
Teilweise ein wenig verwirrend, aber ein großartiges Buch.

Teilweise ein wenig verwirrend, aber ein großartiges Buch.
Der Roman "Die Brontës gehen zu Woolworths" von Rachel Ferguson, der 1931 veröffentlicht wurde, ist eine unterhaltsame und lebhafte Geschichte. Er handelt von einer Mutter und ihren drei Töchtern, die sich gerne Bekanntschaften mit Persönlichkeiten ausdenken. Eines Tages tauchen tatsächlich zwei dieser Persönlichkeiten, Toddy und Lady Mildred, auf.

“Vor drei Jahren wurde mir ein Heiratsantrag gemacht. Obgleich ich denjenigen wirklich gernhatte, konnte ich seinen Antrag nicht annehmen, denn ich war gerade in Sherlock Holmes verliebt. Der Meisterdetektiv, seine Persönlichkeit und sein Verstand weckten damals so heftige Gefühle in mir, dass kein lebender Mann damit konkurrieren konnte.” (S. 12) Ihr werdet jetzt vielleicht sagen: Ja gut, im Zeitalter von “Bookboyfriends” (und “-girlfriends”) nichts Neues, ich war auch schon schwer verliebt in so ein fiktives Exemplar. Aber diese Worte spricht die 20-jährige Ich-Erzählerin Deirdre im Roman “Die Brontës gingen zu Woolworths” von Rachel Ferguson. Er erschien im Jahr 1931, wurde aber erst 2023 von Sabine Reinhardus für den Nagel & Kimche-Verlag ins Deutsche übersetzt. Eine wiederentdeckte Klassikerin sozusagen. Dieser Roman ist verrückt - anders verrückt. Die Familie Carne besteht seit dem Tod des Vaters aus der Mutter, Mrs. Carne und ihren drei Töchtern Katrine, Schauspielerin, Deirdre, Journalistin und der jungen Sheil, die von einer Hauslehrerin unterrichtet wird. In ihrem Londoner Stadthaus haben sie sich ihre eigene Fantasiewelt erschaffen: Sie spielen Rollenspiele, imitieren (berühmte) Persönlichkeiten und werfen sich gegenseitig Insider-Witze zu. Sie haben sich eine fiktionale Bubble aufgebaut, die für Außenstehende schwer zu durchdringen ist. Eine der “Obsessionen” der Familienmitglieder ist der ältere, kürzlich zum Ritter geschlagene Richter Sir Herbert Toddington, den die Mutter Mrs. Carne bei Gericht kennenlernte, als sie dort als Geschworene tätig war. Die Familienmitglieder nehmen ihn als Figur in ihre fiktive Welt mit auf. Doch als sie ihn und seine Frau Mildred wirklich kennenlernen und Umgang mit ihnen pflegen, steht der von der Familie Carne selbstgesponnene Kokon aus Fiktionalität plötzlich auf dem Kopf. Und als sie bei ihrem Familienurlaub in Yorkshire im Rahmen einer Séance die Brontë-Schwestern “treffen”, haben die Carnes plötzlich mehr Besucher:innen, als ihnen lieb ist… Die Außenansicht auf die Familie Carne liefert die nüchterne und pflichtbewusste Hauslehrerin Agatha Martin. Sie kann mit der exzentrischen Art der Familie, für die sie arbeitet, so gar nichts anfangen und lässt sich in Briefen an die eigene Familie über deren Kapriziosität aus. Wir als Lesende sind sicher an vielen Stellen ähnlich verwundert wie die Gouvernante und froh, dass wir nicht wie Ms. Martin mit der Familie Carne zusammenleben müssen. Das Buch ist dialoglastig, skurril, witzig und - für einen klassischen Roman - total abgedreht. Ein Text, der mich sehr überrascht und stellenweise verwirrt hat. Ein quirliges Kuddelmuddel an intertextuellen und kulturhistorischen Referenzen, das aber sicher seine moderne Leserschaft finden wird. Hat Spaß gemacht!
Amüsante Geschichte über eine Mutter mit ihren drei Töchtern in England. Für Fans von Jane Austen und von herrlichem Humor.
Sehr verwirrend
Das buch war ein Geschenk leider gar nicht mein schreib Stil ich kam immer wieder durcheinander...
Der erstmals 1931 erschienene und neu aufgelegte Klassiker lässt mich etwas zwiegespalten zurück.
Insgesamt hat er mir aber gut gefallen. Manchmal war es etwas schwierig den Dialogen zu folgen, denn plötzlich wechselten die Perspektiven und man konnte die Wahrheit und die Fantasiegebilde der Protagonisten nur schwer unterscheiden. Die Geschichte erinnerte mich an eine Mischung aus einem „altmodischen Sex and the City“ und einem „modernen Betty und ihre Schwestern“. Der Schreibstil ist flott und humorvoll. So begleiten wir Mrs. Carne und ihre drei Töchter, die unheimlich gerne lesen und sich die wildesten Geschichten über bekannte Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld entspinnen. Bis hin zu einer Séance in der die Bronte Schwestern herbeigerufen werden und dann auch noch in der Geschichte herum spuken. Eines Tages lernen sie den Richter Toddington wirklich kennen und so wird der Alltag der Familie gehörig durcheinander gewirbelt. Ist er so wie sie ihn sich vorgestellt haben oder doch ganz anders und wird er ihre kleinen Spiele mit spielen ? In Klassikern mag ich besonders gerne die „altmodische“ Redeweise und umgangsart miteinander. Ein skurriler und witziger Lesespass für zwischendurch, der mit einem Weihnachtsfest endet.