Nur gehässig
Wir mögen das japanische Arbeits-System verstehen. Das ist aber kein Grund, dieses lächerlich zu machen und abzurechnen. Eine Kündigung und Heimkehr hätte ihr besser gestanden.
Nur gehässig
Wir mögen das japanische Arbeits-System verstehen. Das ist aber kein Grund, dieses lächerlich zu machen und abzurechnen. Eine Kündigung und Heimkehr hätte ihr besser gestanden.

Sehr überraschend tiefgründiger Roman mit einer Menge Humor ❤️
- Bücherschrankfund - Das Buch war für mich eine große Überraschung. Es ging hier viel um Rassimus gegen Weiße in Japan, um Sexismus und um veraltete und schädliche Regeln und Bräuche in der japanischen Arbeitswelt in den 90er Jahren. Es werden oft die Themen Hierachie, Erniedrigung und der Fakt, dass es einem nicht erlaubt ist, gegen Unrecht zu widersprechen besprochen. Vieles ist dort nicht so, wie es für sie zuerst den Anschein hat. Ich hatte so viel Mitleid mit ihr, denn egal was sie gemacht hat, nichts konnte sie richtig machen. Alles war falsch und aus falschen Absichten geschehen laut ihrer Vorgesetzten. Ich fand das Buch wahnsinnig spannend und konnte es kaum aus der Hand legen, gerade nach der Hälfte hat es richtig an Schwung aufgenommen. Das Thema hallt sehr nach und man bleibt zurück mit der Frage "wie viel hat sich bis heute wirklich geändert und ist das alles dort nicht heute noch immer so?" Ich war wirklich froh, dass das Buch so humorvoll geschrieben war, so war es definitiv leichter zu verdauen 😅 Fazit: Ein ganz toller Roman für alle, die Japan oder Feminismus etwas abgewinnen können ❤️ Zum Schluss noch eins meiner Lieblingszitate: "Wie allgemein bekannt, ist Japan das Land mit der höchsten Suizidquote. Mich wundert daran nur, dass die Selbsttötung nicht noch häufiger ist." 💔
Wieder wunderbar geschrieben und erzählt. Mit einem Augenzwinkern und viel Humor wird gezeigt wie die japanische Firmenwelt in den 90er funktioniert. Stellt sich die Frage: Ob es heute auch noch so ist?
Auch dieses Buch ist ein typisches Werk von Amélie Nothomb, geht sie doch an ihr Thema auf eine ungewöhnliche Art und Weise heran. Der autobiographische Roman erzählt von Nothombs Erlebnissen, nachdem sie als junge Frau in das Land ihrer Kindheit, Japan, zurückkehrt. Sie ist gut ausgebildet, motiviert und interessiert. Doch die japanische Firma, in der sie angestellt wird, stellt sich als kleine Vorhölle heraus. Doch anstatt frustriert zu sein, erzählt die Autorin ihre Geschichte mit sehr viel Humor und Selbstironie. Dabei durchleuchtet sie die japanische Gesellschaft und ihre Arbeitsmoral mit ihrem Röntgenblick. Immer absurder werden ihre Erlebnisse, immer wirrer das Ganze. Nothombs Sprache ist auch hier gewohnt präzise, knapp, karg. Sehr japanisch eigentlich. Reduziert bis auf das, was es schlussendlich braucht. Die Tiefe liegt zwischen den Zeilen, aber dort geht es dann auch rasant abwärts. Was man aber stets herausspürt: Dass die Autorin Japan nichtsdestotrotz liebt. Sie erlebt Unglaubliches, doch nichts davon wirft sie den Japanern vor. Eher im Gegenteil - ihre Faszination scheint zu wachsen und wie wir aus ihren weiteren Büchern erfahren, hat sie dieses Land niemals aufgegeben.
