Arthur Schnitzler kreiert in ,,Anatol" eine große Komik, indem er seinen Protagonisten immer wieder auflaufen lässt. Schnitzler erzählt von der tiefen Unsicherheit eines Mannes, der ein großer Frauenheld ist, aber auch in allerlei Situationen gerät, in welchen er förmlich vorgeführt wird. Das Ego dieses Mannes, seine pessimistische Weitsicht, sein abwertendes Frauenbild - all das nimmt ,,Anatol" in seinen aneinandergereihten Einaktern auseinander und hält damit auch der Wiener Gesellschaft dieser Zeit den Spiegel vor. So ist in der ersten dieser Episoden nicht die mögliche Untreue der Frau das Problem, für Anatol würde es erst problematisch werden, wäre seine Geliebte ihm tatsächlich treu. Sein Weltbild wäre auf den Kopf gestellt. Und wenn eine seiner früheren Geliebten ihn, trotz der Tatsache, dass er ihr damaliges Zusammensein als ungemein magisch beschreibt, nicht wiedererkennt, ist er so gekränkt, dass er beleidigt schmollend den Raum verlässt.
9. Jan.Jan 9, 2026
Anatol. Anatols Größenwahnby Arthur SchnitzlerReclam, Philipp
