8. Jan.
Rating:3.5

Porträt einer schwierigen Ehe

Es ist Sommer auf Cape Cod, wo der Waisenjunge Michael die Ferien bei einer wohlhabenden Frau und deren Enkel verbringen soll. Doch Freundschaft schließt er nicht mit dem gleichaltrigen Jungen, sondern mit einem älteren Künstlerehepaar … ‚Schmales Land‘ hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Zum einen kann ich absolut in die Lobeshymnen einstimmen: was für eine Sprache, was für ein Stil! Christine Dwyer Hickey schafft mit ihren Worten Sätze und Stimmungen, die Edward Hoppers Bilder (denn um ihn und seine Frau Josephine handelt es sich bei dem Ehepaar Aitsch) im Kopf heraufbeschwören - das Licht, die Einsamkeit, die Melancholie. Das ist stellenweise fast atemberaubend, wie einzelne Sequenzen vor Augen entstehen, sich dann auflösen in Bewegungen, Stimmen, Geräusche. Ein Lesegenuss, der im Grunde keine Handlung braucht, man möchte einfach nur Satz um Satz lesen. Aber das Buch hat eine Handlung und mit der hadere ich ein wenig. Gar nicht so sehr mit den Erkenntnissen, wie vielfältig Einsamkeit sein kann; seien es nun die beiden Jungen, die nicht zueinander finden, die Frauen ohne Männer, die im Krieg gefallen sind oder die junge Katherine, die nur noch auf den Tod wartet. Das sind alles sehr lohnenswerte Charaktere und Gedankengänge. Leider verfolgt man aber großteils die schlechte Ehe des ältlichen Ehepaares Hopper. Und das ist einfach nur ermüdend, wie die beiden - sich im Grunde überdrüssig - ankeifen, streiten, handgreiflich werden. Denn ein wirklicher Erkenntnisgewinn erfolgt daraus nicht. Mrs. Aitsch ist nämlich eine so furchtbar gezeichnete Person, ich persönlich würde es mit ihr als Ehefrau keine Woche aushalten. Übergriffig, besitzergreifend, rücksichtslos (die Szene wo sie morgens schon sinnlos plappert, während er einfach nur ein Stündchen lesen möchte - da kann jeder Booklover die Gereiztheit nachvollziehen 😅) und sie selbst kann nichts anderes, als immer darauf hinweisen, dass sie die ‚Frau von‘ ist. Warum, wieso, weshalb und OB er überhaupt Schuld ist, dass ihre Karriere nie stattfand, lässt der Roman völlig offen und am Ende war es mir dann auch ehrlich gesagt egal. Einzig die Vorstellung, dass die beiden noch 20 weitere Jahre in diesem Wrack von Ehe ausgehalten haben, ließ mich grausen. Wer sich also für hervorragende Stimmungsbeschreibungen begeistern kann und eine nachdenkenswerte, anspruchsvolle Sprache mag, wird hier fündig, ebenso wie alle Hopper-Begeisterten, die einen Blick in sein Schaffen haben möchten (am Ende steht dann auch die Fertigstellung eines seiner bekanntesten Bilder). Für eine differenzierte und bereichernde Auseinandersetzung mit langjährigen Beziehungen und dem Alter gibt es bessere Bücher.

Schmales Land
Schmales Landby Christine Dwyer HickeyUnionsverlag
16. Juli
Fernweh und verschenkte Leben
Rating:4

Fernweh und verschenkte Leben

Bildlich und melancholisch wie selten. Die Auswahl und Fülle der Worte ist wunderschön gewählt, auch toll übersetzt. Die weibliche Hauptfigur „Mrs. H“ (Josephine Hopper) ist nicht nur dir Ehefrau von Künstler Edward Hopper, sondern auch in einer Zeit und Ehe festgefahren, der sie schon längst vorauseilt. Das ist schmerzlich und so real. Es hat mich etwas irritiert zurückgelassen und trotzdem hat es mir sehr gefallen.

