22. Apr.
Rating:3

Echt schwierig für mich zu diesem Buch was zu schreiben. Ich fang mal mit dem Äußeren an. Mich haben das Cover und der Titel gleich angesprochen und deswegen hab ich mir den Inhalt des Romanes genauer angeschaut. Die Frage, was Kunst wirklich ist, stell ich mir selbst immer wieder und meine Neugier war geweckt. Nun zum Inhalt. Ich hatte meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Künstlerisch betrachtet, ist es ein sehr gut konstruierter Roman, aber inhaltlich konnte es mich nicht ganz überzeugen. Wir haben 2 Erzählperspektiven, die abwechselnd erzählt werden. Einmal wird die Geschichte von der Autorin Dora erzählt, die mit ihrem achtjährigen Sohn Loris und dem Kindermädchen Macedonia an die ligurische Küste fährt, um ihren Roman zu dem Bildhauer Constantin Avis zu schreiben. Während ihres kreativen Schaffens, verfällt sie immer mehr in ihre Geschichte und vernachlässigt ihr Umfeld, einschließlich Sohn Loris. Dann haben wir die Geschichte von Constantin Avis, der 1926 aus Paris nach New York einreist, eingeladen von einem New Yorker Galeristen, um dort sein Kunststück den „Vogel“ auszustellen. Kurz vor seiner Ankunft stirbt der Galerist und dessen Tochter Cara Milner nimmt Constantin unter ihre Fittiche. Ich hab erst ein wenig gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, da ich mich an Sprache und Schreibstil gewöhnen musste. Anfangs konnte ich Doras Geschichte besser folgen, da ich das Gefühl hatte gleich zu wissen, wo ich mich befinde. Constantins Geschichte war mir erst zu viel - zu viel Bilder, zu viele Namen, zu viel Geschehen. Ich wollte immer gleich analysieren wo und mit wem ich gerade in der Geschichte bin. Doch nachdem ich gemerkt habe, dass ich mich einfach nur treiben lassen muss, ist mir Constantins Geschichte immer zugänglicher geworden. Nachdem Constantin eine Liaison mit Lidy, der Fotografin der Milner Gallery, anfängt, fühl ich mich teilweise wie beim anschauen eines alten Tanzfilms. Die bildlichen Beschreibungen New Yorks erzeugen gleich Szenen in meinem Kopf. Zu Dora hab ich im Verlauf der Geschichte immer mehr die Verbindung verloren. Sie schien mir wie im Nebel, kurzweilig sichtbar, aber meistens unklar. Immer wieder wurden neue Geschichten angerissen, aber nicht zu Ende geführt. Als dann noch ihr Liebhaber Regis dazukam, konnte ich Dora gar nicht mehr folgen. Diese ambivalente Gefühle waren mir unverständlich. Absolut genial, fand ich das verweben beider Geschichten. Szenen die bei Dora vorkamen, wie zum Beispiel „gelbe Vorhänge“, baut sie auch in ihren Roman ein und wir sehen diese „gelbe Vorhänge“ in New York. Das hat mir verdeutlich, wie das Leben einer Künstlerin/eines Künstlers auch Inspirationsquelle für ihre/seine Kunst ist. Auch fand ich die immer wieder auftauchenden Fragen zur Kunst interessant ( S. 70) „Wozu Kunst? Inwiefern speist sich die Kunst aus dem Leben - und was gibt die Kunst dem Leben zurück“, aber viele neue Ansichten hab ich nicht erhalten, sondern eigene bestätigt bekommen. Ich finde tatsächlich, dass Dana Grigorcea hier hohe Kunst geschaffen hat, aber inhaltlich hätte ich mir mehr Leben gewünscht. Zwischendrin hatte ich sogar teilweise keine Lust zum lesen, die aber gegen Ende dann doch wieder aufkam. Den Schluss fand ich persönlich absolut passend und Rund. In einem Prozess wird hier nochmal versucht die Frage, was Kunst ist, zu klären. Das Buch würde ich nicht jedem empfehlen, da es kein leicht zu lesendes Roman ist. Wer aber gern mal liest, nur der Kunst wegen, der sollte zu diesem Buch greifen.

Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen
Das Gewicht eines Vogels beim Fliegenby Dana GrigorceaPenguin