Porträt einer schwierigen Ehe
Es ist Sommer auf Cape Cod, wo der Waisenjunge Michael die Ferien bei einer wohlhabenden Frau und deren Enkel verbringen soll. Doch Freundschaft schließt er nicht mit dem gleichaltrigen Jungen, sondern mit einem älteren Künstlerehepaar … ‚Schmales Land‘ hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Zum einen kann ich absolut in die Lobeshymnen einstimmen: was für eine Sprache, was für ein Stil! Christine Dwyer Hickey schafft mit ihren Worten Sätze und Stimmungen, die Edward Hoppers Bilder (denn um ihn und seine Frau Josephine handelt es sich bei dem Ehepaar Aitsch) im Kopf heraufbeschwören - das Licht, die Einsamkeit, die Melancholie. Das ist stellenweise fast atemberaubend, wie einzelne Sequenzen vor Augen entstehen, sich dann auflösen in Bewegungen, Stimmen, Geräusche. Ein Lesegenuss, der im Grunde keine Handlung braucht, man möchte einfach nur Satz um Satz lesen. Aber das Buch hat eine Handlung und mit der hadere ich ein wenig. Gar nicht so sehr mit den Erkenntnissen, wie vielfältig Einsamkeit sein kann; seien es nun die beiden Jungen, die nicht zueinander finden, die Frauen ohne Männer, die im Krieg gefallen sind oder die junge Katherine, die nur noch auf den Tod wartet. Das sind alles sehr lohnenswerte Charaktere und Gedankengänge. Leider verfolgt man aber großteils die schlechte Ehe des ältlichen Ehepaares Hopper. Und das ist einfach nur ermüdend, wie die beiden - sich im Grunde überdrüssig - ankeifen, streiten, handgreiflich werden. Denn ein wirklicher Erkenntnisgewinn erfolgt daraus nicht. Mrs. Aitsch ist nämlich eine so furchtbar gezeichnete Person, ich persönlich würde es mit ihr als Ehefrau keine Woche aushalten. Übergriffig, besitzergreifend, rücksichtslos (die Szene wo sie morgens schon sinnlos plappert, während er einfach nur ein Stündchen lesen möchte - da kann jeder Booklover die Gereiztheit nachvollziehen 😅) und sie selbst kann nichts anderes, als immer darauf hinweisen, dass sie die ‚Frau von‘ ist. Warum, wieso, weshalb und OB er überhaupt Schuld ist, dass ihre Karriere nie stattfand, lässt der Roman völlig offen und am Ende war es mir dann auch ehrlich gesagt egal. Einzig die Vorstellung, dass die beiden noch 20 weitere Jahre in diesem Wrack von Ehe ausgehalten haben, ließ mich grausen. Wer sich also für hervorragende Stimmungsbeschreibungen begeistern kann und eine nachdenkenswerte, anspruchsvolle Sprache mag, wird hier fündig, ebenso wie alle Hopper-Begeisterten, die einen Blick in sein Schaffen haben möchten (am Ende steht dann auch die Fertigstellung eines seiner bekanntesten Bilder). Für eine differenzierte und bereichernde Auseinandersetzung mit langjährigen Beziehungen und dem Alter gibt es bessere Bücher.





