Informativ, eigenwillig, nicht immer rund
Norman Ohler nimmt sich mit diesem Buch eines der berühmtesten Werke der deutschen Literatur an und erzählt Entstehung, Wirkung und Hintergründe von Thomas Manns Zauberberg neu – und das auf seine ganz eigene, sehr moderne und manchmal gewagte Art. Der Inhalt bewegt sich zwischen Biografie, Werkdeutung, Zeitgeschichte und persönlichen Abschweifungen. Ohler beleuchtet, wie Mann den Roman unter dem Eindruck der Tuberkulose-Sanatorien, des Ersten Weltkriegs und eigener Familiengeschichten schuf. Immer wieder streut er Episoden über damalige medizinische Praktiken, politische Umbrüche und literarische Entwicklungen ein. Dadurch entsteht ein weiter Blick auf die Welt, in der Der Zauberberg entstanden ist. Was mir dabei gefallen hat: Der Rahmen ist stimmig, vieles ist interessant recherchiert, und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, welche Kräfte Thomas Manns Arbeit beeinflussten. Einzelne Passagen sind wirklich spannend – besonders, wenn Ohler tief in die historischen Details eintaucht oder unerwartete Zusammenhänge aufzeigt. Was mich jedoch gestört hat: Die Mischung wirkt manchmal seltsam und etwas wirr. Ohler springt zwischen Themen, Zeiten und Tonlagen hin und her. Mal ist es fast eine Sachbuchbiografie, dann essayistisch, dann wieder sehr persönlich erzählt. Diese Stilwechsel reißen einen gelegentlich aus dem Lesefluss. Manche Übergänge fühlen sich nicht ganz ausgereift an, sodass man sich fragt, wohin das Buch gerade will. Fazit: Ein interessantes, aber Meinung nach nicht immer rundes Buch. Der Ansatz ist originell, der Blick auf Manns Werk lohnend – aber durch die teils wilde Mischung verliert es zwischendurch an Klarheit. Wer sich für Thomas Mann, Literaturgeschichte oder ungewöhnliche Sachbuchformen interessiert, findet trotzdem viele spannende Momente.






