„Quecksilber“ ist ein eigenwilliges Stück Literatur, das mit einem Minimum an Mitteln eine maximale Wirkung erzielt und dabei nachhallt wie ein Windstoß in einer stillen Kammer.
Die Geschichte entfaltet sich mit einer fast unheimlichen Schlichtheit, überwiegend erzählt durch ein dichtes Netz aus Dialogen, die ohne Umschweife auf den Punkt kommen. Diese einfache Sprache bildet einen faszinierenden Kontrast zu den brodelnden Emotionen, die sich darunter zu verbergen scheinen.
Das Setting, ein Haus auf einer fast hermetisch abgeriegelten Insel, verstärkt das beklemmende Gefühl. Nur drei Charaktere agieren in einem Geflecht aus Halbwahrheiten, das eine konstante Unsicherheit erzeugt und mich ständig im Unklaren ließ, wem ich trauen konnte.
Beim Lesen konnte ich mich der Frage nicht entziehen: Wann schlägt Leidenschaft in Wahnsinn um?
Das Buch behandelt ein sehr gewöhnungsbedürftiges Thema. Auch wenn das einer der Merkmale aller Geschichten von Amelie Nothomb ist, war diese besonders seltsam. Gefangenschaft, Stockholm Syndrom, Selbstmord und ein leichter Schreibstil ist eine doch etwas ungewöhnliche Kombination. Dazu kommt noch, dass das Buch zwei verschiedene Enden hat.
Die Geschichte war für mich ziemlich verwirrend und ich glaube, dafür musste man in der richtigen Stimmung sein. Ich war’s nicht.
Dieses Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Vorab: auch wenn ich länger gebraucht habe zum Lesen, hat mir der Schreibstil gut gefallen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich mehr von ihr lesen werde. Ich glaube, dass das Thema einfach nicht meins war. Ich mochte den Einstieg: eine Krankenschwester wird auf eine Insel gerufen, dort lebt nur ein alter Mann mit einer wesentlich jüngeren Dame. Und dort nimmt dann alles seinen Lauf.
Ich fand die Unterhaltungen teilweise sehr anstrengend. Die Wendungen fand ich interessant, aber insgesamt wurde ich mit der Story einfach nicht so wirklich warm. Ich glaube diese Thematik, die Streitthemen und die Wendungen waren nicht so meins. Aber eins muss man anmerken: die Autorin konnte sich nicht entscheiden und hat 2 Enden reingepackt. Das fand ich total spannend und hat mir sehr gefallen. Ein Stilmittel, welches ich, glaube ich, noch nie so hatte. Ich weiß auch nicht welches Ende ich mehr mochte, wenn ich ehrlich bin 😄
Kann man definitiv machen, hat mein Interesse für die Autorin geweckt, das Buch war aber kein Highlight
„Quecksilber“ von Amelie Nothomb ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Thematisch fand ich das Buch schon unheimlich interessant und umso beeindruckter war ich, was sich hinter dem vom Diogenes Verlag optisch doch eher schlichten Buch versteckte. Amelie Nothomb verpackt auf wenigen Seiten so viel furchtbares, zerstörerisches und doch erzählt sie auch von Freundschaft und Liebe. Gepaart aber immer mit einem begleitenden Schatten, den man bis zuletzt nicht los wird. Auf den Inhalt möchte ich auch gar nicht weiter eingehen, denn der Klapptext beschreibt diesen thematisch schon ganz gut und alles andere sollte man einfach selbst miterleben, indem man das Buch liest. Neben dem wie ich finde doch einfachen und nüchternen aber gleichzeitig besonderen Schreibstil der Autorin hat dieses Buch die Besonderheit, das es zwei Enden hat. Das habe ich bisher noch nie so erlebt und fand es insgesamt am Ende ein wirklich wichtiges Detail für diese Geschichte, denn diese ist so verstrickt, dass es nicht nur ein Ende geben kann finde ich.
Fazit: Ein tolles und eindringliches Buch und sicher nicht das letzte, das ich von der Autorin gelesen habe!
Irgendwann hatte ich mir mal einen Schwung gebrauchter Taschenbücher von Amélie Nothomb zugelegt, weil mich ihre französisch beschwingte und oft ebenso skurrile wie ernsthafte Schreibweise schon mehrfach begeistern konnte. Darauf hoffte ich natürlich auch, als ich kürzlich eher wahllos ihren knapp 176 Seiten starken Roman „Quecksilber“ aus diesem Bücherstapel herauszog. Und konnte mich darüber freuen, dass ich mit diesem Buch ein weiteres Highlight der Autorin für mich entdecken durfte.
