22. März
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Rating:3.5

Ein Mann, eine Stadt, viel Zeit, die vergeht. “Bambino” ist wie “Ich bleibe hier” eine Liebeserklärung an eine Stadt. Hier: Triest. Und Bambino, der Protagonist, der durch Krieg und Schicksalsschläge seinen Weg findet. Und er ist kein Unschuldiger: als Faschist der ersten Stunde tut er alles dafür, Menschen, die nicht seinem Ideal entsprechen, zu unterdrücken und auszuliefern. Im Krieg sieht er den Horror der Front und wandelt seine Ansichten langsam. Eine Gesichte, die ein wenig braucht, um sich einzufinden und dann mitnimmt und berührt. Im Vergleich zu “Ich bleibe hier” ist “Bambino” allerdings nicht ganz so stark.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
17. März
Verloren in einer Welt ohne Halt
Rating:4

Verloren in einer Welt ohne Halt

Staub, Schweiß und unterschwellige Gewalt liegen wie ein Schleier über jeder Seite und lassen kaum Raum zum Durchatmen. Bambino von Marco Balzano hat mich sofort in eine düstere, beklemmende Welt gezogen, die lange nachhallt. Mattia, genannt Bambino, ist eine Figur, die schwer auszuhalten ist. Seine Brutalität trifft auf eine tiefe innere Leere und eine fast verzweifelte Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Während des Lesens entstand ein ständiger Zwiespalt zwischen Abscheu und Mitgefühl, der sich kaum auflösen ließ und genau dadurch so intensiv wirkte. Triest erscheint dabei kalt, unruhig und von Spannungen durchzogen. Der Faschismus wächst wie ein dunkler Schatten über allem und verändert Menschen, Beziehungen und Moralvorstellungen. Nichts fühlt sich sicher oder eindeutig an, alles verschiebt sich mit jeder neuen Entwicklung. Am Ende bleibt ein schweres, nachdenkliches Gefühl zurück. Eine Geschichte, die weh tut, die fordert und die zeigt, wie sehr Zeit und Umstände einen Menschen formen können.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
17. März
Rating:5

Und wieder führt mich ein Buch in das Jahr 1920 und ich werde mit einem unangenehmen und doch aktuellem Thema konfrontiert. Dem FASCHISMUS ! Was bringt einen Menschen dazu sich seinen düsteren, dunklen, brutalen Seiten zu öffnen und seinen Mitmenschen Unbeschreibliches anzutun? Diese Überlegungen haben mich über zweihundertundvierzig Seiten begleitet und nicht mehr losgelassen . Von der ersten bis zur letzten Seite des Buches. Mattia Gregori hat schon als Kind grausame Wesenszüge gehabt, die von seinen liebevollen Eltern nicht verstanden, sondern einfach ignoriert wurden. Als Erwachsener Mensch wendet er sich dem aufkommenden Faschismus zu, quält, bedroht, bestiehlt und tötet am Ende sogar ohne Skrupel seine Mitmenschen. Er verliert Freunde durch diesen Wesenszug - und fühlt sich allein, im Stich gelassen, unverstanden. Das alles beginnt und spielt sich in einer Grenzregion zwischen Italien, Slowenien , Kroatien in den 1920er Jahren ab, in der Stadt und Region um Triest. Eine dunkle Zeit Italiens wird über die Geschichte dieser Region vermittelt. Ich habe mich durch dieses Buch gequält und musste es oft aus der Hand legen um die unbeschreiblichen, grausamen Schilderungen und Handlungen des Mattia Gregori zu verarbeiten. Der Autor hat mit diesem Roman die Schwelle zur Horrorliteratur fast erreicht. Das Seelenleben von Mattia wird erbarmungslos in einem kaum auszuhaltendem Schreibstil geschildert. So habe ich diese Thematik beim Lesen noch nie erlebt. Trotzdem hat sich mein Eindruck von dieser Lektüre zum Ende des Buches hin gemildert. Mattia hat sich verändert durch die Härte des Krieges, die auch ihn nun betroffen hat, durch die Liebe zu einer Frau, durch die Suche nach seiner leiblichen Mutter, deren Existenz ihm sein Vater ein Leben lang vorenthalten hat. Nur seine Ziehmutter Tella hat ihm dieses Geheimnis auf ihrem Sterbebett noch verraten. Eine Lektüre die durch den Schreibstil des Autors beeindruckt, von der Thematik nicht schön ist, aber am Ende eine Versöhnung mit Mattia und seinem Verhalten anbietet. Keine Lektüre für zart besaitete Leser*innen. Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. DANKE an den Autor und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
21. Feb.

