Ein Roman über Familienbeziehungen, Lebenslinien und Mut zur Veränderung. Ein Familientrip auf einem Katamaran bringt Ungesagtes und tief Vergrabenes an die Oberfläche. Es ist ein leiser Roman mit toller Sprache, fesselnder Story und einem fantastischen Setting.
Für mich hätten ein paar mehr Seiten der Geschichte gut getan und den Figuren etwas mehr Raum und Tiefe gegeben. Insgesamt aber sehr lesenswert.
Große Empfehlung für einen leisen Roman, der mit ganz viel Herz ins Leben von zwei Schwestern eintaucht. Eine Katamaran-Reise durch traumhafte, griechische Landschaften und eine Familien-Zusammenführung mit ungewissem Ausgang.
Die Schwestern Leo und Emma werden gemeinsam mit ihren Partnern von ihrem Vater zu einer Katamaran-Reise nach Griechenland eingeladen. Unterwegs kommen aktuelle und längst vergangene Konflikte an die Oberfläche. Und die Skipperin Alex scheint Unsichtbares, lange Verdrängtes in Leo aufzuweichen. Der Verlauf eines Familien-Urlaubs, den niemand so hätte ahnen können.
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Eine Begegnung, ein undefinierbares Bauchgefühl. Ganz langsam sortieren sich tief vergrabene Erinnerungen neu, ganz langsam werden Bedürfnisse nach oben gespült, die irgendwo im Inneren festgebunden und versiegelt sind. Alex löst in Leo all die Knoten auf, die ihre echten Wünsche zurückhalten. Und dieser Prozess wird von Tatjana von der Beek so nah und leise beschrieben, dass es mich richtig tief erreicht hat.
Ich konnte mich mit Leo sehr gut identifizieren und habe mit ihr mitgefühlt, wie sie vieles aushält, nur um Nahestehende nicht zu verletzen. Wie sie andererseits aber genau damit unabsichtlich verletzt.
Sie lügt, um Ansprüchen genügen, die von ihr erwartet werden - die von vielen Frauen erwartet werden. Das Kinder(nicht)wunsch-Thema ist auch für Leo und ihre Schwester ein Dauerschmerz, jedoch auf völlig verschiedene Weise. Genauso präsent wie auf dem Katamaran ist das Thema wohl auch in unserer Gesellschaft. Und ich finde es so wohltuend, dass uns Leo einen eigenen Weg aufzeigt. Einen, den sie findet, als sie sich mit sich selbst auseinandersetzen muss.
Dass sie uns zeigt, in so vielerlei Hinsicht einen neuen Weg einzuschlagen - auch wenn der Weg schon längst festzustehen scheint. Einen Weg, den wir alle für uns selbst finden müssen, um glücklich zu werden. Ganz egal wann.
Ich empfehle diesen Roman von ganzem Herzen. Nach „Die Welt vor den Fenstern“ hat Tatjana mich erneut völlig in den Bann gezogen. Sie hat da was in ihrem Schreibstil, das mir in die Seele piekst. Wunde Punkte und so, die mir Erleichterung bringen, wenn sie ausgesprochen werden. Ganz leise Wörter, die leise Personen vielleicht besonders gut fühlen können.
In „Blaue Tage“ geht’s mit den Schwestern Leo und Emma auf einen Segeltrip nach Griechenland – eingeladen von ihrem Vater, der nach Jahren Funkstille plötzlich seinen 60. Geburtstag mit der ganzen Familie feiern will. Klingt nach Idylle, wird aber natürlich schnell ziemlich turbulent. Zwischen zu wenig Platz auf dem Boot, zu viel Sonne und ordentlich aufgestauten Familienproblemen kommt alles hoch, worüber viel zu lange keiner reden wollte.
Leo steckt außerdem mitten in einer Lebenskrise: Karriere oder Kind? Herz oder Kopf? Und dann ist da auch noch Skipperin Alex, die Leos Gefühlswelt ordentlich durcheinanderbringt. Während Emma von Familienidylle träumt, fragt sich Leo, was sie eigentlich wirklich will – und nicht, was sie wollen soll.
Tatjana von der Beek erzählt ruhig und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Man spürt beim Lesen den letzten Hauch vom Sommer, hört das Gluckern des Wassers und spürt, wie alte Themen langsam ans Licht kommen. Auch wenn die Geschichte angenehm leicht zu lesen ist, bleibt sie inhaltlich eher an der Oberfläche – die Konflikte werden angerissen, aber nicht allzu tief ausgelotet. Trotzdem ist „Blaue Tage“ ein schönes Buch über Familie, Nähe und die Frage nach dem eigenen Weg – leise, atmosphärisch und perfekt für ein paar späte Sommertage.
