Tolle Einführung in die Welt von oasis, einfach geschrieben
"Oasis haben Menschen auf der Suche nach Lebenssinn eine Stimme gegeben - eine manchmal schwer verständliche vielleicht, ganz gewiss eine teils unflätige." (S. 100) Hm ... Begeisterung klingt anders, wenn man vor Liebe für eine Band brennt. Im Falle dieses kleinen Reclam-Hefts über Oasis bleibt das Feuer jedenfalls aus – zumindest für alle, die mehr erwarten als eine nüchterne Aufbereitung. Natürlich ist es kein Leichtes, auf knappem Raum die Geschichte einer so großen Band zu erzählen. Aber wenn ich eine (wenn auch kurze) Biografie über meine Lieblingsband lese, möchte ich vor allem unterhalten werden und nicht zum x-ten mal den "Battle of Britpop" zwischen Blur und Oasis durchkauen. Genauso wenig möchte ich auf jeder Seite ihre schlechtesten Lyrics um die Ohren gehauen bekommen. "I'm feeling supersonic. Give me gin and tonic." Wer braucht schon Sinnhaftigkeit, wenn er ein Gefühl bekommen kann (s. Eingangszitat)? Denn genau darum geht es: um das Gefühl. Habt ihr schon mal erlebt, wie sich in Sekundenschnelle ein ganzer Chor erhebt, sobald eine einzige Person die Zeile "And so, Sally can wait ..." anstimmt? Dieses Gefühl zu transportieren, gelingt dem Autor dieser 100 Seiten leider nicht. Im Gegenteil - es ist blutleerer Journalismus, mit dem er die bekannten Eckdaten der Bandgeschichte, Analysen des Artworks der Albumcover sowie Chart-Statistiken runterleiert - wenig neues ... oder um es mit Liam zu sagen: "Tell us something we don't know." Oasis bieten eine enorm breite Angriffsfläche sowie reichlich Negativpunkte auf ihrer Karma-Liste. Geschenkt. Die letzten Seiten dieser knappen Abhandlung aber mit ihren "originellsten Beschimpfungen" zu füllen, ist einfach lahm und wird Oasis in keinster Weise gerecht. Einer Band, die den Zeitgeist der 90er Jahre verkörpert wie keine andere. Und dann gibt er schließlich auch noch zu, dass er sich erst 1998 beim zweiten Hinhören, mit vier Jahren Verzögerung, am Ramschtisch eines Drogeriemarkts in die Band verliebte. Nachdem er jahrelang Blur-Fan war ... Oh, c'mon, mate! Der Vollständigkeit halber dürfen die "100 Seiten - Oasis" in meinem Regal stehenbleiben.

