Wieder ein wunderschönes Buch der Autorin, egal worüber sie schreibt, man merkt die Liebe zu den Tieren und zur Natur und die steckt an. Während des Lesens sehe ich mich auch schon fast als Schildkrötenretterin. Das Buch enstand in der Hochzeit der Corona-Pandemie, was natürlich auch Auswirkungen darauf hatte, was wir von Schildkröten lernen können. Und nebenbei geht es auch noch ums Altern und wir versöhnlicher damit umgehen können.

Gerade die leisesten Bücher hallen am längsten nach und „Tête-à-Tête mit einer Schildkröte“ ist ein solches Werk – unaufgeregt, warmherzig und zugleich von stiller Wucht. Sy Montgomery nimmt uns mit in eine Welt, die wir im Alltag leicht übersehen: die der Schildkröten. Und sie zeigt, dass in ihrer Langsamkeit eine Tiefe liegt, die unserer eigenen Existenz oft fehlt. Im Zentrum steht eine Auffangstation in Massachusetts, in der verletzte, ausgesetzte oder überfahrene Tiere ein neues Zuhause finden. Schildkröten mit Namen wie „Pizza Man“, „Fire Chief“ oder „Snowball“ werden hier nicht nur versorgt, sondern als Individuen wahrgenommen. Montgomery begleitet die engagierten Helferinnen und Helfer und wird selbst Teil dieser Gemeinschaft. Dabei entsteht kein klassischer Naturbericht, sondern ein sehr persönlicher Erfahrungsraum, in dem sich Beobachtung, Mitgefühl und Erkenntnis verweben. Besonders beeindruckend ist Montgomerys Fähigkeit, Nähe zu schaffen, ohne ins Kitschige abzurutschen. Sie beschreibt die Tiere präzise, respektvoll und mit großer Achtung vor ihrer Eigenart. Die Schildkröten werden nicht vermenschlicht, und doch erscheinen sie als Persönlichkeiten – jede mit eigener Geschichte, eigenem Tempo, eigener Würde. Gerade diese Balance macht das Buch so glaubwürdig und berührend. Thematisch geht es um weit mehr als nur Schildkröten. Es geht um Zeit – um „Schildkrötenzeit“ im Kontrast zu unserer hektischen Gegenwart. Es geht um Verantwortung, um den menschlichen Einfluss auf fragile Ökosysteme und um die Frage, wie wir mit anderen Lebewesen umgehen. Montgomery gelingt es, diese großen Themen leise zu verhandeln, ohne belehrend zu wirken. Stattdessen lädt sie dazu ein, die Perspektive zu wechseln – und die Welt für einen Moment langsamer zu sehen. Auch die emotionale Bandbreite überzeugt: Neben berührenden Momenten des Mitgefühls stehen Wut und Ohnmacht angesichts der Ursachen vieler Tierleiden. Gleichzeitig bleibt der Grundton hoffnungsvoll. Die Hingabe der Menschen in der Auffangstation zeigt, wie viel Einzelne bewirken können – besonders, wenn sie gemeinsam handeln. Sprachlich ist das Buch typisch Montgomery: zugänglich, poetisch und zugleich klar. Man hat beim Lesen oft das Gefühl, nicht belehrt zu werden, sondern gemeinsam mit einer klugen Freundin zu lernen und zu staunen. Diese erzählerische Nähe macht das Buch auch für Leserinnen und Leser zugänglich, die sonst wenig Berührung mit naturkundlichen Themen haben. Kritisch anmerken ließe sich höchstens die stellenweise hohe Informationsdichte, die gelegentlich überwältigend wirken kann. Doch gerade darin liegt auch eine Stärke: Dieses Buch will nicht schnell konsumiert werden. Es lädt dazu ein, innezuhalten, Kapitel wirken zu lassen und immer wieder zurückzukehren. „Tête-à-Tête mit einer Schildkröte“ ist weit mehr als ein Buch über Schildkröten. Es ist eine stille, eindringliche Reflexion über Leben, Zeit und Mitgefühl. Ein Werk, das entschleunigt, sensibilisiert und zum Nachdenken anregt. Empfehlenswert für alle, die bereit sind, die Welt für einen Moment mit anderen Augen zu sehen. Aus dem amerikanischen Englisch von Stefanie Schäfer. Mit Illustrationen von Matt Patterson.
