Inhalt: Im Sommer 1946 verliebt sich die katholische Marga in den zwölf Jahre älteren Juden Henryk. Und auch Henryk erwidert ihre Gefühle. Doch seine tragische Vergangenheit holt ihn immer wieder ein und das ganze Ausmaß wird ihr erst nach und nach bewusst. Trotzdem möchte sie gerne ihr Leben mit ihm verbringen, aber auch nach Kriegsende gibt es Menschen im Ort, die diese Liebe unerhört finden und es ihnen nicht leicht machen. Und noch im Jahr 1990 kämpft Jonathan, der Erwachsene Sohn von Marga und Henryk mit den Nachwirkungen der düsteren Vergangenheit... Meinung: Dieses Buch wirkt nach. Man kann sich kaum vorstellen, welches Grauen ein Mensch ertragen muss und trotzdem durchstehen kann. Das er dann noch sein Leben lang gezeichnet ist und unter den Folgen leiden muss ist umso ungerechter! Immer wenn ich über unsere Vergangenheit im 2. Weltkrieg lese und die Gräueltaten, die die SS begangen hat, bin ich zutiefst betroffen. Man fragt sich wirklich, wie es soweit kommen konnte. Auch in diesem Fall bin ich sprachlos gewesen. Besonders weil dieses Buch auf einer wahren Geschichte beruht! Und was ich auch unglaublich finde, ist das der Sohn auch in den 1990er Jahren noch den Hass auf die jüdische Vergangenheit seiner Familie abbekommt. Aber es geht in diesem Roman nicht nur um die schlimmen Erlebnisse während des Krieges, sondern um eine große Liebe, die stark genug war allem zu Trotzen wieder Lebensmut geschenkt hat. Außerdem um das Leben nach dem Krieg und wie man sich eine Zukunft aufbauen möchte und wieder ein "normales" Leben führen. Bewundernswert war der Umgang der beiden Protagonisten mit dem Hass/Missgunst der ihnen entgegenschlug. Und bewundernswert war auch Marga, die sich aufopferungsvoll um ihren Henryk gekümmert hat. Ein bewegender Roman über eine tiefe Liebe, die allen Wiedrigkeiten zum Trotz Bestand hat und die die Wunden der Vergangenheit erträglicher macht. Fazit: 4,5/5 Sternen Ich gebe sehr gerne eine Lese-Empfehlung!
»Sie sterben aus, die alten Nazis. Irgendwann sind alle weg, die deinem Vater wehgetan haben. [… ]Du bist sein Sohn, die neue Generation. Du bleibst, wenn sie längst weg sind. Sie haben verloren.« Im Jahr 2023 gab es laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz 25.660 r3chtsextremistische Gewalttaten, gut 22,4% mehr als im Jahr davor. Die Fußball Europameisterschaft bringt Vorfall nach Vorfall zu Tage, Gigi D‘Agostinos Lied über Liebe wird verboten und ich wünschte das Zitat aus „Unsere Liebe war unerhört“ wäre keine Utopie. Eva Müller schreibt in ihrem im Juni erschienen Roman von einer wahren Familie, die ihr ihre Geschichte erzählt hat. Im Sommer 1946 verliebt sich Marga, jung, bayrisch, katholisch in Henryk. Henryk war über Jahre in Gefangenschaft, in Arbeits- und Vernichtungslagern interniert und versucht noch mit einem Bein im Displaced Persons Camp, sich ein neues Leben aufzubauen. Dass die Verbindung der beiden im kleinen katholischen Meiring nicht gerade auf Freude stößt, ist Marga egal. Zusammen widersetzen sie sich dem Alltagssntisemitismus, körperlichen und vor allem psychischen Beschwerden Henryks, der kaum eine Nacht ruhig schläft, da ihn Träume des Erlebten plagen. Als ich anfing das Buch zu lesen, dachte ich, es könne eine schöne Liebesgeschichte werden, trotz Schwere der angekündigten Themen. Ereignisse aus Henryks Vergangenheit werden nicht in Zeitsprüngen erzählt, sondern von Henryk selbst, aus der Erinnerung heraus. Dass es sich hierbeu um teils kaum ertragbare Geschehnisse handelt, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Auf der einen Seite finde ich es schön, dass dieses tragische Schicksal exemplarisch in einen Roman verpackt wurde, auf der anderen Seite, habe ich mich manchmal dann an dem erzählerischen Stil gestört. Margas Eltern waren für mich ein kleiner Lichtblick, die so fortschrittlich, liebevoll und fürsorglich wie sie beschrieben wurden, einen Kontrast zum restlichen Dorf bilden. Bis auf Lotte, wir lieben Lotte. Aber „Unsere Liebe war unerhört“ zeigt auch, dass es nach Ende des Kriegs nicht vorbei war mit Anfeindungen, Erniedrigungen, Drohungen und sogar die Morde weitergehen. Ich mag die abwechselnden Sichtweisen, fand allerdings Jonathans Geschichte etwas zu kurz geraten, nachdem er die Geschichte einleitet und sein Teil irgendwie auch nicht richtig aufgeklärt wurde. ULWU von Eva Müller ist ein Appell an Liebe, Zusammenhalt, an Antifaschismus, an die Welt eine bessere zu werden, vielleicht, irgendwann, falls wer von euch noch ein bisschen Hoffnung übrig hat.
Absolut beklemmend. Vor allem wenn man ein wenig Hintergrundwissen hat auch noch interessanter. Beim Zitat vom Pfarrer musste ichaber herzhaft lachen 😂 ich glaub der Satz hat sich ALLEN hier eingeprägt.