Ich habe mehr Tiefe von dem Buch erwartet, da die Themen Identitätsfindung und Familie mich sehr interessieren. Trotzdem hat das Buch mich unterhalten und ich konnte es gut und schnell lesen.
Ein tolles Buch für entspannte Lesestunden.
Ich fand es war Zeit für einen Tagesausflug. Mit diesem Buch gelingt dieser ganz fabelhaft.
Die Emotionen brachten mich zu lachen und dazu ein paar Tränchen zu verlieren.
Gemalt in einem wundervollen Blau, treffen sich zwei Schwestern mit ihren Partnern auf einem Katamaran mit ihrem Vater, der sich 2 Jahre nicht gemeldet hat. Eine Familiengeschichte über den Wunsch von einer Schwangerschaft und dem dagegen. Über das Erkennen einer verlorenen Hoffnung, einer unerfüllten Liebe und Sehnsucht nach dem gleichen Geschlecht. Gespickt mit Zärtlichkeiten und Streit.
Ist man immer jedem eine Erklärung schuldig? Der Familie und, oder Freunden gegenüber verantwortlich für das eigene Handeln und Empfinden?
Ein leichter und bildlicher Schreibstil nimmt einen mit auf eine abwechslungsreiche Tour über das Meer vor Griechenland.
Die Autorin versteht es, Spannungen subtil aufzubauen und mit einer unheilvollen Grundstimmung zu spielen, die sich von Anfang an spürbar durch die Handlung zieht. Es passiert ständig etwas – mal offensichtlich, mal wie ein Zufall getarnt –, sodass man als Leser*in ständig überlegt: Ist das noch Zufall oder will hier jemand bewusst etwas auslösen?
Besonders gelungen ist die psychologische Tiefe der Figuren. Leo steht zwischen Karriere und Kinderwunsch und auch ihre Schwester Emma hat einen Kinderwunsch und ersehnt sich ein Familienleben mit ihrem Partner. Zwischen Leo und Emma entsteht eine spürbare Konkurrenz, vor allem im Umgang mit dem Thema Kinderwunsch – während Emma sich sehnlichst ein Kind wünscht, stellt Leo ihre Karriere vor die Familienplanung. Auch der Vater hat seine eigene Geschichte, die langsam ans Licht kommt. Auf dem engen Raum des Katamarans lassen sich die wachsenden Spannungen nicht mehr unterdrücken.
Der Roman greift viele relevante Themen auf: Selbstbestimmung, weibliche Lebensentwürfe, Eltern-Kind-Beziehungen, verdrängte Vergangenheit und die Frage, wie viel Nähe eine Familie eigentlich aushält. Als sich Leo und die Skipperin Alex näherkommen, öffnen sich neue emotionale Dimensionen, die die Geschichte noch komplexer und facettenreicher machen.
Fazit:
Blaue Tage ist ein atmosphärisch dichter Roman, der durch seine spannungsgeladene Stimmung und seine vielschichtigen Charaktere überzeugt. Man spürt von Anfang an, dass unter der Oberfläche mehr brodelt, als die Figuren zugeben wollen – und gerade das macht die Geschichte so fesselnd.
Tatjana von der Beek gelingt es auf beeindruckende Weise, in einem so kurzen Roman eine Fülle an Themen zu verweben: Queerness, Kinderwunsch (oder auch nicht), Trauer, Schwesternbeziehungen, die Brüche in Partnerschaften, Liebe, das Ringen um Anerkennung im Job. Und doch wirkt keines davon überladen oder oberflächlich, jedes entfaltet seine eigene Tiefe. Ihre Sprache ist klar, fast unaufgeregt, und trägt dennoch eine große emotionale Wucht und schafft wieder eine dichte, sehr atmosphärische Wirkung. Ich empfinde nicht so oft Figuren so nah an meiner Lebensrealität, in ihren Gedanken und vor allem in ihren Fehlern. Besonders schön fand ich auch das Setting: das Meer, die Sonne, der Wind (einzig mehr Beschreibungen von griechischem Essen haben mir gefehlt). Ein Sommerbuch, das leicht wirkt und doch voller Gewicht ist.
