Seine Stoffe sind herausfordernd, sein Vortrag ist es nicht minder. - Thomas Mann
Zwei starke Geschichten, die diskutiert werden willen. Brutal. Ich mag den Schreibstil, auch wenn man sich wirklich dran gewöhnen muss.
Seine Stoffe sind herausfordernd, sein Vortrag ist es nicht minder. - Thomas Mann
Zwei starke Geschichten, die diskutiert werden willen. Brutal. Ich mag den Schreibstil, auch wenn man sich wirklich dran gewöhnen muss.
Was zur Hölle
Diese Rezension bezieht sich einzig und allein auf ,,Die Marquise von O." Also...ich habe das Buch für meinen Deutsch-LK gelesen und bevor mir unterstellt werden könnte, dass ich es nur deswegen nicht mögen würde, muss ich betonen, dass ich grundsätzlich gerne Klassiker lese und viel Freude daran habe. Alleine der Gedanke an dieses Buch ruft allerdings Bluthochdruck bei mir hervor. Generell kann ich mich mit Kleist nicht so ganz anfreunden, aber mit dieser Erzählung hat er den Vogel abgeschossen! Verteidiger schreien laut "Emanzipation", aber von wirklicher Emanzipation kann man hier nicht reden. Natürlich lassen sich im Verhalten der Protagonistin vereinzelte Aspekte davon erkennen, wie das lossagen vom Elternhaus, allerdings wird diese ganze Entwicklung schlussendlich durch dieses furchtbare Ende zunichte gemacht. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass die Marquise den Grafen heiratet. Den gesellschaftskritischen Aspekt darin kann ich erkennen, aber warum brauchte es den letzten Einschub, dass sie in der Ehe schließlich doch glücklich wird? Das zerstört für mich diesen gesamten Gedanken von Emanzipation. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist für mich die intime Szene zwischen der Marquise und ihrem Vater...WARUM? Diese Szene hat keinen Nutzen und spielt keine weitere Rolle! Sie verwirrt den/die Leser*in nur! Ja, das wars eigentlich schon. Nicht zu empfehlen, außer ihr sucht nach einem guten Negativbeispiel. (schrecklich mit was für Schäußlichkeiten Schüler*innen gequält werden)
wo war die emanzipation???
Das Erbeben von Chili ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️Die Marquise von O… ⭐️⭐️⭐️
Also Erdbeben in Chili war etwas weniger weird aber ist beides etwas fragwürdig haha
Verwirrend und eher unverständlich.
Ich musste das Buch, beziehungsweise die Novelle für die Schuke lesen und fand es hat sich sehr gezogen, auch wenn die Novelle sehr kurz war. Die Sätze haben sich gezogen und man hatte das Gefühl, es würde kein Ende nehmen. Die meisten Sätze waren hypotaktisch aufgebaut, jedoch so ineinander verschlungen und mit so vielen Nebensätzen, dass man nicht mehr verstand, was man da liest. So wurde die Geschichte höchst unverständlich, sodass Werder Bindung, noch Verständnis für die Figuren aufgebaut werden konnte. Auch die Thematik war nicht sonderlich gut gestaltet.
Die zwei Erzählungen von Kleist können relativ schnell, gegebenenfalls leicht amüsiert, gelesen und danach abgewunken und vergessen werden. Man kann sich aber auch empören, was denn das für Sitten in der damaligen Zeit waren - Vergewaltigung, Inzest, Mord und Totschlag, wirklich outrageous. Was ich inzwischen jedoch gelernt habe ist, dass Kleist jedes Wort und jedes Satzzeichen bedachte (das Stichwort ist hier natürlich der berühmte Gedankenstrich in der “Marquise von O..”). Die Deutung des Werks kann sich daher durch Nuancen ändern, die Lesart sich um 180 Grad drehen. Während ich in Schulzeiten mit Michael Kohlhaas rang, waren diese beiden Erzählungen um einiges verdaulicher und dennoch nicht weniger gehaltvoll. Kleist gibt meisterhaft in kleinen Worten und Gesten Hinweise, wie das Geschriebene gemeint sein könnte und lässt dabei den Interpretationsraum weit offen. Handelt es sich bei der “Marquise von O…” nun um eine emanzipierte, selbstbestimmte Frau oder nur um ein weiteres Opfer der damaligen Gesellschaftsnormen? Für beide Seiten gibt es Argumente, die direkt aus dem Text belegt werden können. Mir hat das im Nachgang durchaus Spaß gemacht und ich kann an dieser Stelle den Podcast “Litpod” empfehlen, in dem Klaus und Christian das Werk beinahe Satz für Satz durchexerzieren (leider wird der Podcast wohl nicht mehr produziert, auf Spotify gibt es nur fünf Folgen). Das Erdbeben von Chili hat mir genauso Freude bereitet, wenngleich ich keinen Podcast mehr gefunden habe, der mir alles so schön auf dem Silbertablett serviert. Für eine längere eigenständige Recherche war ich dann doch zu unmotiviert. Das tarantinoeske Ende hat mir jedenfalls mit einigen morbiden Lachern beim Lesen sehr zugesagt und die Gesellschaftskritik an der Idiotie der Menschen schlägt einem hier wirklich mit dem Knüppel auf den Kopf. Auch in diesem Text würden sich sicherlich massenhafte Verweise und klug verwobene Andeutungen finden, zu deren Analyse ich gerne anregen möchte - eine Hörerin für diese Podcastfolge hättet ihr sicher ;-). Ich habe beide Erzählungen als Hörbücher gehört, die auf Spotify von Reclam zur Verfügung gestellt wurden. Elmar Nettekoven liest diese so, dass ich mit den Schachtelsätzen Kleists sehr gut mitgekommen bin - wahrscheinlich besser, als dies beim Lesen der Fall gewesen wäre. Durchaus empfehlenswert!