Ein Roman mit immenser Wucht

Triest, 1920. Die Stadt atmet Salz und Misstrauen, und in ihren Gassen hallen neue Parolen wider. Mattia marschiert mit. Er ist einer von den Ersten, einer, der glaubt, Geschichte ließe sich mit der Faust beschleunigen. Sein Gesicht ist noch glatt wie das eines Knaben, kein Schatten von Bart darauf, und deshalb nennen sie ihn Bambino. Doch seine Jugend täuscht. Wenn er zuschlägt, tut er es mit einer Härte, die mehr beweisen will, als Muskeln je könnten. Bald spricht man seinen Namen nur noch leise aus. Er kennt seine Mutter nicht. Sie ist ein Schweigen in seinem Leben, eine Lücke, die größer wird, je lauter er „Vaterland“ ruft. Manchmal flüstert es in ihm: War sie eine von drüben, eine Slowenin vielleicht? Eine von jenseits der Grenze, die hier in Triest nicht nur auf Landkarten verläuft, sondern durch Herzen? Sein Vater, der Uhrmacher mit den ruhigen Händen und dem unbeugsamen Blick, verweigert jede Antwort. Zwischen Zahnrädern und Pendeln misst er die Zeit, während sein Sohn glaubt, sie anhalten oder vorantreiben zu können. Der Vater ist Antifaschist, aus Überzeugung und aus Trotz und zwischen ihnen tickt es lauter als jede Standuhr. Dann kommt der Krieg, erst als fernes Grollen, dann als Schlamm, Rauch und zerfetzte Gewissheiten. Die Straßen, die einst Marschtritt kannten, versinken im Dreck. Kameraden fallen, Parolen verlieren ihren Glanz, und die Fahnen, unter denen man sich unbesiegbar wähnte, hängen schwer und schmutzig im Regen. Mattia lernt, dass Macht ein flüchtiger Besitz ist. Dass der Jubel von heute morgen schon verstummt sein kann. Dass Sieger und Verlierer keine festen Rollen tragen, sondern Masken, die der Wind der Geschichte beliebig vertauscht. Und im Morast des Krieges beginnt er zu begreifen, dass die größte Niederlage nicht auf dem Schlachtfeld geschieht, sondern dort, wo ein Mensch sich selbst verliert. „Aber ich blieb. Nicht aus Ehrgefühl oder Respekt vor dem Faschismus: Für Tonetti, Barbetta und all den anderen aus der Casa des Fascio empfand ich nur noch Hass, genauso wie ich die Generäle des Duce hasste, und den Duce selbst am allermeisten. Erst hatte er mir weisgemacht, Faschist zu sein bedeutete, zu herrschen und ein schönes Leben zu führen, und jetzt schickte er mich wie ein Maultier in den Tod…..” Die Geschichte entfaltet sich aus Mattias’ eigener Stimme. Nicht aus der Distanz eines Richters, sondern aus dem Innern eines Täters. Er erzählt, als spräche er zu sich selbst, ohne Absolution zu suchen, ohne Reue zur Schau zu stellen. Gerade diese Nähe irritiert: Man hört seine Rechtfertigungen, seine Verblendungen, seine blinden Flecken. Das Böse tritt nicht als Fratze auf, sondern mit Atem, Puls und Erinnerung. Balzano verleiht dieser Stimme Raum, ohne sie zu kommentieren oder moralisch einzuhegen. Er enthält sich des Urteils, überlässt es den Lesenden, zwischen den Zeilen zu hören, was Mattia nicht sagt oder nicht sagen kann. Darin liegt für mich die verstörende Kraft des Romans: Er zwingt dazu, einem Bewusstsein zu folgen, das sich selbst nicht durchschaut. Die Gewalt endet nicht mit dem Zusammenbruch des Regimes. Auch die Racheakte der Partisanen nach dem Zweiten Weltkrieg finden ihren Platz in dieser Erzählung. Ein heftiges, düsteres Echo auf das Vorangegangene. So entsteht ein Roman von großer Wucht, der zeigt, wie dünn die Linie zwischen Täter und Opfer, zwischen Triumph und Vergeltung sein kann. Ausgesprochene Leseempfehlung!

