Ich bin ein großer New York Fan. Daher habe ich mich gefreut, als ich auf dieses Buch über den Erschaffer des Central Parks gestoßen bin. Es beginnt im Jahr 1903 mit der Ermordung von Andrew Green und springt dann immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Es ist gut geschrieben und gibt einen guten Eindruck und Überblick über das Leben von Green.
Hatte er es nicht vielleicht, je nachdem, wie man es betrachtete, verdient zu sterben? Oder von der anderen Seite aus betrachtet: Hätte er es wirklich verdient, am Leben zu bleiben?
Ein Mann stirbt mit zwanzig Jahren, und es ist eine große Schande. Er stirbt mit dreißig oder vierzig und ist uns viel zu früh genommen worden. Aber wenn jemand das hohe Alter von dreiundachtzig Jahren erreicht, wendet sich der Blick nach dem Schock am Ende in die andere Richtung, selbst in einem Mordfall. Dann lautet die eigentliche Frage:
Wie um alles in der Welt hat er so alt werden können?
- Zitat, Seite 81
"Der beste amerikanische Roman des Jahres", jubelt The Guardian auf der Rückseite des Romans. Der beste amerikanische Roman von 2021, aus der Feder eines englischen Schriftstellers: Jonathan Lee ist 1981 in Surrey, England geboren, studierte Literatur und arbeitete in einer Anwaltskanzlei in London und Tokio und ist mittlerweile für einen New Yorker Verlag tätig.
Und seiner aktuellen Wahlheimat New York hat er mit diesem Roman auch ein Denkmal gesetzt. Oder hat er durch dieses Werk auf ein (vergessenes) Denkmal aufmerksam gemacht?
Auf jeden Fall beruht der Roman auf der Lebensgeschichte von Andrew Haswell Green, der als "Father of Greater New York" Stadtgeschichte mitgeschrieben hat. Ohne ihn wären Projekte wie der Central Park, das Museum of Modern Art oder auch die York Publish Libary undenkbar.
Und diese renommierte Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts wird am Freitag, 13. November 1903, mitten am Tage beim Nachhauseweg auf offener Straße erschossen.
Doch weniger die Umstände des Mordes sind Gegenstand dieses Buches, sondern die ungewöhnliche Biografie des Ermordeten. Außerdem wird eine Frau in den Fokus gerückt, die in direktem Zusammenhang mit der Tat in Verbindung steht und tatsächlich zu Anfang des 20. Jahrhunderts die reichste schwarze Frau der Welt war.
Am Rande wird dann natürlich auch ermittelt, wobei das Rüsseltier auf dem Cover eine gewisse (Neben-)Rolle bei der Polizeiarbeit spielt.
Jonathan Lee hat einen unglaublich eleganten und präzisen Schreibstil. In seinen wohlformulierten Sätzen ist nicht ein Wort zu viel. Und obwohl sein Stil eher zurückhaltend ist, was wunderbar zur Hauptfigur passt, schildert er Szenen und zwischenmenschliche Interaktionen mit der erforderlichen Komplexität und auch so plastisch, dass man ein dreidimensionales Bild erhält.
Dieser New York Roman ist eine elegante Lektüre, die das Portrait eines besonderen Menschens als Grundlage hat.
FAZIT
Als der junge Andrew in die große Stadt kommt und unter menschenunwürdigen Bedingungen haust und arbeitet, hat mich die Geschichte ein wenig an Oliver Twist erinnert und ich habe schwer mitgelitten. Wahrscheinlich hat mich deshalb die Szene, als der reiche junge Mann, Samuel Tilden, den Laden betritt, indem Andrew arbeitet, wie den Protagonisten verzaubert. Und ich konnte diesen feinen grünen Mantel, den Samuel dort liegen lässt, deutlich vor mir sehen...
Auch die Geschichte von Hannah Elias, oder Bessie Davies, war interessant als Sidekick.
Und ich war zwar niemals in New York, aber falls ich in diesem Leben doch zufällig dort ankommen sollte, würde ich auf jeden Fall der Marmorbank, die zur Erinnerung an Andrew Haswell Green, im Central Park steht, einen Besuch abstatten.
Jonathan Lee beschreibt die Geschichte von Andrew Green, Anwalt und Stadtplaner. Green ist es zu verdanken, dass es den Central Park, verschiedene Museen und den Zusammenschluss zu Greater New York gab.
Zur Handlung: Green wird an einem Freitag den 13. im Alter von 83 Jahren erschossen. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen Krimi handelt.
In der Erzählung nährt sich Lee über zwei zeitliche Ebenen diesem Ereignis an. Wir erfahren viel über die Kindheit Greens in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land, seinen Anstrengungen, um aufzusteigen, seiner Neugier und seine Liebe zu Männern, die in dieser Zeit natürlich keine Chance hatte. Auf der anderen zeitlichen Ebene wird die Zeit nach dem Mord betrachtet. Wir werden Zeug*innen der Mordermittlungen, bekommen Einblicke in rassistische Denkweisen und das gesellschaftliche Leben und die Herausforderungen um 1900 in New York.
Der Schreibstil ist nüchtern und doch an manchen Stellen auch witzig. Er passt definitiv in die Zeit, in der die Handlung spielt. Ein großes Kompliment an Werner Löcher-Lawrence der die Übersetzung verantwortet.
