4. Mai
Rating:3

Erwartungen nicht erfüllt

Seid ihr schon einmal aus einer Laune heraus einfach immer weitergefahren, ohne Ziel, erst durch die Nacht, dann durch den Tag? Genau das macht die namenlose Protagonistin in Grüne Welle. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin verfährt sie sich zunächst wegen einer Umleitung. Diese Umleitung wird für den Anstoß, einfach nicht mehr stehen zu bleiben. Erst als ihr das Benzin ausgeht, nimmt die Handlung einen neuen Weg. Während die Frau, wie sie durchweg lediglich genannt wird, fährt, kreisen ihre Gedanken um ihr Leben. Schnell wird klar, dass in ihrer Beziehung nicht alles glatt läuft. Allein die Tatsache, dass sie ihren Kinobesuch vor ihrem Mann rechtfertigen muss, lässt aufhorchen. Zwischendurch wechselt die Perspektive, es wird aus Sicht des Mannes bzw. der Freundin (alle ebenfalls namenlos) erzählt. Meine Erwartungen an Grüne Welle waren recht hoch. Nach dem Lesen bin ich etwas ernüchtert. Für mich war in der Geschichte einiges nicht ganz stimmig, zu vieles musste ich auch zwischen den Zeilen herauslesen. Das finde ich an sich nicht schlimm, hier störte es mich aber. Gleichzeitig konnte ich das Verhalten der Frau nicht nachvollziehen (hier muss ich kurz Spoilern): Im Buch geht es um häusliche Gewalt. Die Frau scheint lediglich deshalb in der Beziehung zu bleiben, weil ihr Mann Geld hat und ihr so ihr Leben als Künstlerin ermöglicht. Für mich ist das nicht ganz stimmig.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
11. Apr.

Originelle Story 👌

Nach dem Kinoabend mit der einzigen Freundin, die ihr geblieben ist, gleitet sie in ihr Auto, als würde sie in eine vertraute Hülle zurückkehren. Der Motor springt an, die Straßen liegen still und offen vor ihr. Doch eine Umleitung, unscheinbar und doch endgültig, lenkt sie aus der gewohnten Bahn. Aus Abweichung wird Entfernung, aus Entfernung eine Bewegung ohne Ziel. Ausfahrt um Ausfahrt lässt sie hinter sich, während das Zuhause, in dem ihr Mann auf sie wartet, mit jedem Kilometer unwirklicher erscheint. Die Nacht zieht sich in die Länge, dehnt sich aus über Tankstellenlichter und dunkle Landstraßen, bis sie unmerklich in den nächsten Tag übergeht. Was zunächst wie ein Verirren wirkt, nimmt allmählich die Gestalt einer Entscheidung an. Es ist, als folgte sie einem leisen, längst vergessenen Impuls, der sie fortzieht. Nicht nur von einem Ort, sondern von einem Leben. Mit Mitte vierzig ist ihr Dasein zu einem Geflecht aus Routinen erstarrt, durchzogen von kleinen, ritualisierten Ausbrüchen wie dem monatlichen Kinobesuch. Doch diesmal bricht etwas auf. Die Straßen tragen sie weiter, fast widerstandslos, auf einer endlosen „grünen Welle“, durch Landschaften, die zugleich fremd und seltsam vertraut wirken. Und während sie fährt, verschiebt sich die Zeit: Die Gegenwart verliert an Gewicht, und Erinnerungen drängen sich in den Vordergrund. Leise, beharrlich und unausweichlich. Die Fahrt wird zur Flucht und zugleich zur Konfrontation, ein Übergang zwischen dem, was war, und dem, was noch sein könnte. Und je weiter sie sich entfernt, desto klarer wird: Vielleicht ist es nicht die Dunkelheit draußen, die sie fürchten muss. Vielleicht liegt das Unheimliche dort, wo sie herkommt. Der Roman verweigert sich eindeutigen Antworten, hält vieles bewusst in der Schwebe und genau darin liegt seine eigentümliche Anziehungskraft. Was er preisgibt, sind nur Splitter: Andeutungen, Bruchstücke eines Lebens, die sich nie ganz zu einem klaren Bild fügen. Wir erfahren, dass die Frau Künstlerin ist. Doch in ihrer Ehe hat sich ein Ungleichgewicht eingeschlichen, das längst zur stillen Ordnung geworden ist: Ihr Mann hat die Deutungshoheit übernommen, bestimmt die Regeln, die Grenzen, die Bewegungsräume. Die Konsequenzen davon bleiben oft unausgesprochen, zeigen sich eher in Leerstellen, in dem, was nicht mehr geschieht, nicht mehr gedacht, nicht mehr gewagt wird und an ihren blauen Flecken. Und dann ist da die Freundin, die einzige Konstante außerhalb dieses Gefüges. Ihre Begegnungen beschränken sich auf vereinzelte Kinoabende, die mit der Zeit immer seltener werden, als würden auch sie langsam ausdünnen, sich auflösen im Alltag. Diese Treffen tragen etwas Fragiles in sich, ein leises Festhalten an einer Verbindung, die vielleicht schon dabei ist, zu verblassen. So entsteht ein Geflecht aus Andeutungen und Zwischenräumen, in dem das Ungesagte lauter spricht als jedes klare Wort. Ausgesprochene Leseempfehlung für diesen originellen Roman!

