Die Würde des Menschen ist unantastbar
Am 23.05. jährt sich das das Inkrafttreten unseres Grundgesetzes zum 77. Mal. Was das mit meinem heutigen Buchtipp zu tun hat? Alles. Wir finden uns in der Antike wieder. Der Tyrann, der zuvor die Stadt Kaliste beherrschte, wurde verjagt. Nach welchen Regeln kann das Zusammenleben zukünftig gestaltet werden? Wie kann erneute Tyrannei verhindert werden? Mit der Aufgabe, weise Gesetze zusammenzustellen, wird ein Kind, der junge Alexander, betraut. Von dieser Mission hängt nicht weniger als die Fortexistenz des Landes ab. Wir begleiten Alexander auf seiner Reise. Diese wird durch verschiedene Begegnungen gegliedert, die ihm jeweils Impulse geben, sukzessive Gesetz für Gesetz zu formulieren. Blitzlichter, die mir dabei in Erinnerung geblieben sind: Tyrannen selbst kämpfen selten an der Front; Scheitern beim Versuch, das Richtige zu tun, ist nicht die Tragödie an sich, es gar nicht erst zu versuchen, hingegen schon; Es geht im Leben auch darum, die Perspektive des Anderen einzunehmen und den Blickwinkel nicht nur auf die eigenen Füße gerichtet zu lassen; Wahre Weisheit werden wir nur erfahren, wenn wir die Würde eines jeden Menschen, der uns gegenübertritt, respektieren. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ lautet der Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Ein Tyrann wurde gestürzt. Die Suche nach neuen, gerechten Regeln des Zusammenlebens beginnt. Das Setting in der Antike verleiht der Botschaft von Schirachs „Alexander“ eine zeitlose, klassische Dimension, dennoch berichtet dieses Büchlein auch von der Entstehungsgeschichte unseres Grundgesetztes. Gegenstände haben Wert, dieser hängt von ihrem Nutzen, ihrer Funktionalität ab. Frei nach Kant hat ein Mensch immer einen Wert unabhängig von diesen Dimensionen. Hat etwas immer einen Wert hat, bezeichnet man das als Würde. Wie fragil der Konsens, sich auf diesen Grundsatz zu einigen, ist, das spüren wir gegenwärtig wieder allzu sehr. Schirachs Buch kommt zur rechten Zeit. Es ist inhaltlich eine Wucht und zudem vom Autor selbst wundervoll illustriert und auch verlegerisch durch und durch wertig gestaltet. „Alexander“ lebt davon, dass es eine Einladung darstellt. Eine Einladung zum Gespräch mit unseren Kindern und unseren Mitmenschen allgemein und dazu, die Werte, die das Fundament unseres Zusammenlebens bilden, zu erläutern und zu betonen, warum sie so wertvoll sind.









































