,,Das versteinerte Herz" ist für mich bereits das zweite Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah und ist 2025 durch die Wanderbuchrunde im Buchrebellin-Forum auf meine Leseliste gekommen. Leider hat er mich, wie auch mit seinem Roman ,,Nachleben" nicht einfangen können, weswegen ich jetzt schon mit großer Sicherheit sagen kann, dass ich kein weiteres Werk von ihm lesen .werde. Und das obwohl der Anfang vielversprechend war und Lust auf mehr machte. Denn natürlich wollte ich wissen, was es mit den Geheimnissen von Salims Familie auf sich hat, die in der Inhaltsangabe auf dem rückwertigen Cover angeteasert werden. Ich muss zugeben, dass ich vor Literatur-Nobelpreisträgern und ihren Werken oft Respekt habe und mich da nur selten ran traue. Umso erfreulicher finde ich die Tatsache, dass sich der Erzählstil des Autors gut und flüssig lesen lässt, kompliziert oder übertrieben poetisch empfinde ich die Sprache nicht. Allerdings muss ich sagen, dass ich für die so hochgelobte Schönheit und Eleganz von Gurnahs Sprache entweder blind bin oder dass ich es nicht verstehe. Er redet mir zu viel um den heißen Brei herum, kommt nicht zum Punkt. Was mir außerdem fehlt sind Zeitangaben oder zumindest Hinweise im Text, in welcher Zeit wir uns befinden. Historischen Figuren werden nicht und nur selten beim Namen genannt, so dass man auch keine Möglichkeit hatte, sich Hintergrundinformationen zu Sansibar und der Geschichte anzueignen. Gleichzeitig ist die Geschichte ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehbar und ich frage mich, ob das Familiengeheimnis wirklich so ein großes, ein so besonderes Geheimnis ist? Für die einzelnen Familienmitglieder ist das sicherlich prägend, das will ich gar nicht abstreiten. Dass Salim verkorkst ist durch die familiäre Situation kann ich sogar verstehen, aber für mich als Beobachterin/ Leserin ist die Entwicklung der Geschichte wenig überraschend. Hinzu kommt, dass bei mir überhaupt kein Gefühl bzw. Nähe für die Figuren aufkommt und ich auch das Gefühl habe, dass die Geschichte lange Zeit vor sicher hinplätschert. Das passt vielleicht ganz gut zu Salims Suche nach sich selbst und seinem Platz im Leben, war aber mit der Zeit für mich einfach nur nervtötend langatmig. Grundsätzlich gefällt mit ,,Das versteinerte Herz" besser als Nachleben, weil mich die Geschichte von Saida, Salims Mutter, schon beschäftigt hat, aber auch das kam erst im letzten Drittel und wirklich nah dran war ich auch an ihr nicht. Da hätte ich mir eindeutig mehr Nähe gewünscht, auch wenn genau das vom Autor sicherlich bewusst nicht gewollt war. Aber sie interessiert mich einfach mehr als Salim. Ich will wissen, mitfühlen, miterleben, wie es ihr in ihrer Situation ergeht, bekomme da aber nur wenig Einblicke und muss mir vieles denken. Bezügliche Salim war ich einfach nur genervt. Schade!
29. Dez.Dec 29, 2025
Das versteinerte Herzby Abdulrazak GurnahPenguin