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
20. Feb.
Rating:5

Sternebewertung fiktiv

Eine Reise in das Italien der 20er-Jahre – rau, politisch aufgeladen und emotional tiefgehend. „Bambino“ beginnt in Triest, wo wir Mattia Gregori kennenlernen. Er lebt mit seinem Vater, einem Uhrmacher, nachdem seine Mutter gestorben ist. Doch statt Trauer wächst in ihm etwas anderes. Zweifel. Als Mattia erfährt, dass die Frau, die er für seine Mutter hielt, nicht seine leibliche Mutter war und seine Wurzeln möglicherweise nach Slowenien führen, gerät sein inneres Gleichgewicht aus den Fugen. Sein Vater streitet alles ab, doch die Veränderung in Mattia ist nicht mehr aufzuhalten. Was mich besonders berührt und beängstigt hat, ist die enorme Wut, die sich durch die Geschichte zieht. Mattia wirkt äußerlich zierlich, bartlos, fast verletzlich, weshalb ihn alle „Bambino“ nennen. Doch hinter diesem Spitznamen steckt eine explosive Kraft. Er beginnt, sich mit den falschen Menschen zu umgeben, schließt sich den Faschisten an und gerät immer tiefer in eine Welt aus Gewalt und politischer Radikalisierung. Sein Vater versucht verzweifelt, ihn zurückzuhalten, ihn an die Familie zu erinnern, doch Mattia treibt immer weiter weg. Marco Balzano schafft eine dichte Atmosphäre, nicht nur durch seine Figuren, sondern auch durch die Zeit, in der die Geschichte spielt. Der Krieg verändert alles, nicht nur Mattia, sondern auch das Vertrauen der Menschen, das politische Klima und das Leben im Alltag. Als Mattia in den Krieg zieht und zurückkehrt, ist er nicht geläutert, sondern gezeichnet, von Kämpfen, von Schuld, von Entscheidungen, die ihn innerlich verändern. Parallel dazu begleitet uns seine Suche nach der Wahrheit über seine Herkunft. Immer wieder steht die Frage im Raum, wer er wirklich ist und ob die Wahrheit überhaupt Frieden bringen kann. Die Dynamik zwischen Vater und Sohn fand ich dabei besonders intensiv. Zwischen Schweigen, Vorwürfen und unausgesprochenen Gefühlen entsteht eine Nähe, die gleichzeitig zerbrechlich bleibt. Das abschließende Gespräch hat mich emotional sehr getroffen, weil es nicht den erhofften Abschluss bringt, sondern eine leise, schmerzhafte Erkenntnis. Wie sein Vater zu ihm spricht: „Manchmal muss man nicht jede Wahrheit kennen“. Der Roman ist fiktiv, greift aber historische Orte, Ereignisse und Stimmungen auf, die die Geschichte greifbar machen. Besonders schön fand ich, dass am Ende ein Verzeichnis der Namen und Begriffe steht, das den historischen Hintergrund noch einmal einordnet. „Bambino“ ist für mich ein intensiver, bewegender Roman über Identität, politische Verführung, Wut und die Suche nach Zugehörigkeit. Eine Geschichte, die mich emotional sehr berührt hat.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
18. Feb.
Rating:5