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
31. März
Rating:3

Langsamer Start, der sich aber entpuppt

Anfangs dachte ich: das ist komisch geschrieben und spricht mich nicht an. Die ganze Zeit geht es um das Ungesagte zwischen dem Gesagten. Die Geschichte braucht etwa 100 Seiten um mich abzuholen. Anfangs fiel es mir schwer mich den unnahbaren Protagonisten zu nähern, dann klappt es bei „der Frau“ die erst spät eine Namen bekommt. Insgesamt eine ungewöhnliche Erzählweise, der ich irgendwann interessiert folgen konnte.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
30. März
Wenn die falsche Abfahrt plötzlich richtig wirkt
Rating:3.5

Wenn die falsche Abfahrt plötzlich richtig wirkt

Manchmal reicht eine falsche Abfahrt und plötzlich fühlt sich alles verdächtig richtig an. Genau so startet diese seltsame, ruhige, unterschwellig bedrohliche Fahrt durch die Nacht. Kein Tempo Thriller, kein Actionfeuerwerk. Stattdessen dieses langsame Wegdriften. Eine Frau fährt. Weiter. Und weiter. Und irgendwo zwischen Tankstellenlicht und schwarzer Landstraße merkt man selbst, wie sich im Kopf etwas löst. Was zuerst wie eine harmlose Umleitung wirkt, entwickelt schnell eine eigentümliche Sogwirkung. Diese Fahrt fühlt sich nicht wie Flucht an, sondern wie ein stilles Davonsickern. Kein großes Drama, kein lauter Knall. Nur Gedanken, Zweifel, Erinnerungen. Und dieses mulmige Gefühl, dass Zuhause vielleicht gar nicht der sichere Ort ist, den man sich eingeredet hat. Der Stil ist ruhig, fast kühl. Lange Gedankengänge, wenig äußere Handlung. Das kann packend sein, manchmal aber auch ein bisschen anstrengend. Es passiert nicht viel und trotzdem passiert die ganze Zeit etwas. Emotional arbeitet das Buch eher unter der Oberfläche. Kein Holzhammer, eher ein Druck im Bauch, der langsam stärker wird. Stark ist die Atmosphäre. Dunkle Straßen, leere Rastplätze, Gespräche, die sich anfühlen wie zufällige Begegnungen mit Bedeutung. Schwächer sind die Figuren. Man bleibt auf Distanz. Genau das ist vermutlich gewollt, nimmt aber auch etwas Wucht raus. Unterm Strich ein ungewöhnlicher Roadtrip im Kopf. Leise, unheimlich und stellenweise richtig gut. Aber auch sperrig und nicht immer greifbar. Kein Buch zum Durchrauschen, eher eins zum langsamen Mitrollen in der Nacht.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
26. März
Rating:4

