
Mehr Gesellschaftsroman und historischer Roman, als Krimi
Beim Lesen des Buches merkt man schon recht schnell, dass "Anständige Leute" von Leonardo Padura kein Kriminalroman im eigentlichen Sinne ist. Vielmehr würde ich sagen, dass es ein Gesellschaftsroman ist, in dem auch historische Ereignisse erzählt werden und im Rahmen dessen ein Kriminalfall gelöst wird. In der Handlung und den Ausführungen steht ganz klar die Beschreibung der kubanischen Gesellschaft im Vordergrund. Hierbei geht es um die Hoffnungen, die manche im Besuch von Obama und den Rolling Stones sehen, aber auch darum, welche gesellschaftlichen Unterschiede es zwischen den verschiedenen Schichten gibt. Die Beschreibungen im Buch sind sehr detailliert und an einigen Stellen auch anspruchsvoll zu lesen. Zu Conde, der Hauptperson im Buch, kann man eine gute Beziehung aufbauen, auch wenn er von seinem Charakter durchaus speziell ist. Durch die Rückblicke in die Geschichte von 1909 und 1910 und auch die Beschreibung der Gesellschaft in Kuba wird die Aufklärung des Falls immer wieder unterbrochen. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich nicht so gut an der eigentlichen Kriminalhandlung dranbleiben konnte und mich das Buch auch nicht zu 100 % mitgerissen hat. Die Lösung des Falls ist überraschend, man ahnt erst spät, dass es in diese Richtung gehen kann. Bei der Auflösung erfährt man dann auch, wie der aktuelle Mord mit den Morden in den Jahren 1909/1910 zusammenhängt. Alles in allem ist "Anständige Leute" vor allem für seine gesellschaftliche Beschreibung von Kuba interessant und lesenswert. (Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar)
