27. März
Rating:1

Exzess, Egomanie und ein bisschen gar nichts – oder: Warum ich „Betty Blue“ nicht zu Ende gelesen hab 🥀 🚬📉

Betty steht plötzlich mit zwei Koffern vor der Tür des Ich-Erzählers, eines verkrachten Schriftstellers und Aushilfshandwerkers. Die beiden kennen sich erst eine Woche, aber sie ziehen sofort zusammen, leben im Süden Frankreichs ein Leben zwischen Alkohol, Strand und Bettsport, irgendwo zwischen Liebe und Wahnsinn. Doch schon bald bröckelt die Fassade: Betty wird zunehmend unberechenbar, impulsiv, gewalttätig. Der Ich-Erzähler versucht, die Kontrolle zu behalten – über Betty, über sich selbst, über das Leben. Aber wie so oft bei solchen Paaren geht es nur noch bergab. Die Geschichte will intensiv sein, wild und tragisch – am Ende ist sie vor allem eines: nervig. Ich hab’s nochmal versucht. Nach „Marlène“ mein zweiter Versuch mit Djian. Diesmal „Betty Blue“, sein angeblicher Kultroman. Angeblich. Ich war offen. Immerhin: 80er-Feeling, südfranzösische Hitze, ein Schriftsteller, der keiner ist, eine Frau, die durchs Leben explodiert. Hätte was werden können. Wurde es aber nicht. Der Einstieg? Zäh. Kein Plot in Sicht, dafür viel Atmosphäre. Und zwar die Sorte, bei der man sich fragt: Ist das jetzt bedeutungsschwanger oder einfach nur leer? Djian schreibt ohne wörtliche Rede, mit einem Ich-Erzähler, der sich für Bukowski hält, aber leider nicht annähernd so viel drauf hat. Sprachlich will’s cool, schroff, melancholisch sein – kommt aber vor allem selbstverliebt und redundant rüber. Viel Gerauches, Gefluche und Geficke, aber null Substanz. Hätte Hunter S. Thompson diese Geschichte geschrieben, wäre sie vielleicht lesbar gewesen. So aber: anstrengend, belanglos, ermüdend. Betty, das titelgebende “blaue Wunder”, bleibt eine Projektion – so eine Art feuchter Männertraum auf Speed. Rastlos, schön, gefährlich. Muss reichen als Charaktertiefe. Ihr Wahnsinn, ihre Überdrehtheit – alles wirkt gewollt, aber nicht gefühlt. Und der Ich-Erzähler? Lamentiert vor sich hin, dreht sich im Kreis, ist mal fasziniert, mal genervt, aber immer komplett unreflektiert. Die große Liebe, die tiefe Verzweiflung – ich hab sie leider nirgends gespürt. Nur Hitze, Schweiß und leere Phrasen. Ich hab’s nach weniger als 100 Seiten abgebrochen. War nicht mein erstes Buch von Djian, aber mit Sicherheit mein letztes. Das kommt jetzt in den öffentlichen Bücherschrank – vielleicht findet sich ja jemand, der diesen Stil feiert. Ich leider nicht. ⭐️

Betty Blue
Betty Blueby Philippe DjianDiogenes
21. Jan.
Rating:4

Intensiv, spannend und zum Nachdenken anregend 😃👍🏻

Ein intensiver Roman über eine leidenschaftliche, aber auch zerstörerische Liebe. Die Geschichte von Zorg und Betty entfaltet sich mit roher Ehrlichkeit und zeigt die Höhen und Tiefen einer außergewöhnlichen Beziehung. Mit seiner einzigartigen Sprache und tiefen Emotionalität hat mich das Buch in seinen Bann gezogen und ließ mich an manchen Stellen nachdenklich zurück. Ein moderner Klassiker, der die Extreme des menschlichen Gefühlslebens auf ergreifende Weise einfängt.

Betty Blue
Betty Blueby Philippe DjianDiogenes