Eine Frau nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin, ein Golf Rolling-Stones-Edition, eine Fahrt ohne konkretes Ziel – so lange die grüne Welle die Weiterfahrt nicht bremst. Zuhause wartet ein Mann auf sie; sollte sie also Bescheid geben, dass sie sich verspätet? Was würde er sagen? Wie würde er mit ihrer „Dummheit“, ihrer „Rücksichtslosigkeit“ umgehen? - er macht sich schließlich Sorgen! Doch na ja, der Akku ist ohnehin leer und die Ampeln weiterhin grün… Esther Schüttpelz nimmt uns Lesende mit auf einen Road Trip, der mehr von innerer Reflexion als von äußerer Spannung lebt. Wir begleiten die Protagonistin, die nur als „Frau“ benannt ist, auf ihrer Reise in ihre Vergangenheit und zugleich zu sich selbst. Was ist aus ihr geworden? Und welchen Anteil hat sie selbst daran, welchen ihr Mann? Warum verspürt sie den Drang, nicht umzukehren? Durch die Namenlosigkeit blieb mir die Protagonistin zunächst fremd, die Handlung nahm eher wenig Fahrt auf - doch das, was ständig spürbar war, war eine unterschwellige Bedrohung, die im Golf stets mitfuhr. Eine Bedrohung, die sowohl hinter als auch vor der Frau liegt. Denn einerseits scheint da etwas hinter ihr zu liegen, vor dem sie wegfährt, und andererseits kein konkretes Ziel vor ihr, das sie vom Umkehren abhalten könnte; denn „[d]ie Frau war allein, und so kam es, dass niemand sie davon abhalten konnte, ihre eigenen falschen Schlüsse zu ziehen.“ (S. 196) Zudem bleibt unklar, ob ihren eigenen Gedanken zu trauen ist, ob sie sich so weit von sich selbst entfernt hat, dass nicht einmal mehr ihr Name relevant scheint; ob ihre Gedanken nicht internalisierte Ergebnisse jahrelanger Manipulation sind. Für mich war „Grüne Welle“ ein Buch, das seine Wirkung erst langsam - und insbesondere nach dem Lesen - entfaltet hat. Es geht nicht um einen (äußerlich) wilden Road Trip, sondern um so viel mehr. Nach und nach erscheinen Metaphern, Zusammenhänge, Interpretationsspielräume… Für mich ein wirklich starkes und feinsinnig konstruiertes Buch!

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
21. März
Rating:4

Bei Grün darfst du gehen

Eigentlich will sie nur ins Kino. Mit der Freundin. Doch auf dem Rückweg zwingt eine Baustelle sie zu einem Umweg und plötzlich gerät alles ins Rollen. Die Frau, die lange namenlos bleibt, steht sinnbildlich für viele. Für Frauen, die in gewalttätigen Situationen stecken. Sie kann nichts für die Umleitung, nichts für die grüne Ampelwelle und deshalb fährt sie weiter, obwohl sie wirklich nach Hause möchte. Grüne Welle erzählt von häuslicher Gewalt. Die Frau hatte einst Träume, eine eigene Identität, ein Leben. Sie begegnet einem charmanten Mann, und die Übergänge zur Gewalt verschwimmen. Was ist noch normal, was längst nicht mehr? Während der Fahrt bleibt ihr Zeit, über sich und ihr Leben nachzudenken. Ihre Entscheidungen wirken dabei nicht immer rational, aber oft nachvollziehbar. Dennoch hatte ich stellenweise das Gefühl, dass einzelne Handlungen eher konstruiert wirken, um der Geschichte mehr Würze zu verleihen. Ergänzt wird die Handlung durch die Perspektive der Freundin der Frau. Durch sie erfahren wir, was zuhause geschieht: wie der Ehemann reagiert, wie die Situation von außen wahrgenommen wird. Diese Sichtweise fand ich bereichernd, auch wenn sie zugleich zeigt, wie schnell die Realität verkannt wird. Der Blick von außen bleibt oft oberflächlich und die Dringlichkeit der Situation, der Mangel an Alternativen und die Notwendigkeit von Hilfe werden nicht immer deutlich genug. Das offene Ende passt grundsätzlich zur Thematik, auch wenn ich persönlich abgeschlossene Enden bevorzuge. Die wenigsten Frauen, die häusliche Gewalt erleben, schaffen beim ersten Fortlaufen den kompletten Absprung. Oft kehren sie viele Male wieder heim, manche schaffen es nie final. Ein wichtiges, schweres Thema, das der Roman eindringlich aufgreift. Gleichzeitig bleibt vieles zwischen den Zeilen und muss interpretiert werden. Das verleiht dem Ganzen Tiefe, aber an einigen Stellen hätte auch direkter kommuniziert werden können.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
15. März
Rating:3

