Leider immer noch tagesaktuelle Thematik... Dargestellt in "SMS" Form... Beschreibt die Erlebnisse, Geschehnisse und Gedanken der Personen unverschleiert von Medien oder sonstiges.
Jeder sollte in der aktuellen Weltsituation dieses Buch gelesen haben!
Wichtige Thematik - eindrücklich illustriert 🔥
Ein Jahr lang hat sich die Illustratorin und Bestseller-Autorin Nora Krug wöchentlich vom Krieg in der Ukraine erzählen lassen, von einer Kiewer Journalistin und einem Künstler aus St. Petersburg. Ihre Berichte hat die in New York lebende Karlsruherin in unaufdringlichen und sensiblen Zeichnungen festgehalten – „Im Krieg. Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg“ heißt das Buch, welches 2024 im Penguin Verlag erschienen ist. Seit mehr als 20 Jahren lebt die Illustratorin Nora Krug in New York und hat sich mit ihren Arbeiten zu zeitgeschichtlichen Themen international einen Namen gemacht. In dem neuen Band „Im Krieg“ der gebürtigen Karlsruherin berichten zwei Zeitzeugen aus Kiew und St. Petersburg von ihren Alltagserfahrungen, die auf ganz unterschiedliche Weise von existentieller Not, von Verlust und Bedrohung geprägt sind. Ihre Emotionen hat Nora Krug mit sehr einfühlsamen, starken Illustrationen zum Ausdruck gebracht. Sämtliche Fakten und Ereignisse, die ihr aus der Ukraine und Russland übermittelt wurden, hat sie noch einmal sorgfältig geprüft. Immer in dem Bemühen, die Identität der Journalistin K und des Künstlers D zu schützen. Die wichtigsten Aussagen der Wochenberichte hat sie dann in einen Fließtext übersetzt und jeweils auf einer Doppelseite gegenübergestellt. Es ist nicht ganz einfach, diesen Band von Nora Krug einzuordnen. Es ist weder Comic, noch Graphic Novel und somit keine illustrierte Erzählung. Nora Krug betitelt es als „visuellen Journalismus“. Auszüge aus „Im Krieg“ sind bereits in der Los Angeles Times veröffentlicht worden. Genau seit dem ersten Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, also ein Jahr lang, hat die New Yorker Autorin den Verlauf des Krieges anhand zweier Zeitzeugenberichte mitverfolgt. Sie nahm dazu wöchentlich Kontakt auf mit der Kiewer Journalistin K. und dem russischen Künstler D. auf, um sich ihre Alltagserfahrungen schildern zu lassen und ihre sehr individuellen Perspektiven auf das Kriegsgeschehen zu dokumentieren. Sie fängt damit die Gleichzeitigkeit extrem unterschiedlicher Kriegserfahrungen ein. Die wöchentlichen Notizen aus Kiew und St.Petersburg hat Nora Krug in einen Fließtext übersetzt, Fakten und Zahlen zuvor noch einmal geprüft, dann jeweils auf einer Doppelseite gegenübergestellt. Eine starke Wirkung. Nach den ersten Bombardements zum Beispiel bringt die Kiewer Journalistin als erstes ihre beiden Kinder, zwei und sechs Jahre alt, nach Kopenhagen in Sicherheit, um dann als Berichterstatterin an die Front zurückzukehren. Die Kinder des russischen Künstlers nehmen den Krieg erst dann zur Kenntnis, als sie in Petersburg wegen des Boykotts kein Nintendo-Spiel mehr kaufen können. Im Sommer fahren die Russen zum Strandurlaub auf die Krim und werden von der ukrainischen Gegenoffensive erfasst. Zur selben Zeit entdeckt die Kiewer Journalistin ein russisches Propagandavideo über ihren Freund, einen Menschenrechtsaktivisten und Pazifisten, der in russische Gefangenschaft geraten ist. Und es bleibt nicht bei den Alltagsberichten. Nora Krug bringt die beiden dazu, mit sich selbst ehrlich ins Gericht zu gehen. Über Verantwortung, Schuld und Hass. Beide Stimmen kommen ins Nachdenken über Kategorien, die in diesem Krieg nur zu gern auch politisch ausgeschlachtet werden: über Heimat und Patriotismus, über kulturelle Zugehörigkeit und Identität. So entsteht ein sehr komplexes, ambivalentes Bild. Der Band „Im Krieg. Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg“ will nicht erklären oder versöhnen. Es sind diese zwei sehr unterschiedlichen, individuellen Stimmen, denen Nora Krug eine Bühne gibt. Textlich hält sie sich ohnehin ganz zurück. Sie spricht allein durch ihre farblich bedeckt gehaltenen Illustrationen, die die Emotionen der beiden Menschen bildlich verstärken – ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Gleichzeitig ist Nora Krug ganz um die Anonymität ihrer Zeitzeugen bemüht, die man nie wirklich erfasst, sondern nur schemenhaft von der Seite oder von hinten. Immer wieder liegt der Focus auf der Körperhaltung, Hände spielen eine große Rolle in den Zeichnungen, ohne aufdringlich oder übergriffig zu werden, schafft Nora Krug so sehr persönliche Innen-Ansichten. Bemerkenswert unaufgeregt, sehr sensibel und zugleich sehr intensiv. „Im Krieg“ – ist ein eindrücklicher Appell, genau hinzusehen.