Ich habe das Buch gerne gelesen und habe einiges zu New York erfahren. Bitte nicht während des Lesens nach Andrew Green googeln. Den Fehler habe ich gemacht und hatte das Motiv zum Mord dann schnell aufgeklärt.😄
Biographischer Roman trifft Krimi mit viel Witz und Humor. Jahrhundertwende News York, versteckte Homosexualität bei Personen des öffentlichen Lebens.
Flacht gegen Ende der Geschichte etwas ab, aber gut zu lesen.
Ein super interessantes Thema und der Schreibstil ist eigentlich auch ganz angenehm.
Was mich aber total irritiert hat, ist der nicht chronologische Verlauf der Geschichte und der ständige Perspektivenwechsel… denn all das musste man als Leser selbst herausfinden und in der Storyline zeitlich einordnen… das war sehr anstrengend und hat den Lesefluss gestört ^^
Hätte ein bisschen mehr Pepp und Erklärungen haben können
Der große Fehler
Jonathan Lee
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
Kennt ihr den Mann, der New York zu dem gemacht hat, was es heute ist? Ich meine den Begründer des 'Greater New York’s', der Mann, der für den Zusammenschluss der einzelnen Bezirke Brooklyn, Manhattan, Staten Islands (damals Richmond), Bronx und Queens, dem heutigen New York, wie wir es kennen, verantwortlich ist? Der Planer des Central Parks? Der Erbauer der New York Public Library? Er war Anwalt, Stadtplaner und Visionär. Bruder von zehn Geschwistern, geboren 1820, als Sohn einer armen Bauernfamilie.
Darf ich vorstellen:
Andrew Haswell Green. Er wird an einem Freitag, den 13., im Alter von 83 Jahren, auf offener Strasse erschossen. Zeugen gab es reichlich, den Täter verhaftete man umgehend. War es ein Versehen, ein geplanter Mord oder ein großer Fehler?
Inspector McClusky wird mit diesem Fall beauftragt.
Wer jetzt einen normalen Krimi erwartet, liegt hier völlig falsch. Es ist ein Roman. Fakten treffen hier auf Fiktion.
Lee erzählt die Geschichte Greens auf zwei Zeitebenen:
Die erste Geschichte beginnt bei Greens Tod und die andere bei seiner Geburt.
Lee schreibt in einer wundervollen Sprache, ich fühlte mich ins 19. Jahrhundert katapultiert, so müssen Gentlemen gesprochen haben, dabei kommt Lee vom Hölzchen aufs Stöckchen. Mal sind die Sätze kurz, mal wollen sie nicht enden, dabei ist er skurril, humorvoll, ernst und detailliert. Es ist ein anspruchsvolles Buch, eines was Zeit verdient.
Feine Literatur für alle, die sich mal auf einen 'großen Fehler' einlassen wollen.
Der große Fehler von Jonathan Lee ist ein ungewöhnliches Buch. Erzählt wird die Geschichte von Andrew Haswell Green. Er ist heutzutage fast gänzlich vergessen, sein Werk kennt jedoch jeder: Green ist der Schöpfer von Greater New York, des Central Parks, der New York Public Library und vieler weiterer Gebäude. Am 13. November 1903 wurde er auf offener Straße erschossen, ein Mord der viele Rätsel aufgab.
Der große Fehler ist ein literarischer Krimi, bei dem natürlich das Motiv des Täters (der von Beginn an bekannt ist) eine Rolle spielt. Es ist allerdings eine untergeordnete. Denn viel interessanter ist eigentlich die Lebens- und auch Liebesgeschichte von Andrew Green. Vom kleinen Ladegehilfen wurde er zu einem der prägendsten Männer dieser riesigen Stadt. Seine Fehler sind eher die vertanen Chancen, es geht aber auch um große Missverständnisse.
Jonathan Lee hat einen besonderen historischen Roman geschrieben, wie man ihn nur selten findet. Große Leseempfehlung von mir!
Wieso wurde Andrew Green, der Vater des New Yorker Central Park, auf offener Straße erschossen? Interessante Mischung aus Fiktion & Realität
Er stand auf und nahm sein Leben in die Hand...
... denn andernfalls hätte die Diskussion der Politiker:innen über die Schaffung eines neuen Parks inmitten der Stadt New York womöglich noch viele Stunden angedauert. 'Zu teuer' rief der eine, 'haben wir doch schon' klang es aus einer anderen Ecke. Andrew Green, Zuhörer in dieser Diskussionsrunde und weitgereister Baumeister, fasste sich ein Herz und stand auf. Er überzeugte alle Anwesenden von den Vorteilen eines durch ihn realisierten Großparks. Seine persönliche Lebensgeschichte floss ebenso in die Planung und Realisierung ein, wie seine Moral- und Gerechtigkeitsvorstellungen. Und so war er es, der die Eingänge zum Park nach 'ganz normalen Menschen' benannte - und nicht nach berühmten Persönlichkeiten. Wieso also wurde er, der Schöpfer der grünen Lunge New Yorks, auf offener Straße erschossen? Dieser Frage geht Jonathan Lee nach und erzählt aus zwei geschichtlichen Perspektiven. Insgesamt ein interessantes Buch über Green und New York.
Biographischer Roman trifft Krimi mit viel Witz und Humor. Jahrhundertwende News York, versteckte Homosexualität bei Personen des öffentlichen Lebens.
Flacht gegen Ende der Geschichte etwas ab, aber gut zu lesen.