„Es dauerte noch etwas, bis sich die Frau sicher war, dass sie die falsche Straße gewählt hatte, dass also die Straße, auf der sie noch immer fuhr, nicht zur Autobahnauffahrt Nord führen würde.“ Eine Frau verfährt sich auf dem Weg nach Hause. Während äußerlich die Orientierungslosigkeit zunimmt, gewinnt sie innerlich an Klarheit. In distanzierter Erzählweise begegnen wir „der Frau“, „der Freundin der Frau“ und „dem Mann der Frau“ – ohne dass ihnen Namen gegeben werden. Dennoch wird durch ihre Gedanken zunehmend deutlicher, wie sie zueinander stehen. Genau darin sah ich das große Potenzial des Romans: Ich hatte mir erhofft, durch den inneren Dialog die Frau besser kennenzulernen. Doch leider geschieht in dieser Hinsicht zu wenig. Stattdessen richtet sich der Blick immer wieder auf die Umgebung; selbst als die Frau beim Mitnehmen von Anhaltern etwas über sich erzählen könnte, erfindet sie eine ganz andere Figur. So blieb das Buch hinter meinen Erwartungen zurück. Die Gewalt, die der Frau widerfahren ist, wird nur angedeutet und weder im Kopf noch im Handeln verarbeitet. Vielleicht soll dies ihre Sprachlosigkeit ausdrücken – doch letztlich wirkt die Fahrt dadurch fast bedeutungslos.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
10. März
Leiser, intensiver Female Rage!
Rating:4.5

Leiser, intensiver Female Rage!

Steig ein … Komm mit und gleite mit mir auf der grünen Welle der Erkenntnis. Ein stiller, doch kraftvoller Roman von eindringlicher Intensität, der lange nachhallt. Dieser Roman ist ein beinahe emotionslos geführter innerer Monolog und gerade deshalb fesselnd, überraschend und von eigentümlicher Tiefe. 4,5/5⭐️ . Aber worum geht es genau… Nach dem allmonatlich Kinobesuch mit ihrer Freundin sollte die Frau eigentlich nach Hause fahren, doch dies ist nicht der Fall. Sie setzt sich in ihren alten Golf und folgt der grünen Welle durch die Nacht. . In „Grüne Welle“ begleiten wir „die Frau“, die uns als Erzählerin durch die Geschichte führt. Später tritt noch eine weitere Figur auf, doch das soll an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden. Denn Namen sind in diesem Roman letztlich Schall und Rauch. Eine namenlose Protagonistin und ebenso namenlose Nebenfiguren verleihen der Geschichte eine besondere psychologische Tiefe. Es spielt keine Rolle, wie die Frau oder die anderen heißen. Den in den gewisser Weise könnten sie in jedem von uns sein. Durch die gewählte Perspektive richtet sich der Blick konsequent auf die innere Welt der Frau. Dabei wirkt sie stellenweise fast emotionslos, ausgelaugt, erschöpft und innerlich leer. Und doch entfaltet sich gerade darin das eindringliche Porträt eines Menschen, der einen stillen, aber unerbittlichen inneren Kampf führt. Enttäuschung, Selbstentfremdung, Selbstzweifel und Selbsttäuschung haben längst die Oberhand gewonnen. Abseits dieser zentralen Gedanken gibt es kaum etwas, das ablenkt. Als Leser erleben wir nur das, was sich im jeweiligen Moment vor den Augen der Frau abspielt. Über den Weg, der sie hierher geführt hat, erfahren wir nur Bruchstücke. Gerade diese scheinbare Monotonie erzeugt eine überraschend intensive Leseerfahrung. Gefühle kommen, gehen und brechen vulkanartig über uns aus. Unterschwellig stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wohin führt dieser Weg? Wird sich etwas verändern? Oder gibt es vielleicht sogar einen Weg zurück? Hochkonzentriert verfolgt man als Leser jede Zeile und jedes Wort in der Hoffnung, keinen entscheidenden Wendepunkt zu verpassen. Meiner Ansicht nach deutet das Ende schließlich doch noch eine Richtung an, die der Frau eine positive Zukunft eröffnen könnte. Doch letztlich bleibt diese Deutung offen und muss von jedem Leser für sich selbst gefunden werden. . „Grüne Welle“ ist das eindringliche Porträt des inneren Kampfes einer Frau, die sich selbst verloren hat. Es ist kein Roman, den man nebenbei liest. Vielmehr ist es ein psychologisch dichtes Werk, das auf bemerkenswerte Weise die innere Zerrissenheit eines Menschen sichtbar macht. . Trau dich – und lies „Grüne Welle“!

