
"Glauben Sie mir, Don Sylvio, die Urheber der Feen-Mährchen und der meisten Wunder-Geschichten haben so wenig im Sinn, klugen Leuten etwas weiß zu machen , als ich es haben könnte; ihre Absicht ist die Einbildungs-Kraft zu belustigen ..." (S. 398/399) Genauso hat es Christoph Martin Wieland (1733-1813) hier auch mit seinem ganz eigenen Feenmärchen gehalten. Er hat den Leser*innen eine amüsante Geschichte geschenkt. Sein Buch erzählt die Geschichte des jungen Edelmannes Don Sylvio aus Spanien, der zusammen mit seinem treuen Diener Pedrillo auszieht, um seine Prinzessin zu retten. Die Prinzessin, so glaubt er, sei von einer bösen Fee in einen blauen Schmetterling verwandelt worden. Auch die anderen Begenbenheiten ihres Abenteuers schreibt der junge Held den magischen Kräften der Feen zu, da er in seiner Kindheit abgeschieden von der Welt zu viele Feenmärchen gelesen hat. Am Ende der Geschichte wird Don Sylvio zwar von seinem Glauben an die Feenwelt geheilt, findet aber dennoch seine Prinzessin. Christoph Martin Wieland ist neben Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe eine der Größen der deutschen Klassik. Seine Geschichte über Don Sylvio hat mich gut unterhalten. Ich fand sie, gerade auch durch Pedrillos Verdienst, witzig, ansprechend und kurzweilig. Die altdeutsche Sprache und der Satzbau waren in meinen Augen für das Lesevergnügen kein Hindernis, da ich mich nach nur wenigen Seiten an sie gewöhnt hatte. Auch die Verweise in die grieschiche bzw. römische Mythologie habe ich nicht als störend empfunden. Ein wenig Kenntnis derselben macht das Lesen aber vermutlich einfacher. Zudem verwendet Wieland als weißer Mann seiner Zeit Begriffe wie zum Beispiel "Frauenzimmer" oder "Mohren", die ich aufgrund der negativen oder rassistischen Konnotation nicht in Ordnung finde. Ist die lesende Person sich dessen aber bewusst, kann die Geschichte dennoch gute Unterhaltung bieten.
