Ein Märchen für Erwachsene, die das Lachen verlernt haben
Manchmal braucht man in schwierigen Lebensphasen genau die Art von Jugendliteratur, die sich leicht lesen lässt und trotzdem tief trifft. So ging es mir mit diesem Buch. Dieser absolute Klassiker (oder, wie viele ihn kennen: die alte Schullektüre) wirkt auf den ersten Blick wie eine einfache Märchenerzählung. Doch liest man ihn als Erwachsene, erkennt man plötzlich so viel mehr. Man spürt, wie sehr wir selbst Teil dieser Geschichte geworden sind. Wie wir in einem System leben, in dem Funktionieren oft wichtiger scheint als Fühlen. Für manche Menschen mag das Erfüllen von Pflichten das höchste Ziel sein. Doch irgendwann begreift man, dass auf diesem Weg etwas verloren geht: Lebensfreude, Wille, Lebendigkeit. James Krüss schreibt in einem unkomplizierten, fast verspielten Ton, der dennoch von einem ernsten Unterton durchzogen ist. Er zeigt, wie kompliziert das Leben trotz scheinbarer Einfachheit sein kann. Die Kapitelstruktur ist schlicht. Typisch für Kinder- und Jugendliteratur –, aber genau das macht den Charme aus. Einige ältere Formulierungen haben mir sogar einen kleinen Nostalgie-Kick verpasst. Und trotzdem, so ehrlich muss ich sein: Ich mochte Timm Thaler als Figur nie besonders. Nicht damals, nicht heute. Aber ich mag das Buch. Es spiegelt, was Menschsein wirklich bedeutet.








