Nothomb schafft eine andere Sichtweise auf das Leiden und Sterben Jesu, aber auch auf sein Leben. Egal ob gläubig oder nicht, es eröffnet neue Perspektiven auf alteingesessene Geschichten der Bibel.
Amélie Nothomb schafft es immer mit ihrer sprachlichen Eleganz und Präzision die Lesenden in den Bann zu ziehen. Leider entspricht „Die Passion“ überhaupt nicht meinem Interessensgebiet. Wir begleiten Jesus während seiner letzten Stunden. Von der Verurteilung, über seinen Kreuzigungsweg bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung. Es war interessant diese „Blickweise“ auf die Bibelgeschichte zu werfen. Gerade für Kritiker der Evangelien ist das interessant. Was hat Jesus „wirklich“ gedacht? War für ihn sein Leben genauso wunder - und wirkungsvoll, wie es die Bibel darstellt? Natürlich hat Nothomb keine Zeitzeugenberichte oder Ähnliches. Doch sie zeichnet das Leben Christi nach aus dessen Perspektive. Auch der Umgang mit dem (eigenen) Tod ist ein wichtiges Element. Für mich ist es eines der Werke, die ich mir in der Schulzeit im Religionsunterricht gewünscht hätte. Denn Zweifeln am Glauben ist normal und gut. Auch Jesus hat gezweifelt. Auch Jesus war ein Mensch mit menschlichen Gefühlen und Reaktionen. Trotzdem ist es für mich als nicht-gläubige Person eher eine Geschichte gewesen, die nie so stattgefunden hat. Aber die Weisheiten des Textes können für alle gelten, egal was sie glauben oder eben nicht.









