
🪟⚖️ Wenn gute Absichten nicht reichen
Mit “In Sachen Signora Brunetti” liefert Donna Leon einen Band ab, der mich zwiegespalten zurücklässt. Das Thema Sextourismus ist wichtig und die Wut darüber absolut nachvollziehbar, doch gerade Paolas Umgang damit hat mich oft mehr frustriert als überzeugt. Ihr Handeln wirkte auf mich häufig unüberlegt und naiv, obwohl die möglichen Folgen für Brunetti, ihre Familie und andere Beteiligte eigentlich auf der Hand liegen. Dazu kamen einige Diskussionen, bei denen ich mehr als einmal die Augen verdreht habe. Der eigentliche Fall war zudem stellenweise etwas verwirrend und hat mich nicht durchgehend gepackt. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen. Die Geschichte entwickelt sich in eine andere Richtung, als ich zunächst erwartet hatte, und die Geheimnisse hinter dem eigentlichen Fall fand ich teilweise interessanter als den ursprünglichen Auslöser. Was für mich am Ende am besten funktioniert hat, war die Beziehung zwischen Brunetti und Paola. Auch wenn es ordentlich kriselt, spürt man den Zusammenhalt und die gegenseitige Verbundenheit. Nicht der stärkste Brunetti-Band, den ich bisher gelesen habe, aber definitiv ein lesenswertes Buch mit interessanten moralischen Fragen und Figuren, über die man sich noch lange Gedanken macht.