Nicht nur für Schildi-Fans
Die Geschichte ist unglaublich authentisch und realistisch dargestellt. Es ist ein Sachbuch und Roman zugleich, da die Arbeit und Liebe zu den Tieren wunderschön, mitreißend und warmherzig dargestellt wird. Kleine Anmerkung: Über die Websites & Insta-Kanäle der Autorin und der Turtle Rescue League kann man als schöne Ergänzung noch zusätzlich einiges in Ton und Bild erfahren!
Wer eine Tierfreund ist würd dieses Buch lieben .
Mann taucht ein in eine eigene Welt voller Mini Dinosaurier. ich habe sehr viel dazu gelernt.
"Wenn ich einer Schildkröte in die Augen schaue", sagt sie, "kommt es mir so vor, als ob das ganze Universum in ihnen steckt. Sie verstehen und wissen so viel!" Sy Montgomery stellt und in ihrem neuen Buch eine Tierart vor, die schon sehr lange auf dieser Erde weilt und die weltweit von Menschen, auch von mir, verehrt wird - die Schildkröte. Wir begleiten für Autorin bei ihrer Ehrenamtsarbeit für die Turtle Rescue League in Massachusetts und lernen die geretteten Schildkröten und ihre Schicksale ganz persönlich kennen. Nicht ganz so mitreißend und humorvoll wie "Rendezvous mit einem Oktopus", dennoch ein Sachbuch, das ich total gerne gelesen habe.
Sternebewertung fiktiv
Sy Montgomery ist eine ausgewiesene Naturforscherin und begnadete Erzählerin. Spätestens seit „Rendezvous mit einem Oktopus“ steht ihr Name für eindringliche, warmherzige und zugleich wissenschaftlich solide Naturerzählungen. Mit Tête-à-Tête mit einer Schildkröte wendet sie sich nun einer Tiergruppe zu, die im Literaturbetrieb sonst selten in den Mittelpunkt rückt und genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Im Zentrum stehen Alexxia und Natasha, zwei Frauen, die auf seltsame Weise zueinanderfinden und deren gemeinsame Leidenschaft für Schildkröten zu einem Lebensprojekt wird. Sy Montgomery begleitet sie dabei, wie alles in einer kleinen Wohnung beginnt, in der verletzte, angefahrene oder ausgesetzte Tiere Zuflucht finden. Was zunächst improvisiert wirkt, wächst schnell zu einer umfangreichen Rettungsstation auf einem Anwesen in Massachusetts heran. Sy Montgomery schreibt zeitbewusst über Klimawandel, Artensterben und menschliche Verantwortung. Sie zeigt nicht nur die Fürsorge für hunderte gerettete Tiere, sondern auch die Realität des Abschiednehmens. Genau diese Balance aus Erkenntnis, Emotion und unverblümter Ehrlichkeit macht das Buch sehr lesenswert. Persönlich hat mich die Lektüre erneut an meine eigene frühe Faszination für Schildkröten erinnert, eine mauretanische Landschildkröte namens „Fluffy“ stand damals ganz oben auf meiner Wunschliste. Diese stille, uralte Anmutung der Tiere, dieses Wesen zwischen Gelassenheit und Überlebenskraft Sy Montgomery fängt all das hervorragend ein. Wie schon beim Oktopus beweist sie, sie hat ein unvergleichliches Gespür für das Erzählen über nicht alltägliche Lebewesen. Wer Montgomery noch nicht kennt und sich für Meeres- oder Landtiere begeistert, sollte zuerst zu „Rendezvous mit einem Oktopus“ greifen und dann unbedingt den Weg weitergehen zu den Schildkröten. Eine klare Empfehlung für Leser/innen, die Naturverstehen, Empathie und Wissensvermittlung in einem gepaart schätzen.