Ambivalenter Protagonist vor der Kulisse historischer Ereignisse

Ich liebe Geschichten, in denen mir reale Orte auf literarische Weise erlebbar gemacht werden. Triest war für mich immer eine Stadt am Rande des ehemaligen Jugoslawien. Etwas, wo meine Verwandtschaft gerne mal zum einkaufen hin fuhr, weil es ihnen einen Hauch von Westen gab. Und auch jetzt, wo der Sozialismus schon 35 Jahre Geschichte ist, übt „Trst“ wie die Kroaten und Slowenen es nennen eine große Anziehungskraft für einen Wochenendtrip auf Sie aus. Mattia Gregori wird mit seinem hübschen Gesicht, das bartlos und hübsch anzusehen, ist „Bambino“ genannt. Doch hinter dieser zarten Fassade steckt ein Bösewicht, wie ich ihn selten als Protagonisten erlebt habe. Er ist ein Faschist der ersten Stunde, lebt seine Grausamkeiten schon als Kind aus und öffnet immer mal wieder dieses Ventil. Er beraubt, quält und tötet Menschen, manchmal so ganz nebenbei. Woher kommt diese Wut? Ist sie angeboren oder liegt es an der Tatsache, dass er von einer Mutter großgezogen wurde, die ihm am Sterbebett offenbart, dass sie nicht seine richtige Mama ist? Zeit seines Lebens versucht er, den Vater dazu zu bekommen, ihm zu verraten, wo er diese Frau findet. Er mutmaßt, dass sie eine Slowenin ist, eine Volksgruppe in der Region, dank italienischer nationalistische Strömungen große Repressalien erfährt. Er sucht in vielen Frauen die Hoffnung, es könnte sie sein. Vor dem Hintergrund der Geschichte von Triest und einem zerfallenen Europa, dass sich neu sortiert, erleben wir wie Mattia aufsteigt und fällt. Es ist manchmal erstaunlich, wie schnell der Wind sich dreht und die Herrschenden auf einmal die geschlagenen sind. Balzano hat mit seinem brutalen Antihelden eine sehr ambivalente Figur geschaffen. Man kann ihn nicht mögen und doch ist er mir immer dann ans Herz gewachsen, wenn er den Riss in seiner Seele zeigt, dem ihm der obsessive Wunsch nach der wahren Mutter zugefügt hat. Auch die Beziehung zu seinem Vater hat mich berührt, denn obwohl er immer wieder deutlich macht, wie sehr sein Vater verachtet, und der Vater sich mehrfach von diesem Sohn los sagen möchte, spürt man, dass es eine merkwürdige Art von Liebe zwischen beiden gibt. Sie drohen sich und suchen doch ständig die Nähe zueinander. Die historische Kulisse ist unwahrscheinlich dicht geschrieben. Ich habe so viel über die Geschichte gelernt in einer Zeit , von der ich dachte, dass ich alles weiß. Besonders interessant fand ich die nationalistischen Bestrebungen Italiens und die damit einhergehende Vertreibung und Umerziehung der Slowenen in dieser Region. Sie durften ihre Sprache nicht mehr sprechen, wurden umgetauft und hatten kaum eine Chance sozial aufzusteigen. Natürlich habe ich mich nebenbei auch ein bisschen im Internet rum getrieben um die kleinen Lücken, die noch blieben zu füllen. Mir war nicht bewusst, wie wichtig die Lage von Triest für verschiedene Nationen war und wie sich durch die Verschiebung von Grenzen auch eine Stadt von großer Größe in Bedeutungslosigkeit verliert. Das Ende von „Bambino“ schließt einen Kreis der gleichzeitig Genugtuung als auch Traurigkeit bei mir hervorruft. Mir ist schon in seinen anderen Büchern aufgefallen, dass Balzanos Sprache eine literarische Melodie hat, die leicht daherkommt, obwohl sie fast immer sehr schwere Themen vermittelt. Das ist Balsam für meine Leseseele. Nachdem ich anfangs wegen der Grausamkeit der Hauptfigur ein mulmiges Gefühl hatte, und ich mir nicht sicher war, ob ich das aushalte, verselbstständigte sich plötzlich mein Lesefluss, und ich war gefesselt und fasziniert von dem, was der Autor in vier Teilen komponiert hat. Das muss man erst mal hinkriegen. Schon allein deshalb heiße ich ihn jetzt als einen meiner Lieblingsautoren in meinem Bücherregal willkommen. Ich spreche eine große Leseempfehlung für dieses historisch bedeutende Buch aus, dass einen weniger bekannten Teil der europäischen Geschichte erzählt und sich dabei einer Figur bedient, die uns fordert.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
13. Feb.
Nicht nur der Klappentext hat meine Aufmerksamkeit erregt, sondern auch dieses fast unschuldige Cover.
So unschuldig wie es wirkt, ist der Inhalt allerdings nicht.
Rating:4

Nicht nur der Klappentext hat meine Aufmerksamkeit erregt, sondern auch dieses fast unschuldige Cover. So unschuldig wie es wirkt, ist der Inhalt allerdings nicht.