Schmales Land
Schmales Landby Christine Dwyer HickeyUnionsverlag
5. Mai
Rating:4

“Schmales Land” ist ein stiller, atmosphärisch dichter Stimmungsroman - ein literarisches Pendant zu Edward Hoppers “Sea Watchers”, das Gemälde, das nicht zufällig das Cover dieses ganz und gar besonderen Romans ziert. Im Zentrum der Geschichte stehen der Maler Edward Hopper und seine Frau Josephine, deren schwierige, von Konkurrenz, Frustration und tiefer Verbundenheit geprägte Ehe einen zentralen Erzählstrang bildet. Während Edward mit einer kreativen Krise ringt, kämpft Josephine um Selbstbehauptung und Sichtbarkeit – als Frau, als Künstlerin, als Mensch. Ein weiterer Blickwinkel eröffnet sich durch den jungen Michael, einen deutschen Kriegswaisen, der im Rahmen des amerikanischen Adoptionsprogramms des Präsidenten Truman in Amerika eine neue Heimat gefunden hat und den Sommer ebenfalls in Cape Cod verbringt, wo er das Ehepaar Hopper kennen und lieben lernt. Ruhig und völlig unprätentiös erzählt Dwyer Hickey viele Szenen aus wechselnden Blickwinkeln – teils werden dieselben Situationen aus der Sicht verschiedener Personen geschildert. So erhält die Geschichte eine komplexe Vielschichtigkeit und schärft den Blick für die subtile Psychologie der Figuren - ganz wie sie auch in Hoppers Werken zu finden ist. „Schmales Land“ verzichtet dabei bewusst auf einen dramatischen Spannungsbogen. Vielmehr besticht es durch das ruhige Erzähltempo, das den Leser mitnimmt in den Spätsommer auf Cape Cod im Amerika der 50er Jahre. Wie die Gemälde Edward Hoppers durchzieht auch diesen Roman eine tief empfundene Atmosphäre von Einsamkeit und Isolation. Die Figuren sind voneinander getrennt, selbst im gemeinsamen Raum, und bleiben oft in ihren inneren Monologen gefangen – eine stille, aber eindringliche Parallele zur Bildsprache Hoppers. Auch wenn ich verhältnismäßig lange an dem Buch gelesen habe, weil es meine volle Aufmerksamkeit beansprucht hat, hat es mich nachhaltig tief beeindruckt. Es ist ein sehr besonderer Roman, von großer schriftstellerischer Stärke - und ein Roman, der nachhallt – wie das Licht in einem Hopper-Gemälde.

Schmales Land
Schmales Landby Christine Dwyer HickeyUnionsverlag
11. März
Rating:4.5

" Ein Buch über Einsamkeit, über Momente des Glücks, über Meer, über Nähe, über Ruhm und die Schattenseiten des Ruhms. Ein freundliches, friedliches Buch" Elke Heidenreich

Dieser Rezension schließe ich mich ausnahmslos an. Es ist so leise, ruhig und künstlerischen in der Sprache. Unaufgeregt wird einerseits die Geschichte des deutschen Jungen Michael erzählt, der seine Ferien bei Familie Kaplan an der Küste verbringt. Dieser kriegsgeschädigte Junge freundet sich mit Mrs Aitch an. Eine Frau, die im Schatten des berühmten Mannes lebt und leidet. Inhaltlich ist diese Geschichte sehr emotional und berührend. Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten mit der Sprache der Autorin. Für dieses Buch muss man sich Zeit nehmen, dann lohnt es sich. Danke für die Empfehlung!

Schmales Land
Schmales Landby Christine Dwyer HickeyUnionsverlag
25. Jan.
Rating:5

Das Buch, das kaum einer kennt.

Ich lasse mir auf Reisen willkürlich Bücher empfehlen und mich dann überraschen. Dieses Buch ist mir in der Fontane Stadt Neuruppin empfohlen worden. Danach wurde es noch im einem Dtv Podcast erwähnt und das war es.. nie gesehen- keine Rezi hier und dabei ist es echt gut! Ein dt. Waisenjunge wurde nach dem 2. Weltkrieg von einer Organisation nach Amerika gebracht. Die haben f d Kinder Familien für einen Neustart gesucht . Beschrieben wird (s)ein Sommer auf Cape Cod. Alle Charaktere werden so fein beschrieben, wie sie in einem Moment so fürchterlich und dann wieder wundervoll sein können. Er lernt dort unter anderem das Ehepaar Hopper (den Maler) kennen und lieben. Die Geschichte ist wie ein ruhiges Meer und manchmal brandet es auf. Beispielsweise: Seine Adoptivmutter meint: hast du schon mal solch ein Klappergestell (sie beschreibt einfach eine schlanke Frau) gesehen und er denkt an die Menschen im Krieg, die nur noch Schatten waren. Davon kann er aber nicht erzählen. Klappentext: Mit dem unaufhaltsamen Sog des Meeres zieht der Roman in seinen Bann, immer und immer wieder. Wer schon mal an der Ostküste war, wird sich an die Stimmung erinnern 😊.

Schmales Land
Schmales Landby Christine Dwyer HickeyUnionsverlag