Oh von Philippe Djian lässt mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Der Einstieg fiel mir schwer – nicht zuletzt wegen der fehlenden Kapitelstruktur, die die Erzählung wie einen ununterbrochenen Strom wirken lässt, in dem eine Szene nahtlos in die nächste übergeht. Was mich jedoch am meisten irritiert und auch verärgert hat, war der Umgang mit der Vergewaltigung der Protagonistin Michèle. Dass sie, nachdem sie mehrfach Opfer von Übergriffen wurde – zunächst ohne zu wissen, wer der Täter ist –, ausgerechnet mit eben diesem Mann später eine Affäre beginnt, war für mich nicht nachvollziehbar. In Anbetracht ihrer anfänglichen Angst wirkte diese Entwicklung verstörend und realitätsfern. Dass diese Geschichte aus der Feder eines männlichen Autors stammt, machte diese Wendung für mich umso fragwürdiger. Auch abgesehen davon konnte ich mit der Hauptfigur keine wirkliche Verbindung aufbauen. Michèle blieb mir fremd – vor allem wegen ihres egozentrischen Verhaltens gegenüber ihrem Umfeld. Die Affäre mit dem Ehemann ihrer besten Freundin und Geschäftspartnerin war ein weiterer Punkt, der mich fassungslos machte. Dennoch muss ich sagen, dass die Nebenfiguren durchaus interessant gezeichnet waren – komplex, fehlerhaft, menschlich. Der Plottwist gegen Ende hat mich positiv überrascht und war einer der stärkeren Momente des Romans. Trotzdem überwiegt für mich die Absurdität, die ich beim Lesen oft verspürte.
3. JuliJul 3, 2025
Oh...by Philippe DjianDiogenes