Ein weiteres Amélie Nothomb Buch! Und was für eins! ❤ Amélie erzählt von ihrer Rückkehr nach Japan, wo sie nach dem Studium (gibt es über diese Zeit auch einen Roman?) ihren ersten Job bekommt – als Dolmetscherin in einem riesigen Unternehmen. Doch was sie letztendlich für Arbeiten erledigen muss, grenzt an Quälerei – so nötigt sie einer Ihrer Vorgesetzten doch, immer wieder einen Stapel Papiere neu zu kopieren, weil diese nicht ordentlich zentriert seien. Sie verrückt die Kalendermarker im gesamten Büro, sorgt dafür, dass jeder seinen bevorzugten Kaffee zur bevorzugten Uhrzeit bekommt, und am Ende landet sie sogar beim Toilettenputzen. Doch so sei das nun mal in Japan, wie sie nicht müde wird zu erzählen. Alle werden von den Gepflogenheiten der japanischen Kultur dazu genötigt, sich klein zu machen, bloß nicht selbständig zu handeln, Ehre und Ordnung sind alles. "Die Tage verstrichen, und noch immer war ich zu nichts nütze. […] An meinem Schreibtisch sitzend, las und las ich immer von neuem die Schriftstücke, die Fubuki mir [am ersten Tag] zur Verfügung gestellt hatte. […] An und für sich hatten diese [Schriftstücke] nichts wirklich Faszinierendes. Aber für den Ausgehungerten wird schon eine Brotrinde zur Delikatesse: In dem Zustand untätiger Entkräftung, in dem mein Gehirn sich befand, schien mir diese Liste vor Spannung zu knistern wie ein Skandalmagazin." Mit ihrem typischen Erzählstil berichtet Nothomb in „Mit Staunen und Zittern“, wie sie sich mit ihren jungen Jahren in ihre Heimat zurückgezogen hat und dort mit den Umgangsformen, Gebräuchlichkeiten und kulturellen Eigenheiten in ihrem Berufsumfeld klarkommen muss. Amélie, frech wie immer, versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie sich immer neue Tätigkeiten auf der Arbeit sucht, damit niemandem auffällt, dass sie eigentlich fürs Nichtstun bezahlt wird. Da ihr, eingestellt als Dolmetscherin, verboten wurde, Japanisch zu reden, ja sogar zu verstehen, bleibt ihr nichts anderes übrig, als kleine Tätigkeiten zu machen, um sich aber doch noch als würdig zu erweisen. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com
Amelie Nothomb- kurz, bissig, geistreich, skuril, humorvoll ; hier: Japan
Vor einiger Zeit erwarb ich gebraucht einen kleinen Stapel Taschenbücher von Amélie Nothomb. Was ich bisher von ihr las, war kurzweilig, überraschend und auf seine Weise besonders. So etwas erhoffte ich mir auch von „Mit Staunen und Zittern“, das ich mehr oder weniger blind aus diesem kleinen Bücherstapel herausgriff. Ich wurde nicht enttäuscht. Amélie Nothomb verbrachte als Tochter des belgischen Diplomaten Baron Patrick Nothomb ihre ersten fünf Lebensjahre in Japan. Nach weiteren durch den Beruf des Vaters bedingten langjährigen Aufenthalten in China, New York, Burma und Laos kam sie im Alter von 17 Jahren erstmals nach Europa. Sie studierte Romanistik an der Université Libre de Bruxelles. Nach dem Abschluss kehrte sie nach Tokio zurück und arbeitete in einem Großunternehmen. Die Erfahrungen dieser Zeit dienten ihr später als Grundlage für ihren Roman „Mit Staunen und Zittern“. Für das bereits 1999 erschienene Werk erhielt die Autorin den „Grand Prix du Roman“ der Académie française. Im Jahr 2000 erschien im Diogenes Verlag eine Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Krege. 2003 erfolgte eine Verfilmung des Romans durch den Regisseur Alain Corneau. Die Komödie entstand als französisch-japanische Koproduktion. In diesem Roman erhält die Europäerin Amélie, die ihre Kindheit in Japan verbracht hat, eine Anstellung in einem großen japanischen Unternehmen. Sie wird jedoch von den ihr zugewiesenen Aufgaben nicht ausgefüllt. Ihr nach japanischen Maßstäben unorthodoxes Verhalten führt, nach einem Intrigenspiel ihrer Vorgesetzten, zu Amélies „Degradierung“ zur Toilettenfrau. Andere Angestellte des Unternehmens solidarisieren sich jedoch mit ihr, und sie lernt, die gegen sie gerichteten Bösartigkeiten mit Humor zu durchbrechen. Es handelt sich um übles Mobbing, allerdings auf japanische Art, von dem man sich fragt, wie die Protagonistin dies aushält. Aber sie schafft es und gleichzeitig erfährt man von gesellschaftlichen und kulturellen Zwängen sowie firmeninternen Strukturen in denen die Menschen so sehr gefangen sind, dass sie sich kaum herauswinden können. Über einiges stolperte ich bereits in anderen Büchern, so dass mir beim Lesen dessen, was die Autorin hier humorvoll und überspitzt darstellt, das Lachen eher im Halse stecken blieb. Denn genaugenommen sind die Täter in diesem Roman auch nur Opfer und glücklich kann sich schätzen, wer über den Dingen stehen kann, weil er sich von Erfolgsdruck frei machen kann und die Möglichkeit hat, andere Wege zu gehen. Eine bitterböse Japan-Satire, deren autobiographischer Touch beim Lesen unweigerlich die Frage aufwirft, was davon die Autorin tatsächlich erduldet hat.