Ich kann dieses Buch nicht mögen. Ich habe es für meinen Deutsch Grundkurs gelesen und eigentlich mag ich Klassiker, aber nicht dieses. Kleist Schreibstil ist mehr als Gewöhnungsbedürftig und auch das Thema fand ich einfach falsch. In der Geschichte wird eine Frau schwanger, doch weiß sie nicht wie. Anders gesagt, sie wurde vergewaltigt... Da sie einen 'Bastard' in sich trägt, wird sie von ihrer Familie verstoßen, da sie ihr nicht glauben. Ich als junge Frau fand die Geschichte einfach ekelerregend. Natürlich für die Zeit war das halt das übliche Vorgehen, aber auch, dass fast alle Namen in der Geschichte abgekürzt werden, gibt mir das Gefühl, dass der Autor die Geschichte nicht recht ernst nimmt. Vielleicht ist auch einfach mein Frust darüber, dass es das 5. Buch ist, dass ich lesen muss und keinerlei Bezug aufbauen kann, weil ich nicht im 18. Jahrhundert lebe. Edit: Es ist jetzt zwei Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe und da ab und zu Menschen anscheinend immer noch diese Rezension finden, will ich ergänzen. Die Prämisse und Geschichte des Buches sind an sich ein interessantes Thema und könnten zu einer Geschichte von Emanzipation und Gesellschaftskritik führen, dass Problem jedoch ist, dass es dies nicht in meinen Augen tut. Was dieses Problem verstärkt hat, dass meine Deutschlehrerin damals versuchte, mir das Buch unter dem Schirm von emanzipierten weiblichen Charakteren zu verkaufen. Man kann argumentieren, dass sich O. nach der Unterstellung der Beziehung außerhalb des Ehebundes, von ihrer Familie distanziert hat und diese Entscheidung augenscheinlich selbst traff, aber rückblickend ich immer mehr empfinde, dass anstelle einer emanzipierten Frau, von Kleist eine Sturre dargestellt wird. Wir hatten zudem auch Adaptionen geschaut, in welcher am Ende der weibliche Charakter dem Vergewaltiger verzeiht, welche für mich noch einmal zeigten, wie auch im Buch am Ende für einfaches Stockholm-Syndrom plädiert wird. So ist der Mann schließlich Retter und Täter zugleich, und warum sich damit auseinandersetzten, welche Gewalt der Frau durch ihn zugefügt wurde, wenn man auch einfach ihm verzeichen könnte und sämtliches Trauma, dass Frauen zu der Zeit (und auch heute noch) durchleben, wenn sie vergewaltigt werden. Je mehr ich über sexuelle Gewalt lerne und desto länger ich über dieses Buch reflektiere, desto mehr hasse ich es. Zu guter Letzt noch ein Problem der Neuzeit. Um jungen Frauen, Männern und alles dazwischen, tatsächlich wertvolle Literatur und Lebenswissen mit zu geben, sollten wir ihnen nicht Bücher wie dieses oder Faust geben, wo Männer über Frauen schreiben und ihre altherren Fantasien ausleben sondern Bücher, die aktuelle Probleme aufgreifen und es zu lassen einen Diskurs über Probleme unserer Gesellschaft zu führen. Ein Klassiker hier und dort schadet nicht, aber wenn die aktuellste Literatur am Anfang des 20. Jahrhundert geschrieben wurde, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Jugendliche erst mit Anfang begreifen, dass Literatur mehr Sinn hat, als in einem Test abgefragt zu werden.
Da ich die zwei Geschichten zu unterschiedlichen Zeitpunkten gelesen hab, hier zwei unterschiedliche Rezensionen: 1. Die Marquise von O. (gelesen 2013) (1 Stern) Ich sollte es damals im Deutsch LK lesen und fand es von Anfang an verwirrend durch die vielen Abkürzungen und Anspielungen, die ich einfach nicht verstand (durch nicht vorhandenes Geschicht- und Gesellschaftswissen). Dennoch fand ich die Geschichte an sich einfach nicht ansprechend und verstand sie zu dem Zeitpunkt leider auch nicht als Parodie. Die offensichtliche Vergewaltigungszene, die nur durch ... markiert war fand ich als junge Erwachsene sehr abstoßend. 2. Das Erdbeben von Chili (3 Sterne) Las ich heute zum ersten Mal für ein Uni-Seminar und gefiel mir besser als die vorherige Geschichte. Die Szenen des Erdbebens waren kurz aber ausführlich genug beschrieben. Das Schreckliche der Naturkatastrophe, das sich auch auf das gesellschaftliche Leben überträgt, in der eine Panik/ Hetze gegen das Liebespaar ausbricht fand ich sehr gut dargestellt. Man muss diese Lektüre am besten später im Leben und unter anderen Eindrücken lesen als im Deutsch LK, dafür fand ich es nämlich komplett unpassend und wenig ergreifend wie andere Lektürevorschläge (Faust, Das Parfüm etc.)