Ein gutes Buch, um sich bewusst zu machen, dass nicht „alle“ so sind.
Wie schnell kommt man gedanklich dahin zu denken, alle eines Volkes, Gruppe, Religion etc. sind so und so. Mir hat es gut getan zu lesen, dass es (natürlich) auch Russen gibt, die unter diesem widerwärtigen Krieg leiden und sich für den Krieg schämen. Natürlich kann man dieses Leid nicht mit dem Ukrainischen vergleichen, aber wie gesagt. Das Buch „Heimat“ hat mir von ihr auch schon echt gut gefallen!

Kurz nachdem Russland am 24. Februar 2022 einen erneuten, nicht provozierten militärischen Großangriff auf die Ukraine startete, nahm Nora Krug Kontakt zu K., einer Journalistin aus Kiew und D., einem Künstler aus St. Petersburg auf. Sie erkundigte sich, wie es ihnen ging - und entwickelte nach deren offenen, verletzlichen Antworten die Idee, ein illustriertes wöchentliches Tagebuch zu gestalten. Die beiden Personen stimmten dem Projekt zu und Nora Krug befragte sie jedes Wochenende zu ihren Gedanken, ihrem Befinden, ihren Alltagserfahrungen. Ihre Textnachrichten fasste sie zu einer zusammenhängenden Erzählung zusammen, änderte einige Details, um die Anonymität von K. und D. zu wahren, sprach die Endfassung mit den beiden ab und zeichnete letztlich auf Grundlage einer Mischung aus Recherchen und Fantasie die dazugehörigen Illustrationen. Die Tagebucheinträge wurden großteils wöchentlich zwischen Februar 2022 und Februar 2023 in der Los Angeles Times veröffentlicht. In "Im Krieg: Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg", aus dem Englischen übersetzt von Alexander Weber, versammelt Nora Krug all diese Tagebucheinträge und versieht sie mit einem einordnenden Vorwort. Auf der linken Seite des Buches sind jeweils die Beiträge der Ukrainerin K., auf der rechten Seite die des Russen D. dargestellt, in visuell hervorgehobenen und mit Bildern unterstützten Texten. Nora Krug schafft es, sehr nah an den beiden Erzählenden zu bleiben, sie nimmt selbst keine Bewertung vor, distanziert sich aber durch das Vorwort von einigen von D. getroffenen Aussagen. Entstanden ist ein erschütternder Echtzeitbericht aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven. Ich finde Nora Krugs neue Graphic Novel sehr lesenswert, da sie eine ganz neue Form der Auseinandersetzung mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine durch bildlich unterstützte persönliche Erzählungen bietet. Allerdings sehe ich die Darstellungsform des direkten Nebeneinanderlegens, des Erzeugens einer Parallelität der Tagebucheinträge durchaus auch kritisch. Ist es in Ordnung, ukrainische direkt neben russische Perspektiven zu platzieren? Ich denke, diese Frage können weder ich, noch Nora Krug aus unserer westeuropäischen Sichtweise abschließend beantworten. Mir persönlich ging "Im Krieg: Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg" sehr nahe, es hat mir einen tiefen Einblick in den Kriegsalltag und viele neue Denkanstöße gegeben.
Erschütterndes Zeitzeugnis ❤️🩹