Ein Segeltörn in der Ägäis, glitzerndes Meer, weite Horizonte – und doch ist „Blaue Tage“ alles andere als ein unbeschwerter Sommerroman. Tatjana von der Beek gelingt in ihrem bemerkenswerten Roman ein vielschichtiges Familienporträt, das atmosphärisch dicht, psychologisch fein beobachtet und emotional eindringlich erzählt ist. Was als vermeintlich entspannter Geburtstagsurlaub beginnt, entwickelt sich zu einer intensiven Reise zu den Bruchlinien und unausgesprochenen Wahrheiten eines Familiengefüges.
Zum 60. Geburtstag lädt Vater Christian seine zwei erwachsenen Töchter Leo und Emma samt Partnern zu einem Segeltrip durch Griechenland ein – ein überraschendes Unterfangen, denn der Kontakt zu seinen Kindern war in den letzten Jahren bestenfalls sporadisch. Auf dem engen Raum eines Katamarans treffen nun sehr unterschiedliche Lebensentwürfe, Wünsche und Geheimnisse aufeinander. Während Emma sich sehnlichst ein Kind mit ihrem Partner Onur wünscht, verheimlicht Leo ihrem Freund Karl, dass sie die Pille weiter nimmt, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Als Skipperin Alex zur Gruppe stößt, verändert sich nicht nur die Dynamik an Bord – auch in Leo selbst beginnt sich etwas zu verschieben.
Von der Beek schreibt mit stiller Intensität und großer sprachlicher Klarheit. Ihre Stärke liegt in der Beobachtung des Zwischenmenschlichen: der kleinen Spannungen, verschluckten Bemerkungen, verpassten Chancen. „Blaue Tage“ ist ein Roman über das, was nicht gesagt wird – über Lebensentscheidungen, die nicht zu einem selbst passen, über das Aushalten gesellschaftlicher und familiärer Erwartungen und das Scheitern daran, sich selbst treu zu bleiben.
Besonders eindrücklich ist die Figur der Leo gezeichnet – zerrissen zwischen beruflichem Ehrgeiz, familiärem Druck und einer unterdrückten Sehnsucht, die erst durch die Begegnung mit Alex an die Oberfläche dringt. Ihre innere Zerrissenheit steht sinnbildlich für das zentrale Thema des Romans: Wie viel Authentizität vertragen unsere Beziehungen, wie viele Kompromisse brauchen sie – und wie viele zerstören sie?
Auch die Rolle des Vaters, der über weite Strecken rätselhaft bleibt, wirft Fragen auf: Was ist sein eigentliches Motiv für die Einladung? Warum bleibt so vieles in seiner Vergangenheit im Dunkeln? Die Autorin lässt Raum für Interpretationen, ohne die emotionale Tiefe der Geschichte zu verlieren.
„Blaue Tage“ ist ein leiser, aber kraftvoller Roman, der lange nachwirkt. Mit atmosphärischer Dichte, psychologischer Feinfühligkeit und poetischem Ton erzählt Tatjana von der Beek von der Fragilität familiärer Bindungen, den unbewältigten Schatten der Vergangenheit und dem Mut, eigene Wege zu gehen. Ein Sommerroman mit Tiefgang – bewegend, authentisch und klug komponiert.
Auf einem Katamaran durch die Ägäis segeln stelle ich mir unglaublich entspannt vor. Vorausgesetzt, man kann Segeln und man nimmt keine problematischen Familienmitglieder an Bord.
Leo und Emma haben ihre Mutter verloren, als Leo gerade vier Wochen alt war. Der Vater hat den Verlust nicht wirklich überwunden, trägt seine Trauer wie eine Trophäe vor sich her und hat sich in Arbeit vergraben während seine Kinder nebenher mitlaufen. So entwickelte sich eine Distanz zwischen ihm und seinen Töchtern, die sich im Erwachsenenalter vergrößert und manifestiert hat. Nun ist er 60, und seine Töchter Anfang 30. Er lebt in New York, sie in Hamburg. Beide planen mit ihren Partnern die Zukunft. Emma möchte unbedingt Mutter werden, doch die Schwangerschaft stellt sich nicht ein. Leo hingegen hat mit ihrem Freund vereinbart die Pille abzusetzen, verheimlicht ihm aber, dass sie diese noch weiter nimmt.
Da lädt der Vater zu einem Segeltörn in der Ägäis ein und wiederwillig folgt im Leo, während Emma sich zu freuen scheint. Samt Partner wollen sie in See stechen doch schon beim auslaufen aus dem Hafen stellt sich heraus, dass keiner von Ihnen so richtig gut segeln kann. Also kommt Alex an Bord, die professionelle Skipperin, ebenfalls aus Deutschland stammt, und irgendwie in Griechenland gestrandet. Für Leo ist diese Frau eine Offenbarung. Vergangenes holt sie ein und Gefühle machen sich breit, die sie erfolgreich verdrängt hatte.