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
9. März
Ein atmosphärisch dichter, stiller Roman mit starkem Anfang und interessanter Idee, der mich vor allem über Stimmung und Fragen gepackt hat.
Rating:3

Ein atmosphärisch dichter, stiller Roman mit starkem Anfang und interessanter Idee, der mich vor allem über Stimmung und Fragen gepackt hat.

🟢🚙 𝘞𝘪𝘳 𝘮𝘶̈𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘴 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘸𝘪𝘦𝘥𝘦𝘳 𝘷𝘰𝘯 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯 𝘝𝘦𝘳𝘴𝘪𝘰𝘯𝘦𝘯 𝘵𝘳𝘦𝘯𝘯𝘦𝘯. 💭 Diogenes-Titel ziehen mich fast immer an, auch hier haben Cover und Klappentext eine leise, eindringliche Geschichte versprochen. Der Roman startet stark und weckt sofort Neugier: Eine namenlose Frau fährt nach einer Umleitung immer weiter und entfernt sich nicht nur räumlich, sondern auch innerlich vom Vertrauten. Zu Beginn wirkt das fast magisch und geheimnisvoll. Ich wollte unbedingt verstehen, was hinter der Situation steckt. Im Verlauf verlor sich die Geschichte für mich jedoch etwas und entwickelte keinen wirklich tragenden Plot, obwohl die Grundidee spannend ist. Im Zentrum steht die namenlose Erzählerin mit ihrem inneren Monolog. Ihre Gedanken sind dicht und oft rätselhaft. Gerade das macht sie interessant, aber auch schwer greifbar. Die Frage, warum sie den namenlosen Mann nicht anruft, begleitet die Lektüre permanent und schafft eine unterschwellige Spannung. Gleichzeitig bleibt eine Distanz bestehen: Man beobachtet mehr, als dass man sich vollständig identifiziert. 𝘎𝘳𝘶̈𝘯𝘦 𝘞𝘦𝘭𝘭𝘦 ist ein leiser, psychologischer Roman mit Road-Motiv und Fokus auf innerer Bewegung statt äußerer Handlung. Weniger Ereignisdrama, mehr Atmosphäre und Andeutung. Die Geschichte kreist um Rückzug, Unsicherheit und das allmähliche Loslösen von Gewohntem. Ein Buch, das sich wie gemacht anfühlt für stille Lesestunden. Der Schreibstil ist flüssig und stark atmosphärisch. Die Spannung entsteht aus Gedanken, Andeutungen und dem Nicht-Gesagten. Gerade diese Zurückhaltung ist zugleich Stärke und Schwäche: Sie schafft Intensität, lässt die Handlung aber stellenweise zerfasern. Ein atmosphärisch dichter, stiller Roman mit starkem Anfang und interessanter Idee, der mich vor allem über Stimmung und Fragen gepackt hat. Für mich fehlte am Ende jedoch ein klar tragender Handlungsbogen. Trotzdem eine lesenswerte Lektüre für alle, die psychologische Spannung im Leisen suchen. ⭐️⭐️⭐️☆☆ (6/10)

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
3. März
Rating:5

Still, atmosphärisch, außergewöhnlich!

„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz ist eine stille, atmosphärisch dichte Erzählung, die sich weniger an einer klassischen Handlung orientiert als an inneren Bewegungen. Im Zentrum steht eine namenlose Protagonistin, deren Wahrnehmungen, Gedanken und Erinnerungen sich schichtweise entfalten. 💭 Die Geschichte kreist um Nähe und Distanz, um Beobachten, Aushalten und das langsame Sich-Annähern an etwas Unausgesprochenes. Vieles bleibt offen, angedeutet, fragmentarisch – und genau darin liegt die besondere Kraft dieses Romans. ✨ Ich empfinde dieses Buch als außergewöhnlich – nicht nur wegen der Geschichte selbst, sondern vor allem wegen des Schreibstils. ✍🏻 Genau dieser hat mich überzeugt. Die Erzählung bietet so viel Interpretationsspielraum, dass man gedanklich kaum loslassen kann. 💬 Besonders gefallen hat mir, dass die Protagonistin lange keinen Namen trägt und auch die anderen Figuren namenlos bleiben. Das schafft einerseits Distanz, zugleich aber eine überraschende Nähe, die sehr mitfühlend wirkt. 💚 „Grüne Welle“ zählt für mich ganz klar zu meinen Februar-Highlights. Das Buch ist beim @diogenesverlag erschienen – vielen herzlichen Dank an den Verlag und an @esther_rosa_schuettpelz für dieses wundervolle Rezensionsexemplar! 🫶🏻

