Rating:4.5★
Für jeden der "Den Buchspazierer" und "Windstärke 17" mochte
Eigentlich war ich eher mit einem schlechtem Gefühl an dieses Buch herangegangen, da es mir einmal aufgedrückt wurde zum Lesen von einer Verwandten, und ich mir ziemlich sicher war, dass es mir nicht gefallen würde, da es so aussah als würde es nicht in meinen normalen Lesegeschmack passen. Allerdings wurde ich sehr positiv überrascht. Die ersten 130 Seiten empfand ich einfach als schwierig, das kann aber auch daran liegen, dass ich die Perspektive aus der in dem Teil geschrieben wurde, nicht leiden konnte, doch konnte ich trotzdem viel aus diesem Abschnitt über die Trennung von Deutschland mitnehmen, dass ich so nicht gewusst habe, hier aber eher im Sinne der Emotionen. Als es dann weiter ging, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil ab hier die rechte Szene stark beleuchtet wurde, was ich als wichtige Thematik verstehe. Nicht nur in diesem Buch sondern auch in unserer Gesellschaft werden Radikale immer sichtbarer, egal ob rechts oder links, deswegen finde ich solche Werke wie "Die Enkelin" auch so wichtig, da sie belehrend sind. Ich könnte noch so viel mehr schreiben, inwiefern ich das Buch inspirierend fand oder welche Interpretationen und Gedankengänge ich an bestimmten Stellen hatte, aber dann würde dies Rezension eher wie eine Klassenarbeit im Deutschunterricht mit dem Thema Analyse eines fiktionalen Textes enden. Deswegen gehe ich zum nächsten Punkt über: Es ist mein erstes Buch von Bernhard Schlink und ich bin auch hier positiv von seinem Schreibstil überrascht, anfangs musste ich bei den verschachtelten Sätzen immer ein wenig nachdenken, ob da jetzt ein Grammatikfehler vorliegt oder ob dies eine möglich Schreibweise ist, aber mit der Zeit konnte man alles schön im Fluss lesen. Die Charaktere waren sehr nah aufgebaut und ich konnte viele Parallelen zum wirklichen Leben im Osten erkennen, auch wie die damalige Trennung sich bis jetzt auswirkt. Das hierbei jeder Charakter vertieft wurde, zum Beispiel durch die Liebe zu Büchern, das Klavierspielen oder einer rebellischen Phase, hat den Menschen dahinter unterstrichen. Ich würde hierbei sagen, dass solche Bücher eher Schullektüre sein sollten als "Emilia Galotti", denn ich denke Jugendliche die radikale Tendenzen haben, könnten hier auch einmal eine andere Sichtweise erhalten, genauso wie jeder andere Schüler. Denn dieses Buch ist gut geschrieben, aufgebaut und kann Gefühle nicht nur aufnehmen, sondern auf den Leser übertragen.
Die Enkelinby Bernhard SchlinkDiogenes