Die Konstellation ist also alles andere als unproblematisch. Aus der ICH Perspektive von Emma sehen wir die Dysfunktionalität ihrer Familie. Da sind nicht nur ihre Lügen und der Vertrauensbruch an ihrem Freund, sondern Rivalitäten unter den Geschwistern, unterschiedliche Perspektiven und Wünsche machen sich breit und der Vater scheint auch ein Geheimnis zu haben.
Van der Beek tollt langsam das Netz der Familienbeziehungen auseinander. Am Anfang hatte ich das Gefühl, ein chaotisches Knäuel in der Hand zu haben, doch mit geschickter Erzählkunst entwirrt sich nach und nach die diffuse Zusammensetzung. Schritt für Schritt lernen wir die Protagonisten und ihre Hintergründe kennen. Das schafft die Autorin mit wenigen Hinweisen. Dabei geht es nicht nur um die Frage des Kinderwunsches, sondern einmal mehr um Lebensträume und wie unterschiedlich wir sie sehen können. Außerdem sind wir hautnah an jemandem dran, der mit seiner sexuellen Orientierung ringt. Selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft wie unserer, kann es Hürden geben, die belasten, und das hat die Autorin deutlich herausgearbeitet.
Mir hat besonders die ruhige Erzählweise gefallen, die Raum lässt für eigene Gedanken. Ich war nicht immer auf der Seite von Leo. Ihre mangelnde Fähigkeit Konflikte auszutragen, hat mich manchmal etwas genervt, aber genauso anstrengend fand ich auch ihre Schwester Emma die fordernd und raumnehmend jegliche Sensibilität missen lässt. Auch der Vater hat bei mir einen schweren Stand. Es ist sehr klischiert, wie er sich einfach aus allem raus hält und trotzdem gut dabei wegkommen möchte. Er hat den Namen Rolle nie ausgefüllt und ist auch jetzt nur auf sein. Wohl bedacht. Lediglich Onur und Karl wirkte auf mich sympathisch. Aber darum geht es in diesem Buch auch nicht, denn Familien sind oft mit sich gegenseitig abstoßend Charakteren durchsetzt und man sollte zumindest versuchen miteinander klarkommt. Gelöst hat die Autorin das für mich nicht. Wir sind beim Lesen Gast in einer Familie, die nicht funktioniert und bleiben am Ende mit der Frage zurück, wie es weitergehen könnte.
Die Liebesgeschichte hat den gleichen episodenhaften Charakter wie die Darstellung der Beziehungen aller Protagonisten zueinander.
Ein minimalistisches Sommerbuch, das in die Tiefe geht und uns gleichzeitig viel Raum zur Reflektionen lässt.
Leo wird zusammen mit ihrer Schwester Emma und ihren Partnern, vom Vater zu einem gemeinsamen Urlaub in Griechenland eingeladen. Auf einem Katamaran wollen sie verschiedene griechische Inseln erkunden und zusammen seinen 60. Geburtstag feiern. In den vergangenen Jahren glänzte der Vater mit Abwesenheit. Zwei Jahre lang haben die Schwestern ihn nicht gesehen. Konflikten zwischen den Familienmitgliedern kann auf so wenig Raum kaum noch aus dem Weg gegangen werden. Als die Skipperin Alex noch an Bord kommt, wird die Situation zunehmend angespannter.
Ein ruhiger Roman, der viel von den Zwischentönen lebt. Verbundenheit und Distanz zwischen den einzelnen Familienmitgliedern wurde hier ganz wunderbar beschrieben. Verschiedene Lebenskonzepte und Ansprüche schaffen Spannungen. Die Kulisse zwischen den griechischen Inseln, Sonne und Meer ist einfach nur traumhaft schön. Da möchte man fast gern mit an Board gehen. Für mich waren die Gedankengänge und Handlungen von Leo oft nicht nachvollziehbar. Das macht aber nichts, weil ja jeder sowieso ganz anders tickt. Eine intensivere Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Vater hätte ich mir hier gewünscht. Die Story ging dann eher in eine andere Richtung hin zum Thema Selbstfindung.
Ich empfehle den Roman als eine anspruchsvolle Urlaubslektüre oder all denen, die sich einfach mal mit Tiefgang wegträumen wollen.