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
2. März
Rating:2.5

Spannender Anfang, schwacher Abgang

Ich fand die Idee echt sehr spannend. Einfach weiter zu fahren, nicht anzuhalten, altes hinter sich zu lassen und schauen, wo es einen hinführt. Aber mich hat das Buch dann letztendlich doch eher enttäuscht. Die Schleife und die puren Andeutungen am Ende sind mir zu wenig nach dem Aufbau der Storyline. Auch erscheinen mir die Nebencharaktere im Nachhinein als willkürlich und man hätte sie dann auch weglassen können, wenn ihr Einfluss so gewählt wird, wie er gewählt wurde (ich will ja nicht spoilern).

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
1. März
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Rating:4.5

GRÜNE WELLE von Eva Schüttpelz, erschienen im Diogenes Verlag, 208 Seiten, ET 25.02.2026 Klappentext: Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim - bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie. Zur Autorin: Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, studierte Jura in Münster und arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman ›Ohne mich‹ wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit. Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland. Mein Leseeindruck: Metaphorisch zu betrachten, irgendwie wild, klug, sezierend, soghaft, subtil ist diese Geschichte, die Schüttpelz in der 3. Person erzählt. Sie verhandelt Themen wie Selbstfindung, innere Zerrissenheit, häusliche Gewalt, Loslassen und Neuanfang, Midlifecrisis. Das Zusammenspiel von Cover, Titel und Struktur finde ich bemerkenswert und äußerst gelungen. Fazit: Ein feines, interessantes, klug geschriebenes, nachhallendes Buch mit distanziertem Erzählton, welches ich sehr gerne gelesen und gehört habe. Eure, Claudia #neuerscheinung

