8. Mai
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Dieses Buch trägt der Liebe zu fiktiven Welten Rechnung.

Völlig subjektiv habe ich knapp vierzig Figuren der Weltliteratur ausgewählt, die mir im Laufe meines Lebens zu treuen Begleitern wurden, die ich besser kenne, als die meisten Menschen, die mir in meinem Alltag tagtäglich begegnen. Ja, es kommt mir dann so vor, als gäbe es zwischen Literatur und Leben gar keinen Unterschied. - Aus "Ein Wort Zuvor" von Rainer Moritz im November 2024 Vielleicht mag man aufgrund des Titels vermuten, dass in dem 160 Seiten starken Büchlein hauptsächlich Portraits von Figuren aus klassischen Werken gezeichnet werden. Doch dem ist nicht so. Stattdessen präsentiert uns der 1958 geborene Autor einen bunten Mix und stellt uns weibliche, männliche und auch tierische Figuren aus verschiedenen Ländern und Epochen vor. Dagobert Ducks vergnügliches Bad im eigenen Geldspeicher, was nur ein Comic bildlich darzustellen vermag, wird ebenso porträtiert wie die beschauliche kleine Welt von Highbury, in welche die englische Schriftstellerin Jane Austen ihre junge Heldin Emma Woodhouse verpflanzt. Auch aus der Literatur der Gegenwart finden Begegnungen statt, z.B. aus Romanen von Daniela Krien und Charles Lewinsky. Wobei es sich bei Lewinsky um den Protagonisten Johann Wolfgang von Goethe handelt, was auf den ersten Blick ziemlich klassisch daher kommt - aber die Darstellung in "Schall und Rauch" ist erfrischend! Obwohl sich die einzelnen Portraits durch einen sehr angenehmen Grundton auszeichnen und die Zitate aus den jeweiligen Romanen passend und ausdrucksstark sind, muss leider angemerkt werden, dass die Informationen zu den Figuren nicht besonders innovativ erscheinen. Es handelt sich natürlich oft um bekannte Figuren, zu denen man wahrscheinlich schon Beiträge gehört oder gelesen hat und da ist es vielleicht nicht ganz so leicht, eine individuelle Note zu setzen. Obgleich Rainer Moritz die eine oder andere persönliche Anekdote im Text miteinbringt, bleibt er (soweit beurteilbar) doch bei der gängigen Charakterbeschreibung seiner Figuren. Am Ende jedes Portraits findet man den Originaltitel des Buches, in welchem man die beschriebene Figur findet, und Hinweise zu den Übersetzungen. FAZIT Natürlich hat mich der Hinweis erfreut, dass Rainer Moritz das Übersetzerpaar Ursula und Christian Grawe präferiert, wenn er zu einem Roman von Jane Austen greift. Aber warum er Emma als "raffinierte Strippenzieherin" bezeichnet, was zwar die allgemeine Klappentextbeschreibung ist, aber der Komplexität der Figur in keinster Weise gerecht wird, bleibt ein Rätsel. Insgesamt hatte ich aber viel Spaß mit der Präsentation von Rainer Moritz. Und ich weiß auch, welche Figur ich demnächst für mich entdecken möchte: Jane Fairchild. Wer ist denn deine Lieblingsfigur der Literatur? Und welcher Figur willst du demnächst in deiner Lektüre begegnen? "Mögen Sie Madame Bovary?" - lesenswert.

Mögen Sie Madame Bovary?
Mögen Sie Madame Bovary?by Rainer MoritzOKTOPUS bei Kampa