Amélie Nothomb nimmt die Leser mit in das Jahr 1923 auf die fiktive Insel Mortes-Frontières. Dort lebt der 76jährige Kapitän Loncours mit seiner 22jährigen Ziehtochter Hazel, seitdem diese vor fünf Jahren bei einem Bombenangriff nicht nur ihre Familie verlor, sondern seitdem auch mit ihrem entstellten Gesicht zurecht kommen muss. Die Fenster des Hauses sind so hoch angebracht, dass sie dort nicht hinaussehen, sich jedoch vor allem nicht in den Fensterscheiben selbst sehen kann. Im ganzen Haus gibt es weder Spiegel noch irgendwelche reflektierenden Flächen. Als Hazel schließlich erkrankt, holt der Kapitän die Krankenschwester Francoise auf die Insel, die hinter ein fürchterliches Geheimnis kommt.
Im Klappentext wird dieses Buch als phantastischer philosophischer Thriller über Freundschaft, Liebe und deren Grenzen bezeichnet. Und tatsächlich folgt man hier einer spannenden Geschichte mit unterschiedlichen Wendungen, die auch einen Blick auf die Stellung der Frau zu dieser Zeit blicken lässt und die Figuren neben anderem über Schönheit und den Wert von Schönheit philosophieren lässt. Schnell erfährt man mehr über die Komplexität der Charaktere, denen man in gekonnten Dialogen folgt, in denen sie in Wortgefechten ihre Beweggründe und ihr Innerstes offenbaren. Der Schlagabtausch treibt einen durchs Buch und verursacht gelegentlich auch Empörung beim Lesen. Es folgt ein Ende, das zu einem leicht skurrilen Abschluss der Geschichte führt und mich als nicht nur zufriedene, sondern auch begeisterte Leserin eines weiteren Romans von Amélie Nothomb zurückgelassen hätte.
Dann jedoch folgt eine Anmerkung der Autorin, in der sie offenbart, dass sie nach dem ersten Schluss die Notwendigkeit verspürte, noch einen anderen aufzuschreiben und sich letzten Endes nicht für einen entscheiden konnte. Also präsentiert sie ihren Lesern danach einfach zusätzlich einen anderen Ausgang der Geschichte. Und so offenbart sich dieses kurze schnelle Buch als eine Art Wundertüte, die auf relativ wenigen Seiten doch so viel Überraschendes zu bieten hat.
Nach meiner offenkundigen Begeisterung für "Im Namen des Lexikons" habe ich nun "Quecksilber" gelesen. Und meine Begeisterung war ebenso groß (vielleicht sogar größer) als nach erstgenanntem. In "Quecksilber" wird die Geschichte der jungen Hazel erzählt, die mit einem alten Kapitän, von der Außenwelt abgeschottet, auf einer Insel lebt. Diese will (und darf?) sie nicht verlassen. Durch eine kleine Krankheit bekommt sie Betreuung und Besuch einer Krankenschwester. Diese beginnt Schritt für Schritt Hazels Geschichte aufzurollen. Von der "Adoption" Hazels in den Kriegswirren, durch den Kapitän (Hazel überlebt einen Bombenangriff, der Kapitän findet sie und nimmt sie wegen der Entstellung ihres Gesichts mit auf die Insel, fern von Spiegeln, sodass sie den Anblick nicht ertragen muss), von der Überwachunslust und -sucht des Kapitäns, von einer ebenfalls jungen Frau die vor Hazeln mit dem Kapitän die Insel bewohnte usw. Relativ schnell wird dem Leser klar das etwas nicht richtig sein kann. Handelt es sich nun um Liebe? Vergewaltigung? Zwang? Untergebenheit? Welche menschlichen Abgründe können sich zwischen Menschen befinden? Wie kann man den anderen zum Bleiben zwingen? Was kann einen Lüge bewirken? Was ist Schönheit und was bewirkt sie beim Betrachter?
Als die Krankenschwester dann versucht Hazel zu retten, gerät sie selbst in die Fänge des Kapitäns und der Insel. Doch sie entwirft einen tollkühnen Plan...Und wer sich nun frag wie die GEschichte endet den muss ich enttäuschen. Nich nur das es sich nicht ziemt ein Ende zu verraten, nein, dieses Buch ist mit zwei alternativen Enden ausgestattet. Und man versteht genau warum sich Amélie Nothomb für keines entscheiden konnte...
Sehr lohnenswert, sehr intensiv!