
Müde, unsichtbar, ausgebrannt - 'Ein verlassenes Haus' von Lisa Wölfl hat mich tief berührt. Schon das Cover ist ein absoluter Hingucker, und die Bedeutung des Titels entfaltet im Laufe der Geschichte eine bedrückende, aber unglaublich starke Wirkung. Sonja und Harald versuchen, mit zwei Kindern und schlecht bezahlten Jobs irgendwie über die Runden zu kommen. Doch als Haralds Arbeit wegen seiner gesundheitlichen Beschwerden auf der Kippe steht und Sonja nach einem Notfall ihren Job verliert, gerät ihr ohnehin fragiles Leben endgültig ins Wanken. Existenzängste und gesellschaftlicher Druck werden zur täglichen Belastung. Besonders eindringlich zeigt der Roman, wie Sonja zunehmend an der unbezahlten Care-Arbeit, den Sorgen um ihre Familie und dem ständigen Geldmangel zerbricht. Sie verliert sich selbst, wird unsichtbar - "der Körper wie ein verlassenes Haus". Als eine alte Bekannte ihr den Tipp gibt, gegen Bezahlung mit Männern zu chatten, scheint das plötzlich ein Ausweg zu sein. Doch auch das bringt neue Konflikte mit sich, besonders in ihrer Ehe. Dieses Buch erzählt ehrlich und ungeschönt von weiblicher Selbstaufgabe, von Liebe und dem schleichenden Gefühl des Entliebens, von Überforderung, Sehnsucht und dem Wunsch, endlich wieder gesehen zu werden. Trotz der schweren Themen schafft es die Autorin immer wieder, feine humorvolle Momente einzubauen, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Ich mochte 'Ein verlassenes Haus' und seine Figuren wirklich sehr und spreche von Herzen eine Leseempfehlung aus. 📚✨️