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
28. Feb.
Rating:5

Sternebewertung fiktiv

Was für eine Autofahrt. Kennt ihr diese Romane, die nur an einem einzigen Ort spielen und nur ein paar Stunden umfassen und trotzdem fühlt es sich wie ein ganzes Leben an? Genau so ein Buch ist Grüne Welle. Eine Frau verlässt nach dem Kino mit einer Freundin die Stadt und fährt einfach los. Nicht nach Hause. Nicht mit einem Plan. Einfach weiter. Die gesamte Geschichte spielt in einem alten Golf, über wenige Stunden hinweg. Stunden, die sich wie ein Countdown anfühlen und beklemmend, spannungsgeladen, fast klaustrophobisch sind. Schon während des Lesens war ich innerlich unruhig. Ich wollte verstehen, wollte greifen können, wovor diese Frau eigentlich flieht. Die Autorin lässt vieles nur erahnen. Man bekommt Einblicke in Gedanken, in Stimmungen, in diese unterschwellige Angst, aber kaum harte Fakten. Alles bleibt fragmentarisch, angerissen, fast schwammig. Und doch sind die Gefühle unglaublich greifbar. Druck, Sorge, eine latente Bedrohung. Für eine Weile wird die Frau eher zufällig durch zwei junge Frauen begleitet und man hofft genau dann auf eine Aufklärung. Leider Fehlanzeige. Ich weiß nach dem Lesen gar nicht so richtig, wohin mit meinen Gedanken. Nicht, weil ich es schlecht fand, ganz im Gegenteil. Es hat mich beschäftigt, es hat mich nervös gemacht, ich wollte Aufklärung. Ich hätte mir stellenweise mehr Hintergrund gewünscht, mehr Einblick in die Protagonistin, mehr Konkretes. Aber vielleicht ist genau das der Punkt dieses Romans, dass man selbst die Lücken füllt. Das offene Ende wirkt nicht wie ein Mangel, sondern wie eine Einladung. Eine Einladung, selbst zu entscheiden, was diese Fahrt bedeutet. Wer mit offenen Enden umgehen kann und Romane mag, die psychisch etwas in einem auslösen, die nicht alles erklären, sondern eher verstärken, der wird hier definitiv fündig. Mich hat es, trotz anderer Erwartungen, sehr gefesselt.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
27. Feb.
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Schon der Klappentext von „Grüne Welle“ verspricht eine besondere Leseerfahrung – und genau das ist dieser Roman auch: ungewöhnlich, unkonventionell und bewusst sperrig. Esther Schüttpelz erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin nicht nach Hause fährt, sondern sich in der Nacht verliert. Aus einer verpassten Ausfahrt wird eine ziellose Autofahrt, aus dem Weiterfahren ein innerer Aufbruch – oder vielleicht auch eine Flucht. Die Protagonistin bleibt namenlos, ebenso wie viele andere Figuren und der Ort der Handlung. Während der Fahrt, von grüner Ampel zu grüner Ampel, öffnet sich nach und nach ihr Inneres. Gedanken, Erinnerungen und Andeutungen verdichten sich zu einem Bild von Gewalt in der Ehe, von Erschöpfung, Angst und Selbstzweifeln. Vieles bleibt vage, wird nur angedeutet, nie klar ausgesprochen. Genau darin liegt eine der großen Stärken, aber auch eine der Schwächen des Romans. Der Schreibstil ist eigenwillig und fordert Geduld: sehr lange, verschlungene Sätze, gedankliche Schleifen, ein Strom des Bewusstseins, der besonders zu Beginn anstrengend sein kann. Nicht wenige Leserinnen und Leser dürften hier kurz davorstehen, das Buch aus der Hand zu legen. Wer jedoch dranbleibt, wird mit einer intensiven, dichten Atmosphäre belohnt, die das Gefühl von Orientierungslosigkeit und innerem Aufruhr sehr eindrucksvoll transportiert. Thematisch kreist „Grüne Welle“ um Flucht und Stillstand, um die Frage, ob ein Neuanfang möglich ist – und wenn ja, wohin er führen könnte. Die nächtliche Autofahrt wird zur Metapher: kein Anhalten, kein klares Ziel, keine roten Ampeln, an denen man sich orientieren könnte. Die Emotionen der Protagonistin kommen und gehen wie Wellen, mal leise, mal mit großer Wucht. Gleichzeitig bleibt der Roman bewusst offen. Leerstellen, fehlende Auflösungen und ein Ende, das nicht jedem gerecht werden dürfte, sorgen für ein zwiespältiges Lesegefühl. So ist „Grüne Welle“ kein Buch für alle. Wer klare Handlung, eindeutige Antworten und emotionale Zuspitzung erwartet, könnte enttäuscht zurückbleiben. Wer sich jedoch auf eine reduzierte, psychologisch dichte Erzählweise einlassen kann, findet hier ein literarisch interessantes, stellenweise sehr eindrucksvolles Werk über Gewalt, Selbstbehauptung und die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Ein Roman, der polarisiert – aber gerade deshalb im Gedächtnis bleibt.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
26. Feb.
Rating:4

Tiefer Monolog über die innere Zerissenheit und Entfremdung

Mit „Grüne Welle“ habe ich mein erstes Buch aus dem Diogenes Verlag gelesen und war entsprechend neugierig auf den neuen Roman von Esther Schüttpelz. Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt nach einem Kinobesuch. Eine Umleitung führt die Protagonistin vom gewohnten Weg ab. Während sie weiterfährt, entwickelt sich ein intensiver innerer Monolog und schnell wird deutlich, dass das eigentliche Problem nicht die verpasste Abzweigung ist, sondern das Zuhause, zu dem sie zurückkehren müsste. Der Roman verzichtet weitgehend auf Namen. Stattdessen begegnen wir „der Frau“, „dem Mann“, „der Freundin“, „der Großen“ und „der Kleinen“. Das war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig und hat etwas an Nahbarkeit gekostet, auf der anderen Seite aber gut die innere Entfremdung der Frau zur Geltung gebracht. Themen wie Selbsttäuschung, Gewalt und Wahrheit werden nicht explizit ausformuliert, sondern subtil angedeutet. Dadurch entsteht viel Interpretationsspielraum vor allem im Hinblick auf das offene Ende. „Grüne Welle“ ist kein Roman für zwischendurch, sondern ein stilles, intensives Gedankenprotokoll. Wer Freude an inneren Monologen und psychologisch dichten Texten hat, wird hier fündig.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
25. Feb.
Rating:3.5

