12. Juni
Rating:1

Die Sprache in "Sie und der Wald" ist wirklich schön – sehr bildhaft und poetisch. Man merkt, dass viel Gefühl in den Gedanken der Autorin steckt. Es gibt viele warme und nachdenkliche Stellen, die mir gut gefallen haben. Trotzdem habe ich keinen richtigen Zugang zum Buch gefunden. Die Erzählung springt oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was es mir schwer gemacht hat, der Geschichte zu folgen. Das wirkte auf mich etwas wirr und ungeordnet. Ich habe das Hörbuch nur bis zum Ende gehört, weil ich ein Fan von Agnes Mann bin – ihre Stimme hat mich drangehalten. Ohne sie hätte ich wahrscheinlich abgebrochen.

Sie und der Wald
Sie und der Waldby Anaïs Barbeau-LavaletteDiogenes
17. Nov.
Rating:3.5

Im dichten Urwald

Eine Mutter zieht sich während der Pandemie mit ihrer Familie, 5 Kinder und dem Ehemann in die Wälder Kanadas zurück, in das Blaue Haus, dass ihrer Familie gehört. In dem Rückzug wird der Blick stark auf Details konzentriert, auf Gegenwärtiges, aber auch auf Vergangenes, auf wunderbare Natur und auf einige Menschen aus der Umgebung. Die Sprache ist poetisch und reich, scheint nun freie Räume willig einnehmen zu wollen. Es sprudelt nur so aus der Erzählstimme heraus, sehr viele, oft kunstvoll gesetzte Worte. Trotz der so schönen Sprache empfand ich es als mühsam, Anais Barbeau-Lavalette zu folgen. Zu schnell wechselt sie von detaillierten Naturbeschreibungen zu scheinbar zusammenhangslosen Erzählsträngen über Menschen, von denen man noch nie gehört hat und die auch nicht erklären, warum sie nun gerade auftauchen. Die Autorin zwingt uns so, ihr Wort für Wort zu folgen, in der Hoffnung, der Erzählung folgen zu können. Oft ist es mir nicht gelungen. Der ganze Sinn der Geschichte erschliesst sich mir bis zum Schluss nicht ganz. Nur, dass eine schöne Sprache zeigt, was sie kann. Die Geschichte ist zu reich, zu dicht, wie Dickicht in einem Urwald, durch den man sich durchkämpfen muss. Dies Buch ist sicher ein Kunstwerk, aber es zwingt, es in Raten zu konsumieren.

Sie und der Wald
Sie und der Waldby Anaïs Barbeau-LavaletteDiogenes
19. März
Ein schönes Snackbuch für zwischendurch, welches zum nachdenken anregt.
Rating:3.5

Ein schönes Snackbuch für zwischendurch, welches zum nachdenken anregt.

📌 "Wer sich mit der menschlichen Evolution befasst, stellt schnell fest, dass wir vor allem aus Verletzlichkeit soziale Wesen geworden sind. Um nicht zu sterben, brauchen wir die anderen." - S. 21 Zwischen Erinnerungsfragmenten und Gegenwartserlebnissen erfahren wir in kraftvoller, poetischer Sprache vom Leben der Erzählfigur Anais', die den Lockdown mit ihrer Familie zurückgezogen in einem Häuschen im Wald verlebt. Während der neue Alltag von der Natur geprägt ist/wird, geht das Leben dennoch seinen Gang. Verluste sind zu verschmerzen - in der Vergangenheit, wie in der Jetzt-Zeit. Menschen sterben und trauern. Früher sowie heute. Die veränderte Umgebung und die anderen Lebensumstände regen an, sich zu reflektieren. Hier wird Einblick in sehr persönliche Schilderungen der Autorin gewährt. Die Autorin versteht es alltägliches so poetisch zu verschriftlichen, dass man A) die Kleinigkeiten nach dem lesen wieder zu schätzen weiß, B) seinen Liebsten sagen möchte, wie sehr man sie im Herzen trägt und C) die (Rückzugs-) Möglichkeiten der Natur zu schätzen weiss.

Sie und der Wald
Sie und der Waldby Anaïs Barbeau-LavaletteDiogenes