Gut verständliche Einführung ins Thema und seine Breite - auch wenn mir persönlich teilweise die Tiefe fehlte.
Habt ihr schonmal von Vergesellschaftung gehört? Dabei geht es grob gesagt darum, Privateigentum in Gemeinschaftseigentum zu verwandeln bzw. Ressourcen, die privatisiert werden, vor Privatisierung zu schützen. Das kann sehr unterschiedliche Bereiche umfassen, von Wohnraum über Trinkwasser, Wälder oder öffentliche Räume innerhalb der Stadt. Und schon vor ziemlich genau 2 Jahren haben Communia und BUNDjugend zu diesem Thema einen schmalen Sammelband herausgegeben: "Öffentlicher Luxus" (Reziexemplar). Ich kam vor ein paar Wochen endlich mal dazu, dieses Buch zu lesen. Da es ein Sammelband ist, kommen sehr unterschiedliche Positionen zum Tragen, wobei das Buch eingängig und lesbar bleiben will, d.h. es sind relativ kurze und ich denke auch ohne umfassendes Theoriestudium gut lesbare Kapitel, in denen es um politische Öffentlichkeit, den Kampf gegen Privatisierung geht und darum, warum diese Themen so wichtig sind: Um gesellschaftliche Ungleichheit zu überwinden und eine gute Lebensqualität für alle Menschen zu erreichen, darin stimmen alle Autor*innen überein, müssten große Firmen, die an Essen, Wohnen und co. verdienen, enteignet werden, müsste der privat angeeignete Luxus vergemeinschaftet werden, weil die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, gehören Boden, Natur und co. doch allen. Es geht dabei natürlich viel um Klimawandel und eine ökologische Transformation der Gesellschaft, darum, dass dabei Fragen der sozialen Gerechtigkeit mitgedacht werden müssen. Damit behandelt das Buch ein wichtiges und angesichts von Kriegen und Krisen etwas in den Hintergrund gerücktes, gleichwohl weiterhin akutes Thema und tut das auf eine sehr einsteiger*innenfreundliche Art und Weise. Persönlich habe ich nicht unglaublich viel Neues erfahren, aber ich habe mir auch schon ein bisschen Theorie zum Thema angelesen und bin damit denke ich nicht ganz die Zielgruppe des Buchs. Aus dieser Perspektive habe ich auch etwas Kritik, etwa daran, dass man eigentlich noch weitergehen und das Eigentumskonzept an sich hinterfragen könnte, dass mir die Kritik teilweise ein bisschen zu personalisiert ist, dass in dem Zug zwar wichtigerweise R4ssismus und Ausbeutung thematisiert werden, dass aber auch Perspektiven fehlen, etwa Kritik an Sozialdarwinismus und Leistungsdenken, Ant1sem1tismuskritik oder Auseinandersetzung mit Ant1ziganismus, also Themen, die gerade auch eine linke Bewegung selbstreflexiv mit einbeziehen sollte, gerade im Bereich soziale Gerechtigkeit, wenn sie nicht in einer verkürzten Systemkritik landen möchte. Das heißt aber nicht, dass man "Öffentlicher Luxus" nicht lesen sollte. Ich glaube, gerade Menschen die mit dem Thema bisher wenig Berührung haben und sich niedrigschwellig einen Einblick verschaffen möchten, können mit dem Buch wirklich viel anfangen. Dementsprechend kann man das vielleicht auch ganz gut den Verwandten schenken, die ja schon irgendwie bezahlbare Wohnungen haben wollen, aber trotzdem Parteien wählen, die Sozialabbau betreiben, oder so.