╰ 💭 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗟𝗘𝗦𝗘𝗘𝗜𝗡𝗗𝗥𝗨𝗖𝗞 Im Mittelpunkt des Buches steht Mattia Gregori, der Sohn eines Uhrenmachers. Die Geschichte entsteht in einer Zeit, in der Ideologien Halt geben und Gewalt für viele zur Sprache wird. Triest in den 1920er-Jahren wird authentisch dargestellt und zeigt wie Wut entsteht, wie sie wächst und was sie mit einem Menschen macht. Besonders stark sind für mich die leisen Momente im Buch. Die familiären Spannungen, Mattias innere Zerrissenheit und die immer wieder aufgeworfene Frage nach Zugehörigkeit. Mattia ist kein sympathischer Protagonist. Ich habe mich aber doch dabei ertappt stellenweise fast Mitleid mit ihm zu haben. Die Sprache die der Autor wählt ist bildgewaltig und schonungslos. Sie zieht einen hinein in eine Atmosphäre aus Unsicherheit, Bedrohung und moralischen Fragen. ╰ 📌 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧 Das Buch erklärt nicht. Es lässt spüren. ╰ 🌟 𝗕𝗘𝗪𝗘𝗥𝗧𝗨𝗡𝗚 ★★★★☆ Bis zum nächsten Buchmoment 📚✨ Jeanette

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
11. Feb.
Rating:4

Interessante Geschichte über die Zeit in den dreißiger und vierziger Jahren im Triest, die Verflechtungen mit Slowenien, Jugoslawien, etc. gutgeschrieben Bambino ist grausam. Ein Nutzniesser seiner Zeit, manchmal kaum auszuhalten und die Rache am Horizont immer zu fühlen. Ihm gegenüber steht die Figur des Vaters, die Suche nach der Mutter, der Verlust seines Freundes und der damit Verlust der Menschlichkeit. Es hat mir gut gefallen zu lesen, aber hat mich nicht immer zu 100 % abgeholt aber auf jeden Fall lesenswert, dass die Stadt und die Geschichte sehr gut darstellt.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
28. Jan.
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Rating:5

BAMBINO von MARCO BALZANO, erschienen im Diogenes Verlag, 256 Seiten (Printausgabe), erschienen am 21. Januar 2026, aus dem Italienischen von Peter Klöss ✨ Große Leseempfehlung ✨ Autorenportrait: Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello. Mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand. Übersetzer: Peter Klöss, geboren 1962, lebt in Köln. Er übersetzt seit mehr als dreißig Jahren Romane und Sachbücher aus dem Italienischen und Englischen, darunter Raffaella Romagnolo, Michele Serra, Carlo Lucarelli und Suzanne Collins. Mein Leseeindruck: Triest im Jahre 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde, aufgrund seines schmächtigen Aussehens nennt man ihn Bambino, doch seine Schläge und seine Aggressivität sind gefürchtet. Immer für ihn da sein Vater, der Uhrmacher und Antifaschist, ihm aber nicht verraten will, wer seine leibliche Mutter ist, etwa eine Slowenin oder doch eine Kroatin? Diese Frage quält den jungen Mann und er geht auf die Suche, fühlt sich verloren, mutmaßt, verdächtigt, die Wut in ihm wird immer größer, gegen sich, gegen andere. Irgendwann wendet sich das Blatt für ihn im Zuge des zweiten Weltkrieges. - Faszinierend erzählt Balzano anhand einer fiktiven Figur, die er eng mit länderübergreifenden, historischen Ereignissen verknüpft. Lässt den Leser mit gutem Gespür in die Geschichte eintauchen, mitleiden, in die Zeit, den Mensch Mattia, das Land Italien und dessen Peripherie. Lebendig, soghaft, klug. Das Zusammenspiel von Cover, Struktur und Übersetzung finde ich äußerst geglückt. Fazit: Große Empfehlung für dieses Buch, unbedingt lesen! #bookstagramde @_claudiax_liest_ #bambino #diogenesverlag #marcobalzano #lesetipp