Das Cover und auch der Titel passt sehr gut zum Buchinhalt. Die Kapitellänge ist sehr angenehm. Wir lesen in Gedankengängen. Deshalb ist der Schreibstil nicht immer einfach, nicht direkt zu verstehen. Klar, ehrlich und ungefiltert. Eine Problemstellung, die verdrängt, erkannt oder auch ausgeblendet wird. Der ganze Roman spielt in 24 Stunden. Wir begleiten eine Frau auf einer erkenntnisreichen Autofahrt und erhalten auch Einblicke in das Gedankleben ihrer besten Freundin. Es ist kein typischer Roman mit einer klaren Handlung und einem Happy End. Eher eine subjektive und doch sehr schablonenartig gezeichnete Momentaufnahme. Ich finde es sehr spannend gemacht und habe das Buch ganz gerne gelesen, auch wenn das Ende einen nicht ganz zufrieden gestellt zurücklässt.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
25. Feb.
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Rating:2.5

GRÜNE WELLE Esther Schüttpelz ET: 25.2.26 Nach einem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin steigt die Frau allein in ihr Auto und fährt los. Nicht nach Hause zu ihrem Mann, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Sie nimmt sich vor, erst an der nächsten roten Ampel umzudrehen. Doch die Ampeln sind entweder ausgeschaltet oder zeigen Grün. Irgendwann fasst sie den Entschluss, überhaupt nicht mehr zurückzufahren. Ihr Mann wird wütend sein – doch daran will sie jetzt nicht denken. Später, beim Tanken, nimmt sie zwei 19-jährige Anhalterinnen mit. Ob die zunächst namenlose Protagonistin am Ende doch noch umkehrt oder weiterfährt, sollte man selbst herausfinden. Die Buchbeschreibung klang für mich sehr vielversprechend. Ich hatte gehofft, im Laufe dieses Roadtrips mehr über die Protagonistin und ihre Ehe zu erfahren, doch wirklich aufschlussreich wurde es leider nicht. Zwar gefiel mir der besondere Schreibstil, und ich gewöhnte mich schnell an die langen Sätze in der dritten Person, dennoch blieb mir die Hauptfigur emotional fremd. Sie wirkte kühl und distanziert, sodass keine echte Nähe entstehen konnte. Schade – ich hatte mir einen tiefgründigen Roman erhofft. Dieses Buch blieb jedoch deutlich hinter meinen Erwartungen zurück. 2½/5

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes
22. Feb.
Rating:4

Ein ganz normaler Kinobesuch mit der Freundin. Anschließend ab ins Auto und wieder nach Hause. Oder doch nicht? Durch eine Umleitung kann sie nicht die gewohnte Strecke fahren. Sie fährt einfach und fährt, ohne Ziel. Irgendwann ist sie auf der Autobahn aber umdrehen will sie noch nicht. Vielleicht irgendwann mal. Eine spontane Entscheidung wird zur Chance. Sie denkt über ihr Leben nach. Reflektiert ihre Beziehung, ihre Erwartungen. Schlicht und nüchtern wird erzählt. Die Protagonistin wird als „Die Frau“ bezeichnet. Das hält sie für den Leser auf Distanz. Hier gibt es keinen Spannungsbogen, wir lauschen dem inneren Monolog der Frau. Sie fühlt sich zerrissen, hat Angst vor Veränderung aber glücklich macht ihr Leben sie nicht. Nebenbei wird auch von ihrer Freundin erzählt, mit der sie im Kino war. Sie mochte ihren Mann nie. Fand ihn immer kontrollierend und besitzergreifend. Ab und an gab es durch den inneren Monolog auch Wiederholungen und die Nebendarsteller blieben etwas blass. Der Roman glänzt eher durch seine psychologische Tiefe und der dichten Atmosphäre und wirkt oft intellektuell. Für Leser, die sich gern in den Gedanken der Protagonisten verlieren und anspruchsvolle Literatur mögen eine Empfehlung.

Grüne Welle
Grüne Welleby Esther SchüttpelzDiogenes