
💰⚖️ Wenn die Wahrheit keine Chance hat
„Blutige Steine“ ist einer der politischsten Brunetti-Romane, die ich bisher gelesen habe. Der eigentliche Mordfall ist spannend, aber schnell wird klar, dass es um deutlich mehr geht. Donna Leon beschäftigt sich mit Vorurteilen, Ausgrenzung, Macht, Geld und der Frage, wie viel ein Menschenleben wert ist, wenn wirtschaftliche Interessen ins Spiel kommen. Was mir gut gefallen hat, ist die Atmosphäre. Die Ermittlungen entwickeln sich Stück für Stück, ohne große Action oder künstliche Wendungen. Stattdessen folgt man Brunetti bei der Suche nach Antworten und merkt immer wieder, dass hinter den Fakten Menschen stehen. Eine Szene zwischen Paola und ihrer Tochter Chiara ist mir dabei lange im Gedächtnis geblieben, weil sie zeigt, wie schnell Menschen auf Herkunft oder gesellschaftlichen Status reduziert werden. Das Ende hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen – nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es frustrierend ist. Genau diese Frustration passt aber zur Geschichte und hat mich noch eine Weile beschäftigt. Wer einen klassischen Krimi sucht, in dem am Ende alles sauber aufgelöst wird, könnte damit Schwierigkeiten haben. Wer politische Krimis mit starken gesellschaftlichen Themen mag, sollte Blutige Steine eine Chance geben.