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
25. Jan.
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Marco Balzano legt mit „Bambino“ einen schonungslosen Roman vor, der tief in die dunkle Geschichte Triests und Europas im 20. Jahrhundert eintaucht. Im Zentrum steht Mattia, genannt „Bambino“ – ein junger Mann, bartlos im Gesicht, aber früh verhärtet durch Gewalt, Ideologie und Hass. Er ist Faschist der ersten Stunde, gefürchtet für seine brutalen Schläge, innerlich jedoch von einer quälenden Leerstelle gezeichnet: der Ungewissheit über seine Herkunft und insbesondere über seine Mutter, deren mögliche slowenische Wurzeln sein Weltbild ins Wanken bringen könnten. Balzano erzählt die Geschichte Triests von den späten Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit der 1940er-Jahre hinein. Dabei gelingt ihm ein eindrucksvolles Porträt einer kosmopolitischen Grenzstadt, deren Identität seit Jahrhunderten von kulturellen, sprachlichen und politischen Spannungen geprägt ist. Triest, Friaul und Istrien werden nicht nur als Schauplätze, sondern als seelische Landschaften beschrieben, in denen Ideologien, Nationalismen und persönliche Traumata aufeinanderprallen. Besonders stark ist der Roman dort, wo er keine einfachen Schuldzuweisungen vornimmt. Die Gewalt des Faschismus, die Grausamkeiten des Krieges und das Trauma der Foibe werden nicht eindimensional geschildert, sondern aus italienischer wie auch aus slawischer Perspektive beleuchtet. Balzano zeigt, wie schnell sich Opfer- und Täterrollen verschieben können – wie der Gewinner von heute zum Verlierer von morgen wird. Diese Ambivalenz macht „Bambino“ zu einem moralisch anspruchsvollen Buch, das sich weigert, der Leserschaft einfache Antworten zu liefern. Mattia selbst ist eine zutiefst unmoralische, dunkle Figur. Er ist kein Held, sondern ein Produkt seiner Zeit, seiner Erziehung, seiner Verdrängung. Gerade darin liegt die Stärke des Romans: Balzano zwingt uns, einem Protagonisten zu folgen, der schwer auszuhalten ist, und macht sichtbar, wie Ideologie den Menschen entmenschlicht. Der Krieg verwandelt ihn – und viele andere – in etwas, das schlimmer erscheint als ein Tier, weil es denkend Grausamkeit begeht. Stilistisch ist „Bambino“ präzise, dokumentiert und akribisch recherchiert. Manche Leser*innen mögen bemängeln, dass die Handlung stellenweise nicht an Fahrt aufnimmt, doch diese Nüchternheit passt zur Geschichte: Sie unterstreicht die bleierne Schwere einer Zeit, in der Moral und Menschlichkeit Stück für Stück zerfallen. „Bambino“ ist kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Es ist spannend, traurig und grausam, hinterlässt Bitterkeit und Nachhall. Vor allem aber fordert es dazu auf, über Identität, Verantwortung und die menschliche Natur nachzudenken – und darüber, was geschieht, wenn wir unsere Denkfähigkeit nicht nutzen, um menschlich zu handeln. Ein großartiger, eindringlicher Roman, der gelesen werden sollte. Aus dem Italienischen von Peter Klöss.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
22. Jan.
Rating:3

