8. Okt.
Rating:3

angenehm zu lesen, nüchtern und distanziert, zu oberflächlich

"Die Schuldigen" von Hanna und Nora Ziegert ist ein Buch, das den Leser dazu anregen möchte, über Schuld, Verantwortung und die Rolle der Frau im Zusammenhang mit Kriminalität neu nachzudenken. Der Ansatz klingt spannend, insbesondere für Leser wie mich, mit regem Interesse an True Crime und den dazugehörigen psychologischen Hintergründen. Doch leider gelang es dem Buch schlussendlich nur bedingt, meine Erwartungen zu erfüllen. Aber worum geht es denn überhaupt?! Wenn eine Frau eine Fremde zusammenschlägt. Wenn eine Mutter ihr Kind verhungern lässt. Wenn ein Mann zum Brandstifter wird. Jedes Mal, wenn ein Verbrechen geschieht, muss man genau hinsehen, um zu verstehen, sagen Hanna und Nora Ziegert. Denn in jedem Täter steckt ein Mensch mit einer Vergangenheit. Ein Mensch, der einen Weg zum Täter gegangen ist. Begleitet von der Person, die er zuerst geliebt hat: seiner Mutter. In ihren packenden Kurzkrimis erzählen Hanna und Nora Ziegert von realen Verbrechen – und davon, wie es dazu kommen konnte. Sie erzählen von Opfern und von Schicksalen der Täter, die man nicht mehr vergisst. Sprachlich ist das Werk tatsächlich recht angenehm zu lesen. Die Autorinnen verzichten auf überflüssige Fachbegriffe und bemühen sich um eine breite Leserschaft. Dennoch bleibt der Stil eher nüchtern und distanziert, was bei einem Buch, das emotional und psychologisch in die Tiefe gehen will, meiner Meinung nach ziemlich problematisch ist. Jeder der acht Fälle ist ähnlich aufgebaut: Zunächst wird das Verbrechen in einer kurzen, beinahe filmisch inszenierten Szene nacherzählt, oft mit etwas Effekthascherei und reißerischen Elementen, die an Fernsehsendungen wie Aktenzeichen XY erinnern. Danach tritt Frau Ziegert dann als Psychiaterin auf, um mit den Tätern zu sprechen und die psychologischen Hintergründe zu beleuchten. Hierbei stellen die Autorinnen den Einfluss der Mutter konsequent in den Mittelpunkt. Fast jedes Verbrechen wird auf Kindheitstraumata, Vernachlässigung oder emotionale Kälte der Mutter zurückgeführt. Sicherlich ist die frühe Bindung ein zentraler Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung. Eine unsichere oder desorganisierte Bindung kann im späteren Leben ja tatsächlich emotionale Instabilität, Impulsivität oder Bindungsangst begünstigen. Doch die psychologische Realität ist so viel komplexer. Verhalten entsteht nie monokausal. Neben der Mutter spielen unter anderem auch genetische Dispositionen, soziale Umfelder, ökonomische Bedingungen, kulturelle Normen und individuelle Temperamente eine entscheidende Rolle. Diese Mehrdimensionalität fehlt im Buch fast vollständig. Zudem bleibt der psychologische Tiefgang viel zu oberflächlich. Statt differenzierter Analysen werden oft nur Andeutungen gemacht, etwa, dass jemand "eine schwere Kindheit" hatte oder "emotional abhängig" war. Der Leser erhält so kein wirkliches Verständnis dafür, warum sich bestimmte Persönlichkeitsstörungen oder destruktive Verhaltensmuster entwickelten. Das Buch möchte letztlich aufzeigen, dass auch "die Schuldigen" nur Produkte ihrer Erfahrungen und Umstände sind. Doch der Effekt verpufft, weil die Fälle viel zu kurz und zu reißerisch erzählt werden. Ich als Leser blieb emotional unbeteiligt und statt Einsicht in die Abgründe der menschlichen Psyche zu gewinnen, bekam ich nur kurze Momentaufnahmen. Ein weiterer Kritikpunkt ist meiner Meinung nach die mangelnde Neutralität. Oft spürt man, dass die Autorinnen eine klare Botschaft transportieren wollen – etwa, dass Frauen im Strafsystem benachteiligt oder missverstanden werden. Das ist zweifellos ein wichtiges Thema, doch es wird zu wenig wissenschaftlich fundiert, sondern eher emotional und subjektiv vermittelt. Gerade bei psychologisch-kriminologischen Themen ist es jedoch entscheidend, dass verschiedene Perspektiven – Täter, Opfer, Umfeld, Gesellschaft – miteinander in Beziehung gesetzt werden... "Die Schuldigen" ist somit ein Buch mit guten Absichten, das auf einer spannenden beruflichen Erfahrung basiert, aber meiner Meinung nach in seiner Umsetzung zu kurz greift. Der Schreibstil ist zwar okay und die Themen relevant, mir hat jedoch der psychologische Tiefgang gefehlt. Statt komplexer Täterprofile und analytischer Einblicke in die menschliche Psyche erhält man lediglich vereinfachte Deutungen und ein fast schon überstrapaziertes Mutterbild. Für Leser, die neu im True-Crime-Genre sind oder einen leicht verständlichen Einstieg in die forensische Psychologie suchen, mag das Buch dennoch interessant sein.

