15. März
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Rating:3

Buchrezension zu „Angst“ von Stefan Zweig. Die Novelle „Angst“ von Stefan Zweig hat auf mich insgesamt einen gemischten Eindruck hinterlassen. Zu Beginn fand ich die Geschichte sehr interessant und spannend aufgebaut. Schon in den ersten Seiten wird deutlich, dass Irene Wagner ein Geheimnis hat, und diese Ausgangssituation hat meine Neugier geweckt. Zweig schafft es zunächst sehr gut, eine Atmosphäre von Unsicherheit und innerer Spannung zu erzeugen, die mich zum Weiterlesen motiviert hat. Im Mittelteil der Handlung empfand ich die Geschichte jedoch stellenweise als etwas langatmig. Die immer wiederkehrenden Begegnungen mit der Erpresserin und die ausführlichen Beschreibungen von Irenes Angstgefühlen wirkten auf mich teilweise wiederholend. Dadurch verlor die Handlung für mich zeitweise an Dynamik. Da es mein erstes Buch von Stefan Zweig war, hat mich außerdem der gelegentliche Stilwechsel beim Schreiben etwas irritiert. Teilweise wirkt der Text sehr analytisch und psychologisch, an anderen Stellen eher erzählerisch und dramatisch. Diese Mischung war für mich ungewohnt und hat den Lesefluss manchmal etwas unterbrochen. Den Plottwist am Ende der Geschichte fand ich grundsätzlich interessant. Die Auflösung, dass Irenes Mann die Erpressung selbst inszeniert hat, ist überraschend und gibt der Geschichte noch einmal eine neue Perspektive. Dennoch erschien mir das Ende in letzter Konsequenz nicht ganz glaubhaft. Besonders die schnelle Versöhnung zwischen Irene und ihrem Mann wirkte auf mich etwas konstruiert und weniger überzeugend. Insgesamt fand ich „Angst“ dennoch eine interessante Lektüre, vor allem wegen der intensiven Darstellung von Schuldgefühlen und innerer Unruhe. Auch wenn mich der Mittelteil und das Ende nicht überzeugen konnten, hat die Novelle gezeigt, wie stark Stefan Zweig die psychologischen Zustände seiner Figuren in den Mittelpunkt stellen konnte.

Angst. Textausgabe mit Kommentar und Materialien
Angst. Textausgabe mit Kommentar und Materialienby Stefan ZweigReclam, Philipp