Botschaft ist gut aber gute Sprachkenntnisse sind von Vorteil
Die Botschaft des Buches ist zwar tadellos, und es übt deutliche Kritik an der Gesellschaft – nicht nur an der damaligen, sondern auch über Ländergrenzen hinweg auf andere Gesellschaften übertragbar. Dennoch muss man sagen: Wer nicht über gute Deutschkenntnisse verfügt, insbesondere im Hinblick auf die Sprache des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts, wird mit diesem Buch Schwierigkeiten haben. Man greift beim Lesen vermutlich häufiger zum Duden als zum eigentlichen Text. Es ist definitiv eine der anspruchsvollsten Lektüren, die ich bisher gelesen habe. Noch schwieriger fand ich persönlich nur „Gefährliche Liebschaften“ – wobei das vielleicht auch an der Ausgabe lag, die ich hatte. Zur Geschichte selbst lässt sich sagen, dass sie außerordentlich ausgeklügelt ist: Ein Möchtegern-Unternehmer kommt in eine Stadt und versucht, sich im wahrsten Sinne des Wortes an Toten zu bereichern – er geht für seinen Erfolg sprichwörtlich über Leichen. Sein Plan besteht darin, tote Bauern zu erwerben, um sich als Großgrundbesitzer auszugeben und so große Kredite aufnehmen zu können, mit denen er sich ein Imperium aufbauen will. Am Ende scheitert dieses Vorhaben jedoch, und er verlässt die Stadt überstürzt. Das Buch enthält zahlreiche starke Figuren, die jeweils durch besonders ausgeprägte, oft niederträchtige Charaktereigenschaften auffallen. Dennoch bleibe ich bei meinem anfänglichen Urteil: Wer keine Lust hat, häufig Wörter nachzuschlagen oder sich generell mit älterem Sprachgebrauch schwer tut, dem würde ich dieses Buch nicht unbedingt empfehlen. Es gibt deutlich zugänglichere Werke – etwa die Petersburger Novellen von Gogol, die in einer moderneren Sprache verfasst sind und ebenfalls eindrucksvolle Botschaften vermitteln.


