Die Schuldigen
Die Schuldigenby Hanna ZiegertPenguin
4. Okt.
Rating:4

True Crime aus Sicht einer Psychologin 🤍

True Crime finde ich immer sehr spannend und hier wurde es aus der Sicht einer Psychologin geschrieben, die sich in verschiedenen Fällen davon ein Bild machen sollte, ob die Täter zum Tatzeitpunkt schuldunfähig waren oder nicht - hier wurde es vor allem auf Frauen bezogen. Ich fand die verschiedenen kurzen Geschichten wirklich spannend und habe eine Realitätsklatsche bekommen, wenn mir zwischendurch bewusst wurde, dass diese Geschichte so wirklich passiert ist. Zwischendurch waren mir die Gedankengänge und Erklärungen der Psychologin etwas zu lang gehalten, aber trotzdem war es durchaus spannend zu sehen, wie die Schulunfähigkeit beurteilt wird. Ich empfehle es auf jeden Fall zu lesen! ☺️

Die Schuldigen
Die Schuldigenby Hanna ZiegertPenguin
9. März
Rating:4

Sehr interessante Fälle!

Die verschiedenen Fälle, die die Autorin in ihrem Buch schildert, sind alle sehr verzwickt, da die meisten Täter selbst Opfer von Missbrauch waren. Die Frage der Schuld und der Zurechnungsfähigkeit ist also gar nicht so einfach, wie man es sich manchmal vorstellt. Die Erklärungen waren auch für Laien leicht verständlich und man erhält einen guten Einblick in die Prozesse eines psychologischen Gutachtens bei Straftätern. Für TrueCrime-Fans, die also gerne mal "in den Kopf" der Täter schauen möchten, also sehr empfehlenswert!

Die Schuldigen
Die Schuldigenby Hanna ZiegertPenguin
23. Apr.
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Rating:4.5

Oh da hat die liebe Lydia @lylabookstagram mir wirklich ein tolles Buch empfohlen. Das kann ich gar nicht anders sagen.❤️ Das Buch beinhaltet 8 verschiedene Fälle , wo die Gutachterin Ziegert sich mit den Tätern unterhält und versucht die Schuldfähigkeit der jeweiligen Personen zu beurteilen. Das bedeutet, ob die Täter eine Störung haben, psychische Krankheiten haben oder ob diese es mit vollen Verstand getan haben. Interessanterweise sind die Täter überwiegend Männer, obwohl dies Geschichten über Frauen handeln sollen, sind diese nicht immer direkt die Täter, sondern manchmal nur der Auslöser der ganzen Tat, obwohl sie juristisch gesehen unschuldig sind , sind diese teilweise moralisch gesehen schuldig an dem Vergehen. Einerseits hat mir das recht gut gefallen, aber andererseits hat sich der Auslöser etwas wiederholt und generell fand ich etwas das der jeweilige Fall etwas zu kurz gekommen ist, sodass man nicht ganz einen Einblick in die Psyche der Täter bekommen hat. Dazu ist das Buch einfach zu kurz gewesen. Insgesamt war es dennoch interessant und spannend gewesen und ich habe die Fälle nichtsdestotrotz inhaliert und ich kann dieses Buch an alle empfehlen, die gerne True Crime lesen.

Die Schuldigen
Die Schuldigenby Hanna ZiegertPenguin
23. Jan.
Rating:3

Sind sie Schuldig oder Unschuldig?

7 „Kurzgeschichten“ zu welchen man sich selber ein Bild machen kann ob die Personen schuldig oder nicht schuldig sind. Teilweise für mich ganz klar Entscheidung (sowohl als schuldig als auch unschuldig). 2-3 Geschichten sind dann doch eher verzwickt, worauf hin ich erleichtert war, das ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Die Fachwörter werden gut erklärt. Allerdings ist es nur ein Buch für zwischendurch.

Die Schuldigen
Die Schuldigenby Hanna ZiegertPenguin