Die erste Hälfte des Buches hat mich total beeindruckt und begeistert. In der zweiten Hälfte fand ich es eher zäh und nicht mehr so interessant und spannend … auf den Inhalt brauche ich ja nicht eingehen, der Klappentext erzählt ja genügend. Es hat mich im ganzen nicht so begeistert wie zb. Als Großmutter im Regen tanzte von Trude Teige… welches sich ja mit ähnlichen Schicksalen beschäftigt.
Es geht um den Juden Henryk, der durch die Gräueltaten während des Zweiten Weltkrieges stark traumatisiert gewesen ist, dennoch eine wunderbare Liebe zu Marga empfinden und ausleben durfte, die in späten Jahren dann auch noch mit einem Kind gekrönt wurde. Eva Müller schildert hier eine zutiefst bedrückende Geschichte, die einen nicht kalt lässt. Einstieg ist ein Überfall auf Jonathan, dem Sohn der Beiden und ab da entwickelt sich die Erzählung. Man erfährt aus wechselnder Perspektive von Henryk und Marga, wie sie zueinandergefunden haben und ihr Leben nach Ende des Krieges verlief. Man erlebt eine mutige, starke Frau, die nahezu unerschöpflich und aufopferungsvoll ihrem Mann zur Seite steht, ihn durch seine Panikattacken begleitet, ihn pflegt, wenn sich sein Gesundheitszustand immer wieder verschlechtert. Die ihm Hoffnung und Trost spendet, trotz der Ausgrenzungen, die sie sich seit der Hochzeit mit Henryk gefallen lassen muss. Man erlebt aber auch das Trauma Henryks mit, dessen Ausmaß man trotz eindringlicher Schilderungen absolut nicht erfassen kann. So erfährt man bspw. den Grund für seine zahlreichen Tätowierungen, die (❗️Achtung Spoilergefahr, vor allem aber harter Tobag❗️) nur dazu dienten, aus seiner Haut mal einen Lampenschirm zu machen. Diese Textstelle hat mich - obwohl ich bereits über dieses Vergehen an den Juden wusste - wieder einmal fassungslos innehalten lassen. Die Autorin findet - für mich - genau die richtigen Worte, um diese Geschichte zu erzählen und obwohl sich hier wahre Begebenheiten mit fiktionalen Elementen verbinden, wird genau nur so viel erzählt wie nötig, aber genug um zu begreifen. Es ist sicher keine leichte Kost, aber mir persönlich hat der Roman trotz aller Schwere sehr gut gefallen. Man muss allerdings in der Stimmung sein, denn gerade Henryks Schicksal, die Dinge, die er erlebt hat und der daraus oft entstehende Schwermut sind durchaus bedrückend und nicht immer leicht zu verdauen.

Nach wahren Begebenheiten.
📌 "Hier saßen sie, Marga und Henryk, unter dem grünen Blätterdach, am Anfang einer neuen Zeit. Sie mussten mit dem zurechtkommen, was geblieben war." - S. 70 Ich mag Geschichten aus den Kriegsjahren und der Nachkriegszeit rund um den 2. Weltkrieg und denke gerade diese helfen zu verstehen, nicht zu vergessen und es gegenwärtig besser zu machen. Hier begleitet man als Leser*in Marga und Henryk, die sich nach Kriegsende ineinander verlieben und sich trotz aller Widrigkeiten gemeinsam eine Zukunft aufbauen. Henryk ist Jude, schwer traumatisiert, hat das Lager überlebt und seine Familie verloren. Marga ist katholisch, wohlbehütet aus gutem Hause, einige Jahre jünger und dagegen nahezu unbeschadet durch die Kriegsjahre gekommen. Großartig finde ich, dass Margas Eltern Henryk mit offenen Armen aufnehmen, obwohl er ihrer Tochter wenig bieten kann und sie ihm immer eine Stütze sein muss, um mit den Schatten seiner Vergangenheit leben zu können. Das Glück ihrer Tochter steht für sie an erster Stelle und so akzeptieren sie die Verbindung zu Henryk, auch wenn ihre Tochter Chancen hätte in "bessere Kreise" aufzusteigen, denn auch Lukas Krantz, dessen wohlhabende Eltern alteingessen sind, macht ihr Avancen. Diese Verbindung ist nicht selbstverständlich und wird auch nicht von allen gern gesehen, denn obwohl der Krieg vorüber ist, hat sich die Einstellung mancher Menschen nicht geändert. Nach wie vor hat Henryk als Jude im konservativen, bayrischen Mairing einen schweren Stand. Dies zieht sich unterschwellig auch durch die Folgejahre. Man liest abwechselnd die Schilderungen von Marga und Henryk in der Vergangenheit und dann gibt es noch die Ereignisse in der Gegenwart, die Jonathan, den gemeinsamen Sohn von Marga und Henryk betreffen. Auch der junge Student, wird mit Ablehnung und Feindseligkeit konfrontiert, denn auch in der heutigen Zeit gibt es genug Menschen, die aus der Dummheit der Vergangenheit nichts gelernt haben. Insgesamt hab ich die Geschichte zügig gelesen, muss aber sagen, dass ich den Teil um Jonathan im Vergleich zur Geschichte seiner Eltern (gerade am Ende) zu kurz fand. Da hätte ich mir ein wenig mehr Intensität und Emotionen gewünscht. Diese (Liebes-)Geschichte ist wirklich so passiert, was einen zugegebenerweise mit einem Kloß im Hals zurücklässt, wenn man sich durch all die schrecklichen Ereignisse gelesen hat. Schön, dass Henryk seine Marga gehabt hat.