Italienische Geschichte grandios erzählt

Ein Buch über Triest und seine Einwohner „Bambino“, mit bürgerlichem Namen Mattia Gregori, erhält seinen Spitznamen aufgrund seines kindlichen Gesichts und seines fehlenden Haarwuchses. Als junger Mann entdeckt er, dass seine Mutter nicht seine leibliche ist, doch sein Vater weigert sich, ihm die Identität seiner wahren Mutter zu verraten. Auf der Suche nach ihr gerät er auf die schiefe Bahn, schließt sich zunächst den Faschisten an, zieht dann in den Krieg gegen Griechenland und kooperiert schließlich mit der SS. Als Tito die Stadt übernimmt, muss er für seine Gräueltaten büßen und wird gefangen genommen. Auch dort gelingt ihm die Flucht, allerdings nur unter der Bedingung, dass er ehemalige Faschisten denunziert. Was ihm noch alles widerfährt, müsst ihr selbst herausfinden. Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die Geschichte Triests, was mir sehr gut gefallen hat. Bambino fand ich schrecklich unsympathisch, aber das soll er wahrscheinlich auch sein. Wie kann jemand, der solche Taten verübt, nett sein? Wieder einmal ist es Marco Balzano gelungen, ein spannendes Buch über einen Teil italienischer Geschichte zu schreiben, das den Leser von der ersten Zeile an fesselt. Ich empfehle es allen, die sich für Geschichte und Italien interessieren, wärmstens weiter.

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes
21. Jan.
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Rating:4

BAMBINO Marco Balzano ET: 21.1. 2026 Triest, 1920 – eine Stadt im Umbruch, eingeklemmt zwischen Nationen, Ideologien und verletzten Identitäten. Hier wächst Mattia Gregori auf, der Sohn eines Uhrmachers und seiner Frau Donatella. Der ältere Bruder hat die politischen Spannungen früh erkannt und ist nach Amerika ausgewandert, Mattia hingegen bleibt zurück: haltlos, wütend und ohne klare Perspektive. Schon als Schüler fällt er durch seine Aggressivität auf. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und fühlt sich von seinen Kameraden nicht ernst genommen. Sie verspotten ihn als „Bambino“, wegen seines kindlichen Aussehens, der glatten Haut und des fehlenden Bartwuchses. Nur ein einziger Freund hält zunächst zu ihm, doch auch dieser wendet sich ab, nachdem Mattia sich weigert, einen Ertrinkenden zu retten. Ein ehrbares Leben kommt für Mattia nicht infrage. Den Wunsch seines Vaters, ihn in die Uhrmacherlehre zu geben, quittiert er mit Hohn. Stattdessen stiehlt und betrügt er, zunehmend getrieben von Frustration und Gewaltbereitschaft, bis er schließlich bei den Schwarzhemden landet, den italienischen Faschisten, die gezielt gegen Slowenen an der Grenze und gegen Kommunisten vorgehen. „Mir kam es vor, als dächten alle, ich würde mich nicht genug anstrengen, deshalb schlug ich umso heftiger zu.“ (S. 55) Mattia ist überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Scham seines antifaschistischen Vaters, dessen Ablehnung seines Faschistendaseins und dessen düstere Prophezeiungen blendet er aus. Er sieht nur den Aufstieg der Partei und versteht nicht, warum sich sein Vater weigert, ihr beizutreten. Als Donatella ihm auf dem Sterbebett offenbart, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist, verliert Mattia den letzten Halt. Getrieben von einer immer stärkeren Besessenheit macht er sich auf die Suche nach seiner Herkunft. Moralische Grenzen existieren für ihn längst nicht mehr, jedes Mittel scheint ihm gerechtfertigt. Marco Balzano gelingt es erneut, eine fiktive Biografie eng mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Die Geschichte Triests und die gewaltsame Verdrängung der slowenischen Bevölkerung waren mir in dieser Deutlichkeit nicht bekannt, umso dankbarer war ich für diese literarische Annäherung an ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte. Balzanos bildhafte, eindringliche Sprache entfaltet eine große Sogwirkung. Man liest wie im Rausch, obwohl – oder gerade weil – Mattia ein zutiefst unsympathischer Protagonist ist: ein Mensch, dem man im wirklichen Leben aus dem Weg gehen würde und der einen dennoch bis zur letzten Seite fesselt. Fazit: Ein weiteres sehr gutes Buch von Marco Balzano. Lebendig erzählt, historisch aufgeladen und psychologisch präzise. Für mich ein wichtiges Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen möchte. 4/5

Bambino
Bambinoby Marco BalzanoDiogenes