Erfüllendes Mutterglück oder kinderlose Freiheit? Wer in meinem Alter ist, insbesondere als Frau, beschäftigt sich zwangsläufig mit der Frage, wie man selbst – und natürlich auch sein*e Partner*in zum Thema Familienplanung steht. Als wäre diese Entscheidung allein nicht schon schwierig genug, kommt es häufig dazu, ja, gehört eigentlich schon zur Norm, dass die gesamte Gesellschaft meint, sich von außen in dieses private, sensible Thema einmischen zu dürfen. Wie soll man da herausfinden, was man selbst wirklich will? Denn der Knackpunkt ist schließlich auch: Diese Entscheidung betrifft das gesamte weitere Leben, nicht nur von einem selbst und dem Partner*der Partnerin, sondern je nach Entscheidung trägt man auch noch die Verantwortung für mindestens ein ganz neues Leben. Und ist die Entscheidung für ein Kind erst einmal getroffen, kann sie im Gegensatz zu so ziemlich allen Entscheidungen, die wir heutzutage sonst so treffen, nicht mehr rückgängig gemacht werden. Auch Ellen Kuhn hat sich schon allein aus Eigeninteresse und privatem Anlass stark mit diesem Thema auseinandergesetzt. Doch anstatt dies nur für sich selbst und ihren Partner zu tun, lässt sie uns nun mit diesem Buch an ihren komplexen Gedanken, Fragen, Überlegungen, Fakten und ihrer sowie der Entscheidung anderer (Frauen) teilhaben, um uns selbst in unserer Selbstreflexion zu diesem Thema zu unterstützen. Dabei ist dieses Buch so allumfassend wie man sich nur vorstellen kann – was sowohl beeindruckend als auch enorm hilfreich ist. Dementsprechend kann ich nur empfehlen, sich für diese Lektüre mit massenhaft Postits und Stift zu bewaffnen und sich viel Zeit zu nehmen, um sich wirklich mit den vielen angesprochenen Themen und Fragestellungen/Aufgaben auseinanderzusetzen. Beim Lesen habe ich selbst mir unheimlich viel markiert und notiert und könnte entsprechend hier noch seitenweise schreiben. Dies könnte die Lektüre jedoch keinesfalls ersetzen und ich denke, das Wichtigste habe ich hiermit genannt. Mir persönlich hat dieses Buch auf jeden Fall sehr viel gegeben und mich in meiner bis dato unsicheren Entscheidung abschließend bestärkt. Einzig die Sicht aus der Perspektive einer Frau*eines Mannes mit Behinderung, chronischer Erkrankung und/oder Ähnlichem hätte mir persönlich noch einmal mehr geholfen, aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Es war allerdings auch so umfangreich genug und man kann nicht auf jede Eventualität und Randgruppe eingehen – auch wenn ihr dies beinahe gelungen ist. Letztlich wird einem die Entscheidung nun einmal nicht abgenommen, sondern man muss (und darf) all seine individuellen Aspekte selbst miteinbeziehen und abwägen. Ellen Kuhn zieht abschließend das Fazit, dass es vor allem wichtig sei, sich mit dem Thema überhaupt, bewusst und so tiefgreifend und früh wie möglich auseinanderzusetzen und überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Denn oft und in diesen modernen Zeiten medizinischen Fortschritts und mit Fokus auf die Karriere zunehmend häufiger bestehe das Problem besonders darin, dass eine Entscheidung bloß immer weiter hinausgeschoben werde, bis die Natur sie einem abnimmt. Und erst dann findet man womöglich heraus, ob es die richtige war und man ist gezwungen, sich damit abzufinden. Darum lege ich euch diese für ein Sachbuch teilweise erstaunlich emotionale und aufwühlende Lektüre absolut ans Herz! Steht eure Entscheidung diesbezüglich schon fest? Habt ihr euch auch schon so intensiv damit befasst? Und könnt ihr andere Ratgeber oder auch Romane zu dem Thema empfehlen? Das würde mich wirklich sehr interessieren!
23. Sept.Sep 23, 2022
Erfüllendes Mutterglück oder kinderlose Freiheit?by Ellen Kuhntredition
