereitet. Er berichtet nicht nur von seiner Seite der Betroffenheit, sondern auch seine Erfahrungen und Umgang damit. Und wie wichtig es ist, sich mit Depressionen und mentaler Gesundheit auseinander zu setzen. Äußerst gelungen, von solchen Büchern wünsche ich mir mehr! Lediglich ein paar Längen gab es für mich in der Geschichte. Allerdings hat der Autor diese wiederum häufig genutzt, um tiefgreifende moralische Fragen aufzuwerfen, auch das hat mir richtig gut gefallen. Fazit: ich habe das Buch unheimlich gerne gelesen. Bis auf ein paar wenige Längen punktete es mit Spannung, tollen Charakteren und Atmosphäre und der für mich großartigen Auseinandersetzung mit mentaler